DAS GEWISSEN IM QURAN

DEM QURAN GEMÄSS LEBEN DURCH STETIGES BEFOLGEN DES GEWISSENS

Der einzige Sinn des Lebens eines Menschen, der sich des Daseins Allahs und des Jenseits bewusst ist, besteht darin, Allah zufrieden zu stellen und auf ewig im Paradies zu leben. Für jemanden, der nach seinem Gewissen und seiner Weisheit handelt, ist es unmöglich, sich ein anderes Ziel zu setzen. Ein weiterer großer Irrtum des Menschen ist es, anzunehmen, dass die Religion ein Glauben ist, der nur einen kleinen Teil des Lebens betrifft, etwas, an das man sich nur an bestimmten Tagen erinnert, und dass nichts damit zu tun hat und nur ein paar Gebetsrituale einschließt. Im Gegenteil, im Quran wird gesagt, dass das gesamte Leben des Menschen mit allen Verrichtungen für Allah zu sein hat:

Sag: Ja, mein Gebet und mein Opfern und mein Leben und mein Sterben sind für Allah, den Herrn der Welten. (Suratu-l-an'am 6:162)

Das bedeutet, dass der Mensch bei all seinen Worten, Entscheidungen und Handlungen darauf achten muss, ob Allah mit ihm zufrieden ist oder nicht. Wenn er meint, dass etwas Allah unzufrieden macht, dann muss er es gänzlich meiden. Es gibt keine andere Wahl für einen Menschen, der für das Leben, das er führt, zur Rechenschaft gezogen wird und dessen ewige Bleibe vom Ergebnis abhängt. Außerdem wird jemand, der nicht undankbar ist und der über die Wahrheit nachdenkt und sie versteht, ganz sicher nichts für wichtiger halten als seinen Herrn zufrieden zu stellen, der ihn aus dem Nichts geschaffen hat, ihm Leben gab, als er nichts war und ihm die Gunst gewährt, für immer im Paradies zu leben.

Wer sich entschließt, sein ganzes Leben um Allahs willen zu leben, hält sich wiederum an sein Gewissen um herauszufinden, wie er Allah zufrieden stellt. Im Quran hat Allah alle Seine Gebote und die Taten, die Er verbietet, klargemacht. Zuallererst beachtet jemand, der auf sein Gewissen hört, strikt diese Gebote und Verbote. Er richtet die größte Aufmerksamkeit auf die Taten, die wohlgefällig und die verboten sind und praktiziert alle Gebote, die er im Quran liest. Er nimmt die Vorbilder des guten Verhaltens, die im Quran mitgeteilt werden, als Anleitung für sich selbst, er handelt mit größter Aufrichtigkeit und erfüllt alles, was im Quran geschrieben steht, nach bestem Verständnis und Vermögen.

Wer den Quran liest, stellt fest, dass Allah den Menschen bestimmte Formen des Gottesdienstes aufgetragen hat. Eine davon ist es, regelmäßig das Gebet zu verrichten:

Und wenn ihr das Gebet abgeschlossen habt, so erinnert euch an Allah, stehend und sitzend und auf euren Seiten, und wenn ihr in Ruhe seid, so richtet das Gebet ein, das Gebet ist ja für die Gläubigen eine zeitlich festgesetzte Vorschrift. (Suratu-nisa 4:103)

Dieser Vers erinnert daran, dass regelmäßiges Gebet eine Pflicht ist. Das Gewissen eines jeden, der diesen Vers liest, wird ihm sagen, dass er beten soll. Der Mensch kann entweder praktizieren, was sein Gewissen und der Quran von ihm verlangen, oder er meidet es, die Anweisungen des Qurans zu befolgen und führt verschiedene Entschuldigungsgründe an. Man darf aber nie vergessen, dass ganz gleich welche Entschuldigung man findet, um nicht zu beten, diese Entschuldigung im Jenseits nicht angenommen wird. In einem anderen Quranvers verlangt Allah vom Menschen, stets gerecht zu handeln, gleich unter welchen Voraussetzungen und in welcher Lage:

Ihr, die glauben, seid fest Einstehende für die Gerechtigkeit, als Zeugen für Allah, und wenn es gegen euch selbst wäre oder die Eltern und die Verwandten, ob es ein Reicher ist oder ein Bedürftiger, und Allah ist ihnen beiden näher, also folgt nicht dem eigenen Wunsch, damit ihr gerecht seid, und ob ihr es verdreht oder euch abwendet, so ist ja Allah immer dessen kundig, was ihr tut. (Suratu-nisa 4:135)

Allahs Gebote genauestens zu erfüllen, selbst wenn sie mit den eigenen Wünschen in Konflikt geraten, ist nur möglich, indem man auf die Stimme des eigenen Gewissens hört. Lass' uns an Situationen denken, denen derjenige vielleicht ausgesetzt ist, der in diesem Vers angesprochen wird. Es kann sein, dass die gerechte Zeugenaussage eines Menschen vielleicht dazu führt, dass ein Verwandter von ihm für ein Verbrechen bestraft wird. Aber selbst in einer solchen Situation wird ein Mensch, der weiß, dass er nach seinem Tod zur Rechenschaft gezogen wird, auf sein Gewissen hören und in Übereinstimmung mit dem Gebot des Qurans handeln, denn kein Gewinn in dieser Welt kann größer sein als sein Gewinn im Jenseits.

In einem weiteren Quranvers sagt Allah über das Gerechtsein:

Ihr, die glauben, seid fest zu Allah einstehende Zeugen für die Gerechtigkeit, und ganz bestimmt nicht soll euch der Hass gegen Leute dazu veranlassen, dass ihr nicht gerecht handelt - handelt gerecht, das ist näher an der Gottesfurcht, und fürchtet Allah, Allah ist ja dessen kundig, was ihr tut. (Suratu-l-ma'ida 5:8)

Damit jemand wirklich nach diesem Quranvers handeln kann, muß er seinen Haß beherrschen können, wenn er am wütendsten ist, und eine gerechte Entscheidung treffen. Der andere, mit dem er es zu tun hat, ist vielleicht jemand, den er wegen seines Verhaltens und seiner Redeweise nicht mag, oder sogar jemand, gegen den er eine Abneigung hegt. Ganz gleich, um wen es sich handelt, es ist ein Gebot Allahs, gegen jedermann gerecht zu sein.

Ein weiteres Beispiel ist das Gebot Allahs, Argwohn und üble Nachrede zu meiden:

Ihr, die glauben, haltet euch fern von vielem von der Vermutung, manche Vermutung ist mutwillige Sünde, und spioniert einander nicht nach, und es rede nicht einer von euch einem anderen Übles nach. Möchte einer von euch, dass er das Fleisch seines verstorbenen Bruders isst? Also das verabscheut ihr! Und fürchtet Allah, Allah ist ja vergebend, barmherzig. (Suratu-l-hudschurat 49:12)

Mit diesem Quranvers bewahrt Allah den Menschen vor einigen schlechten Verhaltensweisen. Die drei hier speziell genannten sind miteinander verknüpft. Jemand, der einem anderen Übles nachredet, stellt auch schlechte Vermutungen über diese Person an. Ebenso spioniert jemand einem anderen nach, weil er gewisse Vermutungen über ihn anstellt. Solches Verhalten ist sehr weit verbreitet und wird in der Gesellschaft in gewisser Weise akzeptiert, obwohl es ganz sicher dem Gewissen zuwiderläuft. Ein guter Maßstab zum Vergleich ist es, sich selbst in einer solchen Lage vorzustellen. Niemand möchte jemals, dass ihm nachspioniert wird und dass seine Geheimnisse und Fehler ausgeforscht und offengelegt werden. Niemand möchte, dass ihm Übles nachgeredet wird oder dass andere Menschen schlechte und falsche Vermutungen über ihn anstellen. Wer entdeckt, dass auf solche Weise über ihn gesprochen wird, wäre zutiefst betroffen und würde sich als ungerecht behandelt ansehen. Es ist böse und unentschuldbar, jemandem solchen Schmerz zuzufügen und ihn in solche Lage zu bringen.

Es ist ein Zeichen für das Gewissen eines Men-schen, dass er niemals einem anderen etwas zufügt, von dem er nicht möchte, dass es ihm zugefügt wird. Aus diesem Grund vergleicht Allah derartiges Verhal-ten mit dem "Essen des Fleisches seines Bruders." Das ist ebenso abscheulich wie das üble Nachreden, Vermutungen anstellen und nach Fehlern zu suchen. Außerdem droht Allah denjenigen, die so etwas tun, mit der Strafe der Hölle:

Wehe jedem schmähenden Aufhetzer, Der Vermögensgut ansammelt und es zählt, Er rechnet damit, dass sein Vermögensgut ihn ewig da sein lässt, Keineswegs! Ganz bestimmt wird er in die Zermalmende geschleudert, Und was lässt dich wissen, was die Zermalmende ist? Das Feuer Allahs, brennend, Das aufsteigt über die Herzen, Es ist ja über ihnen, versperrend, In hoch hinaufragenden Säulen. (Suratu-l-humaza 104:1-9)

Übles Nachreden, die Geheimnisse anderer Men-schen ausforschen und Menschen allein auf Grund von Vermutungen anzuschuldigen sind oft das Ergebnis von Eifersucht, Neid und Groll und stehen im direkten Gegensatz zur quranischen Moral. Solches Verhalten ist gänzlich unvereinbar mit dem Gewissen, selbst wenn die Gesellschaft nicht besonders bemüht ist, davon abzulassen. Wenn man bedenkt, wie Allah solche Handlungen vergelten wird, dann ist die angemessenste Haltung in Übereinstimmung mit quranischer Moral sie auch nicht für einen kleinen Augenblick zu begehen und andere Menschen so gut als möglich davon abzuhalten.

Das Verhalten und Denken eines Menschen, der das Wesentliche vom Quran begriffen hat, beruht auf guter Moral, wie der Islam sie im allgemeinen vorschreibt. Mit anderen Worten, wer diese gute Verhaltensweise in seinem Leben verwirklicht, wird immer gewissenhaft denken und handeln. Er wird den Tod und das Jenseits nie vergessen, und das wird alle seine Taten auf das Jenseits hin ausrichten. Ein solch bemerkenswerter Mensch wird nicht mehr nur allein für sich an das Jenseits denken, sondern auch für die ihm Nahestehenden und die Gemeinschaft insgesamt. Alle seine Bemühungen sind darauf hin ausgerichtet, Vorbereitungen für diese ewige Bleibe zu treffen.

Selbst scheinbar gewöhnliche Geschehnisse betrachtet der Mensch mit Gewissen nicht im Hinblick auf die Welt, sondern auf das Jenseits. Hat er beispielsweise einen sehr wohlhabenden Freund, dann denkt er sofort daran, dass auch dieser Freund eines Tages sterben wird und im Jenseits Rechenschaft abzulegen hat. Er vermeidet insbesondere solche Ge-spräche, die seinen Freund enger an das Leben dieser Welt binden würden. Er ermutigt ihn, großzügig zu sein und erinnert ihn an Paradies und Hölle. Er betet für ihn um Gutes und Frieden sowohl in der Welt als auch im Jenseits, und dass Allah sie beide einander in einem glücklichen Jenseits wiederbegegnen lässt. Ein Mensch mit Gewissen bringt seine Liebe zu seinem Freund dadurch zum Ausdruck, dass er sich um dessen Jenseits bemüht, und indem er ihm das Falsche untersagt und das Richtige aufträgt.

Auf den ersten Blick wirkt jemand, der nach seinem Gewissen handelt und stets Allahs Wohlgefallen sucht, vielleicht nicht anders als andere Menschen. Auch er geht seinem Beruf nach oder zur Schule, kauft ein und vergnügt sich. Aber er sucht Allahs Wohlgefallen in all dem, was er tut, zu erlangen. Allah spricht in einem Quranvers:

Männer, die kein Handel und kein Kauf ablenkt vom Eingedenksein Allahs und dem Einrichten des Gebets und dem Geben der Almosen. Sie fürchten einen Tag, an dem die Herzen und die Blicke sich hin und her wenden. (Suratu-nur 24:37)

Man fragt sich vielleicht, wie es denn möglich sein kann, Allahs Zufriedenheit durch die gewöhnlichen Alltagshandlungen zu gewinnen, die man begeht, und wie es möglich ist, sich stets an Allah zu erinnern. Als erstes muss man hier sagen, dass für einen Menschen, der seinem Gewissen folgt, die Verrichtungen des Gottesdienstes und Allahs Gebote über allem stehen. Er vergisst nie, dass Allah ihn immer sieht. In dem Geschäft, dem er nachgeht, befasst er sich nicht mit den Nutzen in dieser Welt, sondern denen im Jenseits. Er lässt nie nach mit der Ehrlichkeit und lässt sich nie zu einer Handlung herab, für die er im Jenseits nicht Rechenschaft geben könnte oder derer er sich im Jenseits schämen müsste. Selbst wenn er weiß, dass er Verlust an Einkommen hat, gerät er nicht in die Versuchung, bei Maß, Gewicht oder Berechnung zu betrügen. Er ist in all diesen Fragen höchst zuverlässig und vertrauenswürdig. Er schiebt das Begleichen von Schulden nicht auf, wenn er zur Rückzahlung in der Lage ist, oder, wenn jemand, der ihm etwas schuldet, in Zahlungsschwierigkeiten gerät, verzichtet er vielleicht sogar auf die Rückforderung. Im Quran wird dazu folgendes geraten:

Und wenn einer in Schwierigkeiten ist, so gilt Nachsicht bis zur Erleichterung, und dass ihr es als Spende gebt, ist besser für euch, wenn ihr das wisst. (Suratu-l-baqara 2:280)

Ein Gläubiger vergisst nie, dass die einzige Macht, die Gunst und Wohlergehen verleiht, die Macht Allahs ist. Er überschreitet Allahs Grenzen nicht wegen dem, was ihm gegeben wurde, sondern dankt im Gegenteil Allah für jede ihm gewährte Gunst. Es gibt vieles anderes, das dem Menschen in seinem Alltagsleben begegnet und wobei er sich an Allah erinnern und sein Wohlgefallen erstreben kann, indem er auf die Wahrheit und Weisheit Seines Wortes vertraut, dass Allahs Gesandter mit dem Quran verkündet hat. Jeder, der nach der Religion (din) leben möchte, sollte den Quran lesen und dabei sein Gewissen heranziehen und ebenso unter Heranziehung seines Gewissens praktizieren, was er gelesen hat.

Das Gewissen sucht nach dem Verhalten, das Allah am besten zufrieden stellt

Das Gewissen des Menschen unternimmt große Anstrengungen, um zur Zufriedenheit Allahs tätig zu sein. Es fragt stets: Wie kann ich Allah am besten zufrieden stellen? Es fragt nicht nach der Zufriedenheit anderer Menschen und sorgt sich auch nicht nach seinem Ansehen in ihren Augen. Es wendet sich allein in Reue zu Allah. Manche Menschen leben den Islam ohne ihr Gewissen heranzuziehen und stattdessen auf eine traditionelle und gewohnheitsmäßige Weise, wie sie es bei ihren Vorfahren gesehen haben. Sie verrichten bestimmte gottesdienstliche Riten, die sie auswendig gelernt haben, und damit sind sie zufrieden. Sie haben eine Lebensweise gewählt, die dem Islam nur Lippendienst erweist. Der Grund dafür ist vielleicht, dass sie Konflikte mit ihren Zeitgenossen vermeiden wollen oder einfach nur, weil sie so erzogen wurden. Statt darüber nachzudenken, was sie tun sollten, um Allah zufrieden zu stellen, denken sie: Was ist das Minimum, das ich tun muss, damit die Leute glauben, dass ich meine Religion praktiziere?

Es ist aber nicht möglich, den Islam zu leben, ohne das Gewissen voll und ganz heranzuziehen. Ein wirklich nach dem Gewissen lebender Mensch denkt darüber nach, wie er jede Art des Gottesdienstes auf beste Weise verrichten kann. Er bemüht sich, sicher zu stellen, dass weder seine Taten noch seine Worte am Tag der Abrechnung eine Gefahr für ihn sind. Er weiß, dass ihm im Jenseits vergolten wird, was er tut. Allah warnt die Menschen davor:

Und richtet das Gebet ein und gebt die Almosen, und was ihr vorausschickt für eure Seelen an Gutem, ihr findet es bei Allah, Allah hat ja im Blick, was ihr tut. (Suratu-l-baqara 2:110)

Ein Beispiel aus dem Quran für jemanden, der versucht, etwas auf beste und schönste Weise zu tun, wird den Gläubigen bezüglich des "sagen was besser ist" gegeben:

Und sage zu Meinen Knechten, sie sollen sagen, was besser ist. Der Teufel stachelt ja an zwischen ihnen, der Teufel ist ja für den Menschen ein klarer Feind. (Suratu-l-isra 17:53)

Wer dieses Gebot von Allah kennt, wird sich um die beste Sprache bemühen, indem er sein Gewissen befragt. Er wird nicht einfach losreden, was ihm gerade einfällt. Im Gegenteil, er spricht auf schönste und eindruckvollste Weise, und er achtet sorgsam darauf, dass er die Menschen, zu denen er spricht, nicht verzagt macht. Er wählt die Worte, die Allah am meisten zufrieden stellen, und dabei zieht er sein Gewissen als Grundmaßstab heran.

In einem anderen Quranvers teilt Allah die Menschheit im Hinblick auf ihre Zuwendung zum Islam in drei Gruppen:

Dann ließen wir die Schrift diejenigen erben, die Wir von unseren Knechten auserwählt haben, und unter ihnen ist mancher gegen sich selbst Unrechthandelnde, und unter ihnen ist mancher in der Mitte, und unter ihnen ist mancher mit den guten Taten Vorausgehende, mit der Erlaubnis Allahs, dies, es ist die große Gunst. (Suratu-l-fatir 35:32)

Wie es in diesen Versen heißt, gibt es manche Menschen, die überhaupt nicht nach dem Islam leben, andere befolgen nur zum Teil, was ihnen ihr Gewissen sagt und wenden nur einen Teil ihrer Zeit und ihrer Mittel für den Islam auf, aber nur, wenn es nicht ihren sonstigen Interessen zuwiderläuft. Sie machen keine ernsthaften Anstrengungen, um den Islam und das gute Verhalten unter den Menschen zu verbreiten. Indem sie glauben, dass sie ja schon darauf achten, was verboten und erlaubt ist, gehen sie davon aus, dass ihre gottesdienstlichen Verrichtungen, die sie ausüben, sie auch moralisch kompetent machen.

Tatsächlich ist das Gewissen am meisten angemessen, die moralisch richtigsten und schönsten derjenigen Handlungen zu wählen, die erlaubt und akzeptabel sind. Hierzu hat Allah im Quran im Hinblick auf jene, die dem besten, das gesagt wurde, folgen, mit Hochachtung gesagt:

Diejenigen, die das Wort hören und seinem Besten folgen, diese sind es, die Allah rechtleitet, und diese, sie sind die mit der Einsicht. (Suratu-zumar 39:18)

Die dritte Gruppe, die einander im Guten übertreffen, sind jene, die in voller Übereinstimmung mit ihrem Gewissen handeln. Sie versuchen einander zu übertreffen, um den höchsten Lohn von ihrem Herrn zu erhalten und sind zu jedem Dienst und jeder guten Tat bereit, ohne auf jemanden sonst zu warten. Wenn es etwas besseres zu tun gibt, erlaubt ihnen ihr Gewissen nicht, bei dem weniger Guten zu bleiben, ohne sich um dessen Verbesserung zu bemühen.

Wie man sieht, verlangt das Gewissen nicht nur, Allah zu kennen und Sein Dasein zu akzeptieren, sondern Taten zu tun, die Ihn zufrieden stellen und dem große Aufmerksamkeit zu schenken. Die meisten Menschen denken, es genüge, an Allahs Dasein zu glauben. Der Quran richtet sich mit folgenden Worten an sie:

Sag: Wer versorgt euch von den Himmeln und der Erde, oder wer hat Gewalt über das Hören und die Blicke, und wer bringt das Lebendige aus dem Gestorbenen hervor und bringt das Gestorbene aus dem Lebendigen hervor, und wer lenkt die Angelegenheit? Und sie werden sagen: 'Allah!' So sag: Also seid ihr nicht gottesfürchtig? Also dieser Allah, euer Herr, ist die Wahrheit, und was gibt es nach der Wahrheit außer dem Fehlgehen? Also wie seid ihr weggewendet? (Sura Yunus 10:31-32)

Wie diese Verse zeigen, glauben solche Menschen an Allahs Dasein und akzeptieren auch, dass Allah sie versorgt, dass Er Leben und Tod gibt, und dass Er der Schöpfer ist, dem alles gehört. Sie ziehen ihr Gewissen nur insoweit heran, als es ihnen eine solche Sicht der Dinge gibt und sehen dies als ausreichend für ihren Glauben an. Ein Mensch, der sein Gewissen voll und ganz einbringt, verspürt hingegen eine respektvolle Furcht vor Allah, weil er von der Erhabenheit Allahs weiß. Diese Furcht ist anders als sonstige Furcht, es ist die Furcht davor, Allahs Gutheißung zu verlieren. Das ganze Leben eines Menschen, der diese Furcht verspürt, besteht nur darin, allein die Zufriedenheit Seines Herrn zu finden. Er setzt sich in seinem Be-mühen der Annäherung an Allah keine Grenzen. Im Quran wird der Prophet Abraham (a.s.) als ein Beispiel dafür gegeben:

Und wer ist besser an Religion als wer sein Antlitz friedenmachend Allah ergeben hat, und er ist ein Guthandelnder, und er folgte der Glau-bensgemeinschaft Abrahams, des Rechtgläubi-gen? Und Allah hat Sich Abraham zum innigen Freund genommen. (Suratu-nisa 4:125)

Ein Mensch, der völlig seinem Gewissen gemäß handelt, wird nach dem höchsten Grad des Verstehens streben, das dem Menschen möglich ist, er wird sich Tag und Nacht abmühen, Allahs Macht und Majestät zu erkennen, sich Ihm anzunähern und zu Seinem innigen Freund zu werden. Weil er aber nie sicher sein kann, die höchste Form der innigen Freundschaft und Nähe erlangt zu haben, wird dieses Bemühen und diese Bereitschaft bis zu seinem Lebensende anhalten.

Man fragt sich vielleicht, wie es überhaupt möglich ist, Allah nahe zu sein. Der Schlüssel dazu ist wiederum unser Gewissen, wie es auf den folgenden Seiten erläutert wird.

WIE WEISS DAS GEWISSEN, DASS ES ALLAH NAHE
SEIN SOLL?

Wenn ein Mensch danach gefragt wird, was das Wichtigste in seinem Leben ist, was würde er antworten? Wäre es sein Haus, seine Familie, sein Beruf oder vielleicht seine Ideale? Wie immer auch die Antwort ausfällt, er darf nicht vergessen, dass es noch etwas viel Wichtigeres gibt, das er vielleicht außer acht gelassen hat.

Das Wichtigste im Leben eines Menschen ist es, von Allah zu wissen, der ihn geschaffen hat und ihm all das gegeben hat, was er besitzt, und sich zu bemühen, Allah nahe zu sein. Die meisten Menschen verbringen ihr Leben ohne dies zu berücksichtigen. Stelle diese Frage einmal dem erstbesten Menschen, dem Du begegnest, oder frage einmal einfach jeden, den Du triffst, nach den wichtigsten und dringendsten Angelegenheiten seines Lebens. Die Antworten, die Du erhältst, werden sich alle auf das Leben dieser Welt beziehen.

Jemand, der seinem Gewissen folgt, begreift indes sofort die Wichtigkeit der Nähe zu Allah und sucht nach Wegen für diese Nähe. Denn im Quran heißt es:

Ihr, die glauben, fürchtet Allah und erstrebt zu Ihm die Verbindung, und setzt euch ganz ein auf Seinem Weg, damit es euch vielleicht wohlergeht. (Suratu-l-ma'ida 5:35)

Alles um Dich herum ist den Bedürfnissen der Menschheit gemäß erschaffen. Dein Körper funktioniert vollkommen, ohne einen einzigen Gedanken von Dir. Das Herz hört nicht auf zu schlagen, die Nerven hören nicht auf die notwendigen Informationen an Dein Gehirn weiterzuleiten. Alle möglichen Nahrungsmittel zu Deiner Ernährung und zu Deinem Überleben sind auf natürliche Weise auf der Erde vorhanden, und die richtige Menge von Sauerstoff, die Du brauchst, in der Atmosphäre. Du hast einen Muskel- und Skelettaufbau, die Dir zur Bewegung verhelfen, ohne dass Du darüber überhaupt nachdenkst. Du kannst verschiedenes aufheben und festhalten und große Entfernungen gehen oder laufen. Zusätzlich zu den Grundfunktionen zu Deinem Überleben hast Du auch besondere Sinneswahrneh-mungen, für die Du das notwendige Bewusstsein besitzt. Die Geschmacksrichtungen unterschiedlicher Speisen, das Berühren feiner Stoffe, die Schönheit eines Anblicks oder das Gespräch mit einem Freund, all das kann Dir Zufriedenheit verschaffen. Und Du hast einen Schöpfer mit höherer Macht, der all das für Dich geschaffen hat. Er hat Dich aus dem Nichts geschaffen, als Du nichts warst. Hätte Er es nicht anders gewollt, wärst Du Nichts geblieben. Aber Allah wollte und erschuf Dich als Menschenwesen. Nur einige wenige der Begünstigungen, die Allah den Menschen gewährt, können hier genannt werden. All die Gnaden Allahs aufzuzählen wäre unmöglich, wie es im folgenden Quranvers heißt:

Und wenn ihr die Gnade Allahs zusammenzählen wolltet, ihr errechnet sie nicht, Allah ist ja bestim-mt verzeihend, barmherzig. (Suratu-nahl 16:18)

Über diese Gunsterweise hinaus hat Allah denjenigen, die Seinem Weg im Leben dieser Welt folgen, die allerschönste Belohnung versprochen, das Paradies für immer und die Erfüllung aller Wünsche.

Im Gegenzug für Allahs Gnaden ist Deine allerwichtigste Verantwortung zweifellos Allah für all das zu danken, das Er Dir gewährt hat. In einem Quran-vers heißt es:

Und Allah hat Euch hervorgebracht aus den Bäuchen eurer Mütter, - ihr wisst nichts, - und Er hat euch das Hören und die Blicke und die Herzen gemacht, damit ihr vielleicht dankbar seid. (Suratu-nahl 16:78)

Alle die Segnungen, die Dir im Laufe Deines Lebens zukommen, sind allein von Allah:

Was Allah den Menschen von Seiner Barmherzig-keit offen legt, so gibt es keinen, der es zurückhält, und was Er zurückhält, so gibt es danach keinen Entsender dafür, und Er ist der Mächtige, der Weise. Ihr, die Menschen, erinnert euch an die Wohltat Allahs gegenüber euch. Gibt es einen Schöpfer, einen anderen als Allah, der euch ernährt vom Himmel und der Erde? Es gibt keinen Gott außer Ihm, also wie seid ihr getrogen? (Suratu-l-fatir 35:2-3)

Die fortwährende Existenz des Menschen ist nur möglich durch Allahs Willen, also ist es einleuchtend, dass Allah Wille das Wichtigste ist und die wichtigste Sache darin besteht, Ihm nahe zu sein. Aber die Menschen lassen sich durch die alltäglichen Angele-genheiten des Lebens ablenken und lassen sich kaum einen Moment Zeit, um hierüber nachzudenken. Sie legen sehr viel Wert darauf, was andere Menschen von ihnen halten und geben sich viel Mühe, ihre Bewun-derung und Achtung zu gewinnen, statt über Wege nachzudenken, wie sie Allahs Zufriedenheit und Seine Liebe erlangen können. Das ist zweifellos die größte Undankbarkeit. Der Mensch sollte wissen, dass es nicht nur eine Pflicht ist, nach Allahs Zufriedenheit zu streben, sondern auch der einzige Weg zum eigenen Glück und zum eigenen Frieden. Diejenigen, die Allah vergessen, weil sie nach der Zufriedenheit von Men-schen streben oder durch andere eitle Ziele verleitet werden, können niemals wahre Befriedigung finden und glücklich sein. Allahs Zufriedenheit ist die größte Freude und das größte Glück, in denen das Herz des Menschen Frieden findet. Wie der Quran sagt, finden die Herzen Ruhe bei der Erinnerung an Allah:

Diejenigen, die glauben, und deren Herzen Ruhe finden bei der Erinnerung an Allah. Finden nicht die Herzen Ruhe bei der Erinnerung an Allah? (Suratu-ra'd 13:28)

Im Allgemeinen sind die Menschen, was Allah und das Jenseits angeht, nicht ahnungslos, und wenn man sie drängt, geben sie zu, dass es sich dabei um die Wahrheit handelt. Aber der Grund, weshalb ihr Leben weit weg von Allah ist, liegt in ihrer Vergesslichkeit, und sie müssen sich ständig durch dskir (Eingedenksein) und Besinnung erinnern. Jemand, der sich wirklich immer an Allahs Dasein und die Strafe des Höllenfeuers erinnert, wird niemals faul oder achtlos werden. Könnte jemand am Tag der Auferstehung am Rande der Hölle Rechenschaft ablegen und an etwas anderes als Allah denken? Kann zu diesem Zeitpunkt etwas anderes als Allahs Zufriedenheit Berücksichtigung finden? Wessen Liebe und Freund-schaft würde jemand in dieser Lage am liebsten gewinnen? Würde die Meinung eines Freundes oder Ver-wandten noch irgendwie wichtig oder nützlich sein? Dass Besitztümer und enge Verbindungen für diejenigen keine Bedeutung mehr haben, die das Höllenfeuer vor sich sehen, wird in den folgenden Quranversen gesagt:

Und es fragt kein Heißliebender einen Heißlie-benden, Sie sind ihrem Anblick ausgesetzt, liebend gern hätte es der Verbrecher, wenn er sich von der Strafe dieses Tages mit seinen Kindern auslöste, Und seiner Gefährtin und seinem Bruder, Und seiner Familie, die ihm Bleibe gibt, Und wer auf der Erde ist, allesamt, wenn es ihn denn retten würde. Keineswegs! Es ist eine Lohe, reißend. (Suratu-l-ma'aridsch 70:10-15)

Wie wir aus dem Quran entnehmen und mit unserem Gewissen verstehen, soll der Mensch sein gesamtes Leben um Allahs willen leben. Wenn Du Dein ganzes Leben auf eine Allah zufrieden stellende Weise leben möchtest, genügt es Dir, die Quranischen Gebote zu befolgen, dem Beispiel des Propheten (s) Folge zu leisten und auf Dein Gewissen zu hören, wenn Du den Geschehnissen des Lebens ausgesetzt bist. Wenn Du bei jedem Geschehnis, dem Du ausgesetzt bist, sei es groß oder klein, Deinem Gewissen folgst, dann bedeutet das, dass Du nach Allahs Zufriedenheit strebst. Indem Du stets auf die Stimme des Guten in Dir hörst, stellst Du Allah, mit allem, was Du tust, zufrieden.

Ist jedermanns Gewissen das Gleiche?

Menschen, die nicht nach Allahs Zufriedenheit streben, begehen durchaus Taten, die ihnen gut er-scheinen. Es können wahrhaft rücksichtsvolle, freundliche Menschen sein. Wenn aber ihre guten Taten nicht um der Zufriedenheit Allahs willen geschahen, finden sie vielleicht nicht Allahs Gunst und Anerkennung. Diese Leute tun Gutes, nicht weil sie wirklich ihrem Gewissen folgen, sondern aus persönlichem Interesse, wie das Gefühl der Befriedigung, das dem Ruf folgt, ein "wohltätiger" Mensch zu sein, oder einfach gefühlsmäßige Befriedigung.

Anders gesagt ist die Absicht, dem Gewissen zu folgen, wichtiger als die Handlung selbst. Wenn ein Mensch will, dass sein gesamtes Leben für Allah gelebt wird, muss er seiner Absicht gemäß handeln. Wenn er beispielsweise eine gute Tat begeht, dann sollte er damit nach Allahs Zufriedenheit streben statt nach der Gunst und Anerkennung anderer Menschen oder persönlicher Befriedigung. Das wird ihm helfen, sich ständig an Allah zu erinnern und sich in all seinen Angele-genheiten an Allah zu wenden. Im Quran lobt Allah solche Menschen:

Harre geduldig aus bei dem, was sie sagen, und erinnere dich an Unseren Knecht David, voller Stärke, er war ja ein stets Umkehrender. (Sura Sad 38:17)

Allah nennt auch im Quran manches, das dazu führt, Ihm nahe zu sein:

Und die Zuvorgekommenen, die Zuvorgekom-menen, Diese sind die Nahegebrachten. (Suratu-l-waqi'a 56:10-11)

Und unter den Wüstenarabern ist mancher, der an Allah glaubt und an den Letzten Tag, und er fasst auf, was er ausgibt, als Mittel der Annäherung an Allah und der Segenswünsche des Gesandten. Ist dies kein Mittel der Annäherung für sie? Allah wird sie in Seine Barmherzigkeit hineingehen lassen, Allah ist ja verzeihend, barmherzig. (Suratu-tauba 9:99)

Jede bewusste Handlung, die um Allahs willen verrichtet wird, ist ein Weg, Allah näher zu kommen und man sollte nicht vergessen, dass Allah denjenigen die frohe Botschaft vom Paradies gibt, die Ihm nahe sind:

Und wenn er einer von den Nahegebrachten ist, So gibt es eine sanfte Brise und wohlduftende Pflanzen und einen Garten der Wohltat, Und wenn er einer von den Gefährten der Rechten ist, So 'Frieden für dich von den Gefährten der Rechten!' (Suratu-l-waqi'a 56:88-91)

DIE NEGATIVEN KRÄFTE GEGEN DAS GEWISSEN

Die Seele (an-nafs)

Das Gewissen muss von Allah eingegeben sein, wie es in der Sure asch-schams heißt:

Und einer Seele, und was sie ebengestaltet hat, Und ihr eingegeben hat ihre Schamlosigkeit und ihre Gottesfurcht. Es hat schon Erfolg, wer sie läutert, Und es ist schon gescheitert, wer sie verdeckt. (Suratu-schams 91:7-10)

In diesen Versen sagt Allah, dass er der Seele Schamlosigkeit (fudschur) und Gottesfurcht (taqwa) eingegeben hat, d.h. mit dem Bewusstsein dafür versehen hat, was richtig für sie ist. Das Wort "fudschur" bedeutet "auf sündhafte Weise handeln, ungehorsam sein, ein Abweichender zu sein, zu lügen, sich erheben, sich vom Rechtschaffenen abwenden, Schwierigkeiten machen, gutes Verhalten ablehnen, das Gegenteil von taqwa." Das Konzept von fudschur beinhaltet alle die negativen Aspekte der menschlichen Seele. Unsere Seele hat zwei Aspekte, fudschur, die Quelle des Bösen, und das Gewissen, das vor dem Bösen schützt.

"An-nafs" ist ein im Quran häufig verwendeter Ausdruck. Es gibt keine direkte Entsprechung im Deutschen, aber man kann ihn mit "die Seele" wiedergeben. Im Quran hat das Wort die folgenden Bedeu-tungen: das Wesen von etwas, sein eigenes Ich, Seele, Herz, Begierde, Ursprung und Lager von Verlangen und Zorn, das Bewusstsein, die antreibende Kraft im Menschen. Hier werden wir uns besonders auf die antreibende Eigenschaft der Seele konzentrieren. Die spirituelle Kraft, die den Menschen veranlasst, eine bestimmte Tat zu tun oder eine bestimmte Entschei-dung zu treffen, ist die Seele. Dieser Aspekt der Seele wird in vielen Quranversen erwähnt. In diesen Versen wird die Seele (das Selbst) als Quelle der Verderbtheit und des Bösen im Menschen bezeichnet.

Als die Brüder des Propheten Joseph (a.s.) ihn aus Neid loswerden wollten, sagte ihr Vater Jakob (a.s.):

Und sie kamen, und auf seinem Hemd war falsches Blut. Er sagte: 'Vielmehr habt ihr euch selbst etwas eingeredet, also schönes geduldiges Ausharren, und Allah ist der um Beistand zu Ersuchende gegen das, was ihr schildert.' (Sura Jusuf 12:18)

Die "niedere Seele" kann die Menschen dahingehend irreführen, dass sie glauben, etwas Schlechtes sei stattdessen gut.

Ein anderer Fall, in dem diese Wirkung der Seele hervorgehoben wird, kommt in der Sure TaHa vor. Samiri war einer der Leute von Moses (Musa), der während Moses kurzer Abwesenheit ein ganzes Volk fehlleitete, als er aus Goldschmuck, den er von den Leuten gesammelt hatte, ein Kalb machte. Als Moses zurückkehrte und Samiri befragte, antwortete er:

Er sagte: 'Ich habe etwas erblickt, was sie nicht erblickt haben, da nahm ich eine Handvoll von der Spur des Gesandten und habe sie hingeworfen, und genau so hat es mir meine Seele eingeredet.' (Sura TaHa 20:96)

Ein anderes im Quran erwähntes Ereignis betraf die beiden Söhne Adams (a.s.). Einer von ihnen tötete den anderen aus Neid und bereute es dann. Allah spricht im Quran darüber:

Da brachte ihn seine Seele zum Töten seines Bruders, und er tötete ihn, und er wurde einer von den Verlierern. (Suratu-l-ma'ida 5:30)

Der Entschluß, jemanden zu töten, stimmt nie mit der Natur des Menschen überein. Aber eine gewisse Eigenschaft in der Seele überredet manche Menschen und lässt es ihnen attraktiv erscheinen. Das gilt ebenso für solche schlechte Taten wie Diebstahl, unmoralisches Verhalten, Lügen, Eifersucht und Eitelkeit.

Die obigen Verse zeigen, wie die negative Überzeugungskraft der Seele wirkt. Der Sohn des Prophe-ten Adam, die Brüder des Propheten Joseph und Samiri begingen ganz unterschiedliche Übeltaten. Das Gemeinsame all dieser Taten ist aber, dass sie durch die Seele des Übeltäters ausgelöst wurden. Ihre Seelen überredeten sie, diese Verbrechen zu begehen, die sie ihnen als gut erscheinen ließen, während sie in Wirklichkeit von ihren Seelen fehlgeleitet und zum Bösen hingezogen wurden.

Was ist die Quelle der Kraft der Seele? Die Antwort ist klar aus der Sure asch-schams zu entnehmen, wo es heißt, dass "fudschur" (alles Böse) in die Seele eingegeben ist. Hier kann die folgende Frage auftauchen: Wenn den Seelen der Menschen Böses eingegeben ist, folgt daraus nicht, dass wir von jedermann schlechtes und unmoralisches Verhalten zu erwarten haben?

Hier müssen wir uns an eine andere Eigenschaft der Seele erinnern. Die negative Eingebung ist nicht die einzige Kraft in der Seele. Liest man die Verse 7-10 in der Sure asch-schams (Sure 91) nochmals, so wird klar, dass der Seele auch eingegeben ist, sich vor dem Bösen zu hüten. Das heißt dass sowohl positive als auch negative Kräfte in der Seele wirken. Die Seele jedes Menschen verfügt sowohl über eine Kraft, die ihn zum Böse veranlasst und es ihm als gut erscheinen lässt, als auch über eine positive Kraft, die ihn veranlasst, sich vor dem Bösen zu hüten und das Gute und Schöne zu wählen. Diese positive Kraft ist das Gewissen. Was die Menschen voneinander unterscheidet ist, dass sie ihr Leben entweder in Befolgung ihres Gewissens oder in Befolgung der negativen Seite der Seele leben.

Der Satan (Schaitan)

Für viele Menschen ist der Satan nur eine mythologische Vorstellung. Es ist ihnen nicht klar, wie er auf die Leute einwirkt und welche Rolle er im Alltagsleben spielt. In diesem Buch kann nur auf einige der Eigenschaften des Satans und der negativen Macht hingewiesen werden, die er gegen das Gewissen zum Einsatz bringt. Dennoch sollte es als Hilfe genügen zu begreifen, dass der Satan nicht ein ausgedachtes Wesen ist, sondern eine negative Kraft, die den Menschen genau beobachtet und versucht, ihn zum Fehlverhalten hinzuziehen.

Der Satan war Allah ungehorsam und warf sich nicht vor Adam nieder. Wegen seines Neides und seiner Überheblichkeit beschloss er, die Menschen, die er als niedriger als er selbst ansah, von Allahs Weg wegzuführen. Im Quran wird gesagt, dass der Satan den Her-zen falsche Wünsche eingibt, versucht, die Menschen an Allahs Dasein und am Jenseits zweifeln zu lassen und ihnen das Leben dieser Welt als besonders anziehend erscheinen lässt. Während das Gewissen des Menschen ihn immer zum Rechten leitet, leitet der Satan den Menschen immer zum Falschen.

Aber der Satan tut das nicht offensichtlich. Er hat verschiedene Methoden, die er auf betrügerische Weise anwendet. Zum Beispiel flüstert er einem Men-schen ein: Du bist ein guter Mensch, Du sagst, Du bist Muslim. Wenn es das Paradies gibt, wirst Du in es hineingehen! Vielleicht beachtet gerade dieser Mensch das regelmäßige Gebet oder andere Gebote Allahs nicht, aber der Satan lässt ihn sicher sein, dass es genügt zu sagen: Ich bin Muslim! Er lässt ihn das Jenseits nicht eindeutig ableugnen, sondern lässt ihn ein der Glaubensverweigerung nahes Leben mit der Bezeichnung "Islam" führen. Wichtiger ist, dass dieser Mensch, der nicht erkennt, dass dies ein absichtlicher Plan des Satan ist, um ihn in die Hölle zu bringen, die Einflüsterungen des Satans für seine eigenen Gedan-ken hält. Hier sollte man nicht vergessen, dass das Gewissen einem immer aufträgt, den Islam richtig zu leben, aber die meisten Menschen folgen den Worten des Satan statt ihrem Gewissen, weil es den Zwecken der eigenen Seele besser passt.

Hier nun verstehen wir die Wichtigkeit des Gewis-sens während der andauernden Prüfung in dieser Welt. Bei jedem Geschehen werden sowohl das Gewissen als auch der Satan sich melden, die Quelle aller persönlichen Eigeninteressen, Leidenschaften und des Bösen. Beide rufen den Menschen zu ihrem jeweiligen Weg. Wer zwischen diesen beiden unterscheiden kann und seinem Gewissen folgt, gewinnt die Zufriedenheit Allahs.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der, dass der Satan den Menschen bis zum Tod nicht in Ruhe lässt oder sogar über den Tod hinaus bis zu dem Zeitpunkt, zu dem seine Seele in die Hölle kommt. Das darf man nie vergessen. Ebenso lässt aber auch das Gewissen den Menschen bis zum Tod nicht allein und verlangt von ihm, jede Tat, die er zu tun hat, so zu tun, dass er im Jenseits in das Paradies gelangt.

Wer sich trotz seines wahrhaften Gewissens dafür entscheidet, seiner Seele zu folgen, ist ein Freund des Satans geworden, weil er den Weg des Satans und nicht den Weg Allahs gewählt hat. Hinsichtlich solcher Menschen hat Allah befohlen:

Und wer schwachsichtig ist gegenüber der Erinnerung an den Allerbarmer, für den haben Wir einen Teufel bestimmt, und er ist für ihn ein Kamerad. (Suratu-zukhruf 43:36)

Wie der Satan (Schaitan) sich jenen annähert, die ihm folgen und wie der Satan und seine Gefährten enden, wird im Quran mitgeteilt:

Er sagte: 'Und weil Du mich hast abweichen lassen, ganz bestimmt lauere ich ihnen auf, bei Deinem richtigen Weg, Dann, ganz bestimmt, komme ich ihnen von vor ihnen und von hinter ihnen und von ihrer Rechten und von ihrer Linken, und Du wirst die meisten von ihnen nicht dankbar finden.' Er sprach: Geh hinaus von hier, würdelos, verjagt. Bestimmt, wer dir von ihnen folgt, ganz bestimmt fülle Ich die Hölle mit euch allesamt. (Suratu-l-a'raf 7:16-18)

Der Satan (Schaitan) hat keine Macht über Menschen, die ihrem Gewissen folgen

Dem Voranstehenden nach könnte man den Eindruck gewonnen haben, der Schaitan sei eine wichtige Kraft, die man meiden muß. Man sollte aber auch wissen, dass die Kraft des Schaitan außerordentlich schwach ist. Allah teilt in einem Quranvers mit:

Diejenigen, die glauben, kämpfen auf dem Weg Allahs, und diejenigen, die den Glauben verweigern, kämpfen auf dem Weg der Abgötter, also kämpft mit den Schutzfreunden des Teufels, die List des Teufels ist ja schwach. (Suratu-nisa 4:76)

Der Satan ist kein wesen, das eine eigene Kraft hätte, die es gegen Allahs Willen gebraucht. Der Satan ist vielmehr eine negative Kraft, der Allah zu existieren erlaubt hat, um den Menschen zu prüfen. Allah hat den Satan und die "niedere Seele" geschaffen, um diejenigen, die glauben von denen zu unterscheiden, die zweifeln. Der Satan selbst weiß, dass er ganz schwach und machtlos gegenüber aufrichtigen und gewissensbezogenen Menschen ist. Er kann sie niemals unter seine Kontrolle bringen, und alle seine Listen ihnen gegenüber schlagen fehl. Dies ist an verschiedenen Stellen im Quran so gesagt:

"Er hat keine Ermächtigung über diejenigen, die glauben und auf ihren Herrn vertrauen, Seine Ermächtigung ist über diejenigen, die sich mit ihm befreunden und diejenigen, die Ihm Mitgöt-ter geben." (Suratu-nahl 16:99-100)

"Er sprach: Geh, und wer dir folgt von ihnen, so ist ja die Hölle eure Vergeltung, völlige Vergel-tung, Und versuche, aufzuhetzen, wen du kannst von ihnen, mit deiner Stimme, und bringe auf gegen sie deine Pferde und dein Fußvolk, und sei ihr Teilhaber an ihren Vermögensgütern und ihren Kindern und mache ihnen Versprechungen - und der Teufel verspricht ihnen nur Trug, Ja, Meine Knechte, - über sie hast du keine Ermäch-tigung, und dein Herr genügt als Sachwalter." (Suratu-l-isra 17:63-65)

Dem Gewissen zu folgen ist der einfachste Weg

Die Wahl zwischen dem Gewissen und der Seele ist für den Menschen eigentlich nicht schwer. Denn Allah hat den Menschen mit der Neigung geschaffen, damit zufrieden zu sein, der Stimme seines Gewissens zu folgen. Deshalb entspricht es der Natur des Menschen, dem din (der Religion) zu folgen und danach zu leben. Im folgenden Quranvers spricht Allah:

Also richte dein Gesicht zur Religion als Recht-gläubiger, die natürliche Weise Allahs, nach der Er den Menschen die natürliche Weise gab, - kein Umändern für die Schöpfung Allahs, dies ist die aufrechte Religion, aber die meisten Menschen wissen es nicht. (Suratu-rum 30:30)

Allah hat jedem Gewissen solche Gedanken eingegeben, so dass jedes Gewissen jedes Menschen Allah zufrieden stellen möchte. Es ist schwierig und elend für den Menschen, Taten zu begehen, die seinem Gewissen zuwider sind. Was ohne Betracht des Gewissens getan wird, verursacht Kummer des Herzens. Das Herz findet nur Ruhe bei der Erinnerung an Allah und dem Streben nach Seiner Zufriedenheit.

Dass es leicht ist, dem Gewissen zu folgen, wird an vielen Stellen im Quran gesagt. Es heißt dort auch, dass Allah denjenigen den leichten Weg zeigt, die nach Seiner Zufriedenheit streben:

… Allah möchte das Leichte für euch, und Er möchte nicht das Schwere für euch ... (Suratu-l-baqara 2:185)

… und wer Allah fürchtet, für den macht Er es leicht mit seiner Sache … (Suratu-talaq 65:4)

Und was den angeht, der glaubt und Rechtschaf-fenes tut, für den gibt es die Vergeltung des Besten, und wir werden ihm unsererseits Erleichterndes auftragen. (Suratu-l-kahf 18:88)

Und Wir machen es dir leicht zu einer Erleich-terung. (Suratu-l-a'la 87:8)

… Allah mutet keiner Seele zu, außer was Er ihr gegeben hat. Allah wird nach der Schwierigkeit Erleichterung geben. (Suratu-talaq 65:7)

Also zusammen mit der Schwierigkeit gibt es ja Erleichterung, Zusammen mit der Schwierigkeit gibt es ja Erleichterung. (Suratu-l-inschirah 94:5-6)

WARUM FOLGEN MENSCHEN IHREM GEWISSEN NICHT, OBWOHL SIE DIE WAHRHEIT KENNEN?

Wenn ein Mensch seinem Gewissen nicht folgt, ist das im Kern eine Sache der Schwäche seines Glaubens an Allah und an das Jenseits. Diese Schwäche führt zu vielen moralischen Störungen, die den Menschen noch weniger dahin neigen lassen, seinem Gewissen zu folgen.

Das Gewissen eines Menschen, der den Glauben verweigert, weiß auch Bescheid über Rechtschaffen-heit und Dasein Allahs, aber er befolgt aus verschiedenen Gründen nicht, was er eigentlich als richtig anerkennt. Im Quran sagt Allah in vielen Versen, dass die Menschen wissentlich ablehnen, obwohl sie verstehen und ihr Gewissen überzeugt ist.

So wird beispielsweise das folgende von den Juden gesagt, die Allahs Offenbarung, die Thora, entstellten:

… und ein Teil von ihnen hat schon das Wort Allahs gehört, dann verdrehen sie es, nachdem sie es verstanden haben, und sie wissen es. (suratu-l-baqara 2:75)

Liebend gern hätten es viele von den Leuten der Schrift, wenn sie euch nach eurem Glauben zurückbrächten als Glaubensverweigerer, aus Neid von ihnen selbst, nachdem ihnen die Wahrheit klargemacht wurde … (Suratu-l-baqara 2:109)

Diejenigen, denen Wir die Schrift gegeben haben, kennen ihn wie sie ihre Söhne kennen, und ein Teil von ihnen verschweigt ja bestimmt die Wahrheit, und sie, sie wissen es. (Suratu-l-baqara 2:146)

Wie kann jemand die Wahrheit erkennen und doch so fest und willentlich bestreiten?

In dem obigen Abschnitt "Hinweise auf Allahs Dasein durch das Gewissen erkennbar" haben wir der Evolutionstheorie anhängende Wissenschaftler als ein Beispiel solcher Menschen angeführt, die Allah verwerfen, obwohl sie den Beweis für Sein Dasein mit eigenen Augen sehen. Der berühmte britische Zoologe und Anhänger der Evolutionstheorie D. M. S. Watson erklärt, weshalb er und seine Kollegen sich an die Evolution halten:

Wenn, so wird sie eine Parallele zur Evolutionstheorie selbst sein, eine allgemein akzeptierte Theorie, nicht weil sie durch logische, schlüssige Beweise als wahr bewiesen werden könnte, sondern weil die einzige Alternative dazu, besondere Schöpfung, klar unglaublich ist." (Watson, D.M.S. Adaption, Nature Nr. 124, S. 231 ff.)

Was Watson mit "besondere Schöpfung" meint, ist die Schöpfung Allahs. Das ist es, was die Wissenschaftler als "klar unglaublich" ansehen, und doch beweist die Wissenschaft die Wahrheit der Schöpfung. Der einzige Grund, weshalb Watson dies als unglaublich ansieht, ist die Art und Weise, wie er sein Denken konditioniert hat. Das gilt ebenso für die übrigen Evolutions-Anhänger. Im Quran ist von solchen Leuten wie folgt die Rede:

Und sie bestritten sie, und sie waren selbst überzeugt davon in Unrecht und Überheblichkeit, also sieh, wie das endgültige Ende der Unheilstifter war. (Suratu-naml 27:14)

Zu den Gründen, die Wahrheit abzulehnen, gehören Eitelkeit und Arroganz, die Formen von "ananijja" (Eigendünkel) sind. Das Wort "ananijja" hängt zusammen mit dem Wort "ana", das "ich" bedeutet. Wenn jemand sich selbst und all die Geschöpfe um sich herum als unabhängig von Allah ansieht und all sein Verhalten daran ausrichtet, so ist das Eigendünkel. Wenn jemand sich für unabhängig von Allah hält, denkt er, dass alle seine Eigenschaften seine eigenen sind. Aber alles, was der Mensch ist und was er besitzt, gehört Allah. Allah kann es wegnehmen, wie Er will. In einem Quranvers wird einem Menschen, der all seine Besitztümer als sein Eigentum ansah, wie folgt geantwortet:

Er sagte: 'Das wurde mir gegeben auf Grund von Wissen, das ich habe.' Weiß er nicht, dass Allah schon vor ihm von den Generationen welche vernichtet hat, die stärker waren an Kraft als er und mehr an Zahl? Und es werden die Verbrecher nicht weiter nach ihren Sünden gefragt. (Suratu-l-qasas 28:78)

Eigendünkel hindert den Menschen, klar zu sehen. Ein Mensch mit Eigendünkel denkt, dass er alles mit eigener Kraft tut. Er denkt nicht an seine Schwäche und dass er Allah braucht. Da er sich als unabhängig von Allah betrachtet, verspürt er kein Gefühl der Verantwortlichkeit gegenüber einem anderen, und dies lässt seine Arroganz noch weiter wachsen.

Diese Arroganz hindert ihn zu akzeptieren, was sein Gewissen als wahr erkennt. Allahs Dasein anzuerkennen würde auch bedeuten, die Herrschaft eines ihm Überlegenen anzuerkennen, sich Ihm zu unterwerfen und Sein Diener zu sein. Dadurch würde er bestätigen, dass nichts von ihm stammt und dass er in allem Allahs Hilfe nötig hat. Bisher haben wir über die Gefahren gesprochen, die in der Seele des Menschen liegen. Es wäre ein großer Fehler, wenn jemand annehmen würde, dass die hier gegebenen Beispiele nur andere Menschen und nicht einen selbst betreffen. So ist es zum Beispiel ein großer Fehler anzunehmen, dass die Ablehnung trotz der Überzeugung des Gewissens nur auf die Evolutions-Vertreter zuträfe. Deren Missachtung der Wissenschaft, um die Erschaffung nicht anzuerkennen, ist nur eine von verschiedenen Arten des Eigendünkels. Es gibt andere Menschen, die Allahs Gebote nicht befolgen, obwohl sie sagen, dass sie Sein Dasein akzeptieren. Sie halten vielleicht ihre eigenen Gedanken und Urteile in bestimmten Situationen für richtiger als die Rechtleitung Allahs für alle Menschen und Zeiten. Das ist ein anderer Aspekt des Eigendünkels. Solcher Eigendünkel zeigt sich bei manchen Menschen deutlicher, bei anderen weniger deutlich. Ob groß oder klein, liegt doch die selbe Denkweise vor, nämlich die Unfähigkeit, Allahs Macht zu begreifen, Seinen Ruhm und unsere Abhängigkeit von Ihm.

Jene die Ihrem Gewissen aus Willensschwäche nicht folgen

Die Anzahl willensschwacher Menschen in der Gesellschaft ist recht hoch. Weil sie nicht sehr tief nachdenken und die Notwendigkeit, ihren Verstand zu gebrauchen nicht verspüren, geht es diesen schwachen Menschen allein darum, ihre Bedürfnisse, Sinnesfreu-den und Leidenschaften des Augenblicks zu befriedigen. Nur wenige Menschen machen Gebrauch von ihrer Fähigkeit, tief nachzudenken oder bemühen sich, ihren Charakter zu entwickeln. Das gute Verhalten, das die Religion (din) vorschreibt und zu Allahs Zu-friedenheit zu leben erfordert eine ernste Willensan-strengung. Man muss sich stets fragen: Wie kann ich es besser machen? Wie kann ich gegenüber den Gläubigen bescheidener sein, nachsichtiger, mehr zugetan, mich mehr kümmern, mehr besorgt sein? Was kann ich noch tun, um den Menschen Allahs Religion nahe zu bringen und sie zu gutem Verhalten, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit aufrufen? Wie kann ich sie von ihren fehlgehenden Glaubensvorstellungen und Handlungen abbringen? Wie kann ich Allah näher kommen? Nur über solche Fragen nachdenken ist sicher nicht genug. Wichtig ist, sich der Willensbe-mühung zu unterziehen, diese Dinge fortwährend zu praktizieren. Wer sich nur immer um seine eigene Bequemlichkeit sorgt, wer niemals Opfer bringt und sich nicht für die Lage der Menschen um sich herum interessiert, wird auch nie die notwendige Anstreng-ung unternehmen zu praktizieren, was sein Gewissen verlangt. Derart willensschwache Menschen finden es zu schwer, sich die Mühe zu machen, den Islam zu leben, also ignorieren sie ihn oder schieben es endlos auf. Im Quran sagt Allah, dass ernste Bemühungen begünstigt sind:

Und wer das Jenseits mochte und sich dementsprechend darum bemühte, und er ist ein Gläubiger, also diese, - ihr Bemühen wird gedankt. (Suratu-l-isra 17:19)

Jene, die Ihrem Gewissen nicht folgen, weil sie nicht Standhaft sind

Um dem Gewissen zu folgen, bedarf es einer großen Standhaftigkeit. Wer sich nicht fest entschlossen hat, unter allen Umständen seinem Gewissen zu folgen, könnte nach ein paar Prüfungen entmutigt werden, weil er denkt, dass seine Interessen darunter leiden, dass er Opfer bringt und dass er die Ergebnisse nicht erreicht, die er sich wünscht und von denen er dachte, dass er sie verdient. Seinem Gewissen zu folgen fällt ihm schwer, und er gibt auf. Dem Gewissen zu folgen wird aber ganz sicher Opfer verlangen. Beispielsweise beruht es auf dem Gewissen eines hungrigen und bedürftigen Menschen, dass er nicht stiehlt, sondern auf erlaubte Weise sein Bedürfnis stillt, obwohl dies schwieriger als Stehlen sein kann. Unter diesen scheinbar schweren Bedingungen mag es im ersten Moment als Hindernis erscheinen, niemals etwas zu tun, dem Allah nicht zustimmt. Aber ein Mensch mit Gewissen handelt zu seinem ewigen Nutzen im Jenseits, statt zum Nutzen von nur ein paar Tagen, und er verhält sich so, dass Allah zustimmt. Es ist wichtig zu verstehen, dass dem Gewissen folgendes Handeln allein um Allahs willen zu geschehen hat. Wenn jemand eine Handlung begeht, die er für dem Gewissen folgend ansieht und dabei einen Ausgleich von den Menschen erwartet, wird er oft enttäuscht werden. Andererseits verschafft eine dem Gewissen folgende Tat mit der Erwartung des Lohnes von Allah dem Menschen einen absoluten Gewinn. Im Quran wird dieses beispielhafte Verhalten des Gläubigen wie folgt beschrieben:

Und sie geben die Speise, aus Liebe zu Ihm, dem Armen und der Waise und dem Gefangenen: 'Wir geben euch Speise um des Antlitzes Allahs willen, wir möchten von euch kein Vergelten und keinen Dank, Wir fürchten von unserem Herrn einen Tag von Sorgen, äußerst schwer.' (Suratu-l-insan 76:8-10)

Nach dem Islam zu leben verlangt ganz unvermeidlich Opfer. Weil solche Opfer in Gesellschaften, die vor Allah keine Furcht haben, nicht üblich sind, gibt es dort andauerndes Elend und Verzweiflung. Andererseits bilden diejenigen Menschen, die ihrem Gewissen folgen und feste Entschlossenheit verbunden mit Furcht vor Allah zeigen, besonders sichere und friedliche Gesellschaften. Und das ist nur der Ausgleich, den sie im Leben dieser Welt erhalten. Allah gibt die frohe Botschaft von ewig Schönen im Jenseits denjenigen, die trotz der Leidenschaften ihrer Seelen Opfer bringen:

Also schützt sie Allah vor dem Bösen dieses Tages und überwirft sie mit Glanz und Freude, Und er vergilt ihnen, weil sie geduldig ausharrten, mit einem Garten und Seide, Angelehnt dort, auf den geschmückten Ruhebetten, sie nehmen dort keine sengende Sonne wahr und keine bittere Kälte, Und nahebei, über ihnen, seine Schatten und sein Pflückobst verfügbar gemacht, herabhängend, Und es wird bei ihnen herumgegangen mit Ge-fäßen aus Silber und Bechern, sie sind Gläser, Gläser aus Silber, sie messen ganz nach Maß, Und sie werden dort getränkt mit einem Kelch, seine Mischung ist aus Ingwer, Von einer Quelle dort, genannt Salsabil, Und es gehen bei ihnen ewigseiende Knaben herum, wenn du sie siehst, hältst du sie für ausgestreute Perlen, Und wenn du siehst, so siehst du Wohltat und große Herrschaft, Auf ihnen sind grüne Gewänder aus Seidenbrokat und schwerem Brokat, und sie sind geschmückt mit Armbändern aus Silber, und es tränkt sie ihr Herr mit einem reinen Trank: Dies ist ja für euch ein Vergelten, und euer Bemühen ist gedankt! (Suratu-l-insan 76:11-22)

Man soll nicht vergessen, dass Allah Seinen Dienern, die um Seinetwillen Standhaftigkeit an den Tag legen, zu helfen versprochen hat, und dass er es ihnen leicht machen wird. In einer Stelle im Quran heißt es:

Und was den angeht, der hergibt und gottesfürchtig ist, Und das Beste für wahr ansieht, So werden Wir es ihm leicht machen zur Erleichterung. (Suratu-lail 92:5-7)

Im Quran bezeichnet Allah die Standhaftigkeit als ein gutes Verhalten, das Ihm gefällt. Ein wichtiger Zug der jungen Gläubigen, von denen in der Sure al-khaf berichtet wird, ist es, dass Allah "ihre Herzen fest verbunden" hat. (Suratu-l-kahf 18:14). In einem anderen Vers heißt es: "... da sandte Allah seine Gottesruhe herab auf Seinen Gesandten und auf die Glaubigen und erlegte ihnen das Wort der Gottesfurcht auf ...". (Suratu-l-fath 48:26). In weiteren Versen wird geboten, bei dem Leben nach der Religion (din) standhaft zu sein. So heißt es im Quran:

Der Herr der Himmel und der Erde und was zwischen beiden ist, also diene Ihm und harre geduldig aus in Seinem Dienst. Weißt du etwas mit Ihm zu nennen? (Sura Maria 19:65)

Jene, die Ihrem Gewissen nicht folgen, weil Sie sich für Nichts benötigend halten

Einer der wichtigsten Faktoren, durch den die Menschen ihr Gewissen ausschalten, ist ihre Ansicht, dass sie nichts benötigen. Wenn man sie zum Beispiel nach ihrem Befolgen des Islam fragt, sagen die meisten Leute, dass es genüge, niemandem zu schaden und zu versuchen, ein guter Mensch zu sein. Aber das ist reiner Selbstbetrug. Wichtig ist vielmehr, Allahs Diener zu sein und so zu leben, wie Er es will. Wenn der Mensch das nicht tut, ist alles, was er macht, bedeutungslos und schädlich. Allah sagt im Quran:

Also wer ist es, dem das Schlechte seines Tuns schön gemacht wird, und er sieht es als gut? Und Allah läßt fehlgehen, wen Er will, und Er leitet recht, wen Er will … (Suratu-l-fatir 35:8)

Was jemandem seine Tasten als gut und schön erscheinen lässt ist die Annahme, sein eigenes Urteil sei vollkommen. Wer sich für aus Allahs sicht mildherzig und großzügig hält, gehört zu diesen Menschen. Die Wahrheit ist tatsächlich ganz anders als von ihnen angenommen. In einem Quranvers heißt es, dass es der wichtigste Grund ist, von der Wahrheit abzuweichen, wenn man sich für nichts benötigend hält:

Keineswegs! Bestimmt, der Mensch ist ja maßlos, Dass er sich sieht, als habe er nichts nötig. (Suratu-l-alaq 96:6-7)

Die sprachliche Bedeutung des Wortes "mustagni - nichts nötig habend" ist "ohne Bedürfnis, zufrieden sein." Die Bedeutung im Quran bezieht sich auf jemanden, der seine Nähe zu Allah, seiner Furcht vor Allah und dem Jenseits, seine guten Taten und seine Frömmigkeit als ausreichend ansieht und der sich deshalb nicht um Verbesserung darin bemüht. Die meisten Menschen weichen aus diesem Grund von Allahs Weg ab.

Obwohl die Leute sich als nichts nötig habend erachten, wissen sie eigentlich doch in ihrem Gewissen, wie unvollkommen sie sind und worin sie Allah nicht zufrieden stellen. Darum vermeiden sie es, über Themen wie den Tod, den Tag des Weltenendes und das Jenseits zu sprechen. Wenn jemand so ein Thema anspricht, versuchen sie es zu wechseln, weil es "bedrückend" ist. Der Grund, weshalb sie bedrückt sind, ist, dass sie ihrem Gewissen zuwiderhandeln, und auf das Thema einzugehen macht sie innerlich unruhig.

Für einen Menschen, der auf sein Gewissen hört, ist es nicht möglich, sich so zu fühlen als habe er nichts nötig. Im Gegenteil, er hält nach Besserem Ausschau und versucht, alles besser zu machen. Denn das Gewissen des Menschen erinnert ihn immer wieder an den Tag der Abrechnung. Jemand, der weiß, dass er Allah Rechenschaft über sein Leben in dieser Welt abzulegen hat, wird seine Taten nie als ausreichend ansehen. Er tut, was ihm sein Schöpfer aufträgt, mit größter Aufmerksamkeit. Im Quran wird auf jene, die ernsthaft nach Allahs Zufriedenheit und dem Jenseits streben, wie folgt verwiesen:

Wer das davoneilende Leben mochte, dem haben Wir eilig darin gegeben, was Wir wollen, für wen Wir möchten, - dann haben Wir für ihn die Hölle gemacht, er brennt dort, blamiert, verjagt, Und wer das Jenseits mochte und sich dementsprechend darum bemühte, und er ist ein Gläubiger, also diese, - ihr Bemühen wird gedankt. (Suratu-l-isra 17:18-19)

Kein Zweifel, nach Allahs Weg zu streben, wie es sich gehört, kann nur, wie schon zuvor gesagt, unter Befolgen des Gewissens gelingen. Nach dem Verständnis der Unwissenden genügt es, einen durchschnittlichen Charakter in Übereinstimmung mit dem allgemeinen Trend in der Gesellschaft zur Schau zu stellen. Viele Menschen halten sich für fromm genug, solange sie keine Verbreche wie Mord, Vergewaltigung oder Diebstahl begehen. Sie denken nicht daran, dass es Hunderte von guten Taten und Arten des Gottesdienstes gibt, die sie aufschieben oder völlig außer acht lassen. Obwohl es verboten ist, klatschen sie, beten nicht regelmäßig, versuchen nicht ihr moralisches Verhalten zu verbessern und danken ihrem Herrn nicht für die Gnaden, die Er ihnen erweist. Wenn es ihnen passt, handeln sie ungerecht und lügen, um ihre Schuld zu verbergen. Dass sie sich als nichts nötig habend ansehen und die Abrechnung im Jenseits nicht fürchten ist ein Zeichen ihrer Unwissenheit und Kurzsichtigkeit.

Die Propheten und Gläubigen im Quran stellen die besten Beispiele des höchsten Maßes der Gewissens-bezogenheit dar. Der Prophet Joseph (a.s.) zum Beispiel bat Allah:

Mein Herr, Du hast mir schon von der Herrschaft gegeben und mich von der Deutung der Geschehnisse gelehrt, Hervorbringer der Himmel und der Erde, Du bist mein Schutzfreund in dieser Welt und im Jenseits, nimm mich zu Dir als friedenmachend Ergebener, und lasse mich zu den Rechtschaffenen hinzukommen. (Sura Jusuf 12:101)

Obwohl er Allahs auserwählter Prophet war, bezog er sich mit Furcht und Hoffnung auf das Jenseits. Unwissende Leute reden so, als ob sie sicher sind, ins Paradies zu gelangen. Wenn ihre blinde Arroganz noch weiter wächst, laufen sie Gefahr, dass ihnen ein böses Ende droht:

Dass nicht eine Seele sagt: 'O Jammer über mich, darüber, was ich vernachlässigt habe seitens Allahs, und ich war wirklich einer von denen, die sich lustig machten', Oder sie sagt: 'Wenn Allah mich rechtgeleitet hätte, bestimmt wäre ich einer von den Gottesfürchtigen gewesen', Oder sie sagt, wenn sie die Strafe sieht: 'Wenn es für mich eine Rückkehr gäbe, so wäre ich einer von den Gut-handelnden:' Doch nein! Meine Zeichen sind schon zu dir gekommen, und du hast sie geleugnet, und du hast dich groß gewähnt, und du warst einer von den Glaubensverweigerern. Und am Tag der Auferstehung siehst du diejenigen, die über Allah gelogen haben, ihre Gesichter schwarz geworden. Ist nicht die Hölle Aufenthalt für die Großtuer? (Suratu-zumar 39:56-60)

Die vorgebrachten Entschuldigungen wenn dem Gewissen nicht gefolgt wird

Der Mensch wird in der Tat deutlich gegen sich selbst Zeugnis ablegen, trotz aller Entschuldigungen, die er vielleicht vorbringen will:

Vielmehr gibt der Mensch über sich selbst Einblick, Und wenn er seine Entschuldigungen vorlegt. (Suratu-l-qijama 75:14-15)

Jeder Mensch weiß ohne Zweifel seinem Gewissen nach was richtig ist, trotzdem führt er weiter Entschuldigungen dafür an, weshalb er die rechtschaffenen Handlungen nicht begeht.

Deshalb ist er immer in Unruhe. Es ist in der Tat eine unerträgliche Last für das Gewissen eines Menschen, üble Taten zu begehen, wo er doch weiß, dass sie falsch sind. Der Satan (Schaitan) lässt ihnen aber ihre Handlungen recht erscheinen und zeigt ihnen vielerlei Wege, um ihre Ohren gegenüber der wahrhaften Stimme in ihrem Inneren zu verschließen. Während es möglich ist, ein in Gemüt und Seele sorgenfreies Leben zu führen, indem man das Rechte tut, wählen diese Menschen den schweren Weg, indem sie ihr Gewissen zudecken. Während sie weiter den Fußspuren des Satan nachgehen, behaupten sie, dass sie auf dem rechten Weg sind und bringen verschiedene Entschuldigungen dafür vor, dass sie sich entgegen dem Islam verhalten. Einige solcher Entschuldigun-gen sind folgende:

"Es zählt, was man im Herze trägt"

Viele Menschen haben eine Art Verteidigungs-mechanismus entwickelt. Ihr Gewissen weiß, was richtig ist, während die Seele sie zur falschen Seite hinzieht. Wenn sie bei der Entscheidung, ob sie eine falsche Tat begehen sollen, zögern, meldet sich die Seele sofort und bringt verschiedene Entschuldigun-gen vor. Wenn er auf die Seele hört, fühlt sich der Mensch entlastet und überzeugt sich selbst, dass er nicht alles so genau zu nehmen hat. Was er tun will, ist eigentlich bedeutungslos, es macht nichts aus, sein Herz ist so rein, dass es davon nicht berührt wird und er ein guter Mensch bleibt, solange er nicht etwas "Ernsthaftes" wie Mord oder Diebstahl begeht.

Das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen so leicht lügen, klatschen und sich über andere lustig machen. In einer Angelegenheit zu lügen steht in völligem Widerspruch zum Gewissen. Aber die Men-schen unterdrücken die Stimme in sich, die zur Rechtschaffenheit ruft und überzeugen ihr Gewissen, dass es sich doch nur um unbedeutende Lügen handelt, die nichts bedeuten. Obwohl sie die gottesdienstlichen Verrichtungen nicht vollziehen und auch die vom Islam gegebenen Regeln für gutes Benehmen und Verhalten nicht beachten, halten sie sich doch für sehr gute und rechtschaffene Menschen. Diese Sicht ist sowohl unaufrichtig als auch falsch. Wenn ein Mensch seinem Gewissen nicht folgt, ist es unmöglich für ihn, eine gute Belohnung im Jenseits zu erhoffen. Mit der Einstellung "ich habe doch ein gutes Herz" mag er in dieser Welt als "guter Mensch" gesehen werden, aber vielleicht trifft ihn im Jenseits eine unerwartete Vergeltung. Der Islam gebietet den Menschen nicht nur, Mord, Diebstahl usw. nicht zu begehen. Es gibt sehr viele gute Taten, die zu verrichten und schlechte, die zu vermeiden sind. Am wichtigsten ist aber, dass der Islam dem Menschen gebietet, nur allein Allahs Diener zu sein und um Seinetwillen zu leben. Im Quran hat Allah die wirklichen "guten Menschen" beschrieben:

Die Frömmigkeit ist nicht, dass ihr eure Gesichter nach dem Osten und dem Westen kehrt, sondern die Frömmigkeit hat, wer an Allah glaubt und an den Letzten Tag und die Engel und die Schrift und die Propheten und sein Vermögensgut aus Liebe zu ihm den Angehörigen gibt und den Waisen und den Armen und dem "Sohn des Weges" und den Bettlern und für die Unfreien, und wer das Gebet einrichtet und die Zakat-Steuer gibt und die ihre Abmachungen halten, wenn sie Abmachungen getroffen haben, und die geduldig Ausharrenden im Elend und im Leid und beim Unglück, diese sind es, die wahrhaft sind, diese sind es, sie sind die Gottesfürchtigen. (Suratu-l-baqara 2:177)

Statt sich mit den Propheten oder den obigen wirklichen guten Menschen zu vergleichen und zu versuchen, sich zu verbessern, vergleichen sich viele Menschen mit den bösen Übeltätern aus der Ge-schichte und sagen: Ich bin nicht so schlecht wie sie, also verdiene ich auch nicht dieselbe Strafe wie sie! Der Grund dafür ist ihre Unwissenheit - sie wissen nicht Bescheid über Allah und das Jenseits. Allah hat die Hölle in Stufen geschaffen. Deshalb wird jeder in Übereinstimmung mit dem bestraft, was er oder sie getan hat. Es ist auch eine Tatsache, dass sogar die erste Stufe der Hölle eine Quelle unerträglicher Qual ist, die ewig währt.

Deshalb sollten jene Menschen, die sagen: 'Es macht nichts' oder 'Es zählt, was in meinem Herzen ist und nicht, was ich tue', nochmals über die Hölle nachdenken, ihre Entscheidungen überprüfen und darauf hören, was ihr Gewissen ihnen sagt.

"Der Quran erwähnt das nicht"

Es gibt unter den Leuten das ernsthafte Missver-ständnis dass, wenn eine bestimmte Handlung im Quran nicht unmittelbar genannt ist, es dann richtig sei, sie nach Belieben zu begehen oder zu unterlassen. Aber etwas nicht zu tun, was im Quran nicht erwähnt ist, während das Gewissen es als richtig empfindet, ist nichts als Heuchelei.

Der Quran bietet uns all das grundsätzliche Wissen, um unsere Religion (din) auszuüben und Allahs Wohlgefallen zu finden. Darüber hinaus trägt der Quran uns auf, dem Beispiel des Propheten Muhammad (s) zu folgen. Ein weiser und gewissenhafter Mensch wird sich aufrichtig bemühen, sein Leben nach dieser Rechtleitung zu leben. Beispiels-weise trägt Allah den Gläubigen im Quran auf, keine Zeit mit Nutzlosigkeiten zu verschwenden:

Und wenn sie das nichtige Gerde hören, sie sich davon abwenden, und sie sagen: 'Für uns unsere Taten, und für euch eure Taten, Frieden über euch, wir suchen nicht nach den Unwissenden.' (Suratu-l-qasas 28:55)

Und diejenigen, welche sich vom nichtigen Gerede fernhalten. (Suratu-l-muminun 23:3)

Obwohl der Quran vielleicht nicht im Einzelnen darlegt, was dieses Nichtige ist, hat Allah Seinen aufrichtigen Knechten doch Gewissen und Weisheit gegeben, um herauszufinden, was solche Nutzlosigkeiten sind und sie zu vermeiden. Jeder Mensch ist dafür selbst verantwortlich.

In der Gesellschaft von Menschen mit sehr begrenztem Wissen vom din (Religion) wird ein Mensch mit Gewissen nicht eine auf das Diesseits bezogene Unterhaltung beginnen und solche Themen wie Allahs Ruhm und die Schönheit des Islam beiseite schieben. Sein Gewissen wird ihm ganz sicher auftragen, mit seinen Zuhörern so zu reden, wie es ihrem und seinem Jenseits am nützlichsten ist. Ein Muslim sollte nie etwas tun, was er für nutzlos für sein Jenseits hält, wie überflüssige Zeitschriften lesen, sinnlose Fernsehprogramme anzuschauen oder durch nutzloses Gerde von der Erinnerung an Allah weggebracht werden.

Im Laufe des Tages ergeben sich für einen oft verschiedene Alternativen, zwischen denen man zu wählen hat. In solchen Wahlsituationen entscheidet der Mensch mit seinem Gewissen, was richtig ist. Wer seinem Gewissen nicht folgt, hält etwas vielleicht nach dem Grundsatz für richtig 'Es ist im Quran nicht verboten!' Solche Leute sollten aber wissen, dass sie im Jenseits vielleicht ein böses Schicksal erwartet, wenn sie nicht so handeln, wie es Allah am meisten zufrieden stellt, indem sie auf ihr Gewissen hören und dem Beispiel des Gesandten (s) folgen. Noch wichtiger ist, dass solche Leute am Tag des Gerichts nicht auf die Entschuldigungen werden zurückgreifen können, die sie hier im Diesseits gebrauchen. Wie es in verschiedenen Koraversen heißt, wird an diesem Tag zu jedem Menschen gesagt:

Trage deine Schrift vor, du selbst genügst heute gegen dich als Berechnender! (Suratu-l-isra 17:14)

Sie sagen: 'Unser Herr, Du hast uns zweimal sterben lassen, und Du hast uns zweimal Leben gegeben, und wir erkennen unsere Sünden an, also gibt es zum Herauskommen irgendeinen Weg?' Dies euch, weil, als einzig zu Allah gerufen wurde, ihr den Glauben verweigert habt, und als Ihm Mitgötter gegeben wurden, ihr geglaubt habt, und das Urteil ist Allahs, des Hohen, des Großen. (Sura Ghafir 40:11-12)

"Fast birst sie vor Wut. Jedesmal wenn eine Schar in sie geworfen wird, fragen ihre Wächter sie: 'Kam nicht zu euch ein Warner?' Sie sagen: 'Ja doch, es ist schon ein Warner zu uns gekommen, und wir haben abgeleugnet, und wir haben gesagt: 'Nichts hat Allah herabgesandt, ihr seid nur in großem Fehlgehen!' Und sie sagen: 'Wenn wir gehört hätten oder verständig gewesen wären, wären wir nicht unter den Gefährten des Feuerbrandes.' Also bekennen sie ihre Sünde, also hinweg mit den Gefährten des Feuerbrandes! (Suratu-l-mulk 67:8-11)

"Jeder andere tut es auch"

Der Mehrheit zu folgen ist einer der größten Fehler im Leben. Im Unterbewussten nahezu jedes Menschen gibt es aber die Vorstellung, dass richtig ist, was die Mehrheit tut. Die Mehrheit kann aber ein sehr oberflächliches und verzerrtes Verständnis vom Islam haben. Sie sagen vielleicht, dass sie an Allah und das Jenseits glauben, aber sie denken über die Bedeutung davon nicht nach. Sie achten religiöse Werte 'nach ihrem eigenen Verständnis', aber bringen diese Achtung nicht praktisch sondern nur mit Worten zum Ausdruck. Sie denken, dass die meisten Gebote des Islam in der Vergangenheit verpflichtend waren, aber es heute nicht mehr sein können. Nach diesem Verständnis hat jemand, wie wir schon oben sagten, vielleicht ein 'reines Herz' und niemandem zu schaden genügt für ihn, um 'religiös' zu sein, und die Verrichtungen des Gottesdienstes können bis ins hohe Alter verschoben werden.

Jeder in der Umgebung eines Menschen kann ein derart verzerrtes Verständnis haben, also wäre es nur Selbstbetrug, es anzunehmen und nicht das eigene Gewissen zu befragen. Es gibt keinen Beweis, dass die Mehrheit immer recht hat und richtig entscheidet. Im Gegenteil, Allah spricht im Quran:

Und wenn du der Mehrheit derer folgen würdest, wer auf der Erde ist, würden sie dich fehlgehen lassen vom Weg Allahs, sie folgen nichts, nur der Vermutung, und sie, sie mutmaßen nur. (Suratu-l-an'am 6:116)

Deshalb muß der einzige Maßstab für einen Menschen im Hinblick darauf, wie er lebt und den Quran umsetzt, das Gewissen sein.

Wer nach der Anweisung seines Gewissens handelt, achtet nicht darauf, was die Mehrheit sagt oder tut. Selbst wenn es bedeutet, allein zu sein, bleibt er dabei, auf sein Gewissen zu hören und der Schrift Allahs zu folgen.

Die Haltung des "der Mehrheit folgen" stellt eine Gefahr für jedermann dar. Wenn jemand sich entschlossen hat, das zu tun, was sein Gewissen vorschreibt, sollten ihn die Haltungen und Meinungen der anderen um ihn herum nicht betreffen oder von seinem Zweck abbringen. Jeder von uns ist verantwortlich dafür, das zu tun, was das Gewissen und der Quran vorschreiben. Man vergesse nicht, dass Allah Seine Diener prüft. Ein anderer Mensch, der versucht, uns von einer richtigen Entscheidung abzubringen, die wir getroffen haben, kann durchaus ein guter Freund sein, den Allah uns treffen lässt, um unsere Entschlusskraft auf die Probe zu stellen. Im Jenseits aber werden die Leute über solche Freunde sagen:

Und wehe, wehe mir! Hätte ich mir nicht diesen da zum innigen Freund genommen, Er hat mich fehlgehen lassen von der Ermahnung, nachdem sie zu mir kam, und der Teufel lässt den Menschen im Stich. (Suratu-l-furqan 25:28-29)

"Ich tue es später"

Viele verschieben die Verrichtungen des Gottes-dienstes wie z.B. die Wallfahrt (hadsch) und regelmäßiges Gebet (salah) auf das Alter, weil sie bewusst oder unbewusst meinen, dass es sie aller weltlichen Freuden beraubt, wenn sie sich der islamischen Lebensweise widmen. Aber Allah sagt an vielen Stellen im Quran, dass Er den Gläubigen Gunst sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits gewährt:

… und unter den Menschen ist mancher, der sagt: 'Unser Herr, gib uns in dieser Welt!' - und für ihn gibt es im Jenseits keinen Anteil. Und unter ihnen ist mancher, der sagt: 'unser Herr, gib uns in dieser Welt Gutes und im Jenseits Gutes und schütze uns vor der Strafe des Feuers!' Diese, für sie gibt es einen Anteil von dem, was sie erworben haben, und Allah ist schnell im Anrechnen. (Suratu-l-baqara 2:200-202)

Damit jemand die Gunst Allahs wirklich schätzen kann, muss er Frieden im Herzen haben. Derjenige, dessen Herz in Unruhe ist, wird keine Freude an den zahlreichen Segnungen Allahs um sich herum haben oder sie nicht einmal erkennen. Leute, die sagen: 'Ich mache das später!' wissen wohl von der Rechtleitung und wissen, dass sie ihr ganzes Leben entsprechend neu einrichten müssen, wenn sie anfangen, den Anweisungen des Gewissens zu folgen. Sie wissen, dass die Stimme des Gewissens noch schwerwiegender sein wird, wenn sie anfangen, regelmäßig ihr Gebet zu verrichten, und dass sie sich der bösen Taten schämen werden, die sie vollbringen. Im Quran wird gesagt, dass das Gebet die Menschen rechtleitet:

Verlies, was dir offenbart wurde von der Schrift und richte das Gebet ein, das Gebet hält ja ab vom Abscheulichen und vom Verwerflichen, und bestimmt ist Allah Eingedenksein größer, und Allah weiß, was ihr fertigbringt. (Suratu-l-ankabut 29:45)

Weil die Leute das verstehen, versuchen sie sich der gewissensbezogenen Verantwortungen zu entziehen, die durch die Verrichtungen des Gottesdienstes entstehen und sagen zur Entschuldigung: 'Wenn ich geheiratet habe, wenn ich mehr Geld verdient habe, wenn meine Kinder groß geworden sind …' usw. Aber am Tag des Rechenschaftablegens wird Allah dem Menschen das gegenüberstellen, was er aufgeschoben hat:

Bei deinem Herrn wird an diesem Tag geblieben! Es wird dem Menschen kundgetan an diesem Tag, was er vorausgeschickt und aufgeschoben hat. (Suratu-l-qijama 75:12-13)

Das Aufschieben ist eine Eigenschaft derjenigen, die nicht an den Tod und nicht daran denken, wie nahe er ist. Wir wissen nicht, wann, wo und wie wir sterben werden. Wir wissen auch alle, dass der Tod nicht nur zu alten Leuten kommt. Viele Menschen unterschiedlichen Alters sterben aus verschiedenen Gründen, viele ganz plötzlich und unerwartet. Während Du dieses Buch allein für Dich zu Hause liest, kommst du Dir vielleicht sehr sicher und geschützt vor, aber ein Sturz auf der Treppe, ein Unfall im Haus oder ein Herz-infarkt kann Deinen Tod jeden Augenblick verursachen. Wie ist es möglich, angesichts dieses Wissens so großzügig aufzuschieben, was das Gewissen verlangt? Allah sagt, dass jeder Mensch, wenn er den Engel des Todes sieht, tiefe Reue wegen dem verspürt, was er aufgeschoben hat, und sagen wird: 'Ich wünschte, ich hätte dies und das getan!' Das ist eine untröstliche Reue, bei der es kein Zurück mehr gibt:

Und an dem Tag, an dem der Unrechthandelnde seine beiden Hände beißt, - er sagt: 'Wehe mir! Hätte ich mir mit den Gesandten einen Weg genommen, Und wehe, wehe mir! Hätte ich mir nicht diesen da zum innigen Freund genommen, Er hat mich fehlgehen lassen von der Ermahnung, nachdem sie zu mir kam … (Suratu-l-furqan 25:27-29)

Dass Allah Böses nicht unmittelbar bestraft verleitet manche Menschen zu der falschen Annahme, dass sie viel Zeit haben, gut zu machen, was sie getan und versäumt haben. Würde Allah jede böse Tat in dem Moment bestrafen, in dem sie begangen wird, dann würde keiner mehr etwas Falsches tun. Aber das Aufschieben der Strafe ist eine Prüfung, bei der sich herausstellt, wer der Rechtschaffenheit Folge leistet, wer bereut und sich bessert, und wer fortfährt, falsch zu handeln. Dass Allah uns diese Gelegenheit gegeben hat, uns im Leben zu bessern, ist ein Ausdruck Seiner ewigen Gnade. In einem Quranvers heißt es:

"Und wenn Allah die Menschen für das herannehmen würde, was sie erworben haben, Er würde auf ihrem Rücken (d.h. dem Rücken der Erde) kein Lebewesen übriglassen, aber Er gibt ihnen Aufschub bis zu einer festgesetzten Frist, und wenn ihre Frist kommt, so hat Allah ja Seine Knechte im Blick." (Suratu-l-fatir 35:45)

Die Menschen sollten sich nicht durch die Tatsache täuschen lassen, dass Allah böse Taten nicht sofort vergilt, denn es ist sicher, dass sie im Jenseits sorgfältigst beglichen werden. Allah beschreibt diesen Zustand:

… und sie sagen zu sich selber: 'Warum straft uns nicht Allah für das, was wir sagen?' Genug für sie ist die Hölle, sie braten in ihr, und wie schlecht ist das endgültige Sein! (Suratu-l-mudschadila 58:8)

Wer es vermeidet, über das Jenseits nachzudenken, versucht vielleicht sein Gewissen mit verschiedenen Entschuldigungen und Lüge zu beruhigen, aber am Tag des Rechenschaftablegens wird keine Entschul-digung angenommen. Sich selbst zu betrügen bringt vielleicht vorübergehende Beruhigung und hilft, der Wirklichkeit zu entkommen, aber nur für kurze Zeit. Doch es gibt etwas, das die Leute vergessen, wie es im Quran heißt:

Und es sagen diejenigen, denen das Wissen gegeben wurde und der Glauben: 'Ihr habt schon nach Allahs Schrift, bis zum Tag der Auferweckung verweilt, und dies ist der Tag der Auferweckung, aber ihr habt es nicht gewusst.' Und an diesem Tag nützt denjenigen, die Unrecht gehandelt haben, ihre Entschuldigung nicht, und sie werden nicht nach Umkehr gefragt. (Suratu-rum 30:56-57)

Das Ende derjenigen, die ihr Gewissen mit verschiedenen Entschuldigungen zum Verstummen bringen, ist wie folgt beschrieben:

An dem Tag nützt den Unrechthandelnden ihre Entschuldigung nichts, und für sie ist der Fluch, und für sie das Böse der Heimstätte. (Sura ghafir 40:52)

 
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