DEM QURAN GEMÄSS LEBEN DURCH STETIGES
BEFOLGEN DES GEWISSENS
Der einzige Sinn des Lebens eines Menschen, der sich
des Daseins Allahs und des Jenseits bewusst ist, besteht darin,
Allah zufrieden zu stellen und auf ewig im Paradies zu leben. Für
jemanden, der nach seinem Gewissen und seiner Weisheit handelt,
ist es unmöglich, sich ein anderes Ziel zu setzen. Ein weiterer
großer Irrtum des Menschen ist es, anzunehmen, dass die Religion
ein Glauben ist, der nur einen kleinen Teil des Lebens betrifft,
etwas, an das man sich nur an bestimmten Tagen erinnert, und dass
nichts damit zu tun hat und nur ein paar Gebetsrituale einschließt.
Im Gegenteil, im Quran wird gesagt, dass das gesamte Leben des Menschen
mit allen Verrichtungen für Allah zu sein hat:
Sag: Ja, mein Gebet und mein Opfern und mein Leben
und mein Sterben sind für Allah, den Herrn der Welten. (Suratu-l-an'am
6:162)
Das bedeutet, dass der Mensch bei all seinen Worten,
Entscheidungen und Handlungen darauf achten muss, ob Allah mit ihm
zufrieden ist oder nicht. Wenn er meint, dass etwas Allah unzufrieden
macht, dann muss er es gänzlich meiden. Es gibt keine andere Wahl
für einen Menschen, der für das Leben, das er führt, zur Rechenschaft
gezogen wird und dessen ewige Bleibe vom Ergebnis abhängt. Außerdem
wird jemand, der nicht undankbar ist und der über die Wahrheit nachdenkt
und sie versteht, ganz sicher nichts für wichtiger halten als seinen
Herrn zufrieden zu stellen, der ihn aus dem Nichts geschaffen hat,
ihm Leben gab, als er nichts war und ihm die Gunst gewährt, für
immer im Paradies zu leben.
Wer sich entschließt, sein ganzes Leben um Allahs willen
zu leben, hält sich wiederum an sein Gewissen um herauszufinden,
wie er Allah zufrieden stellt. Im Quran hat Allah alle Seine Gebote
und die Taten, die Er verbietet, klargemacht. Zuallererst beachtet
jemand, der auf sein Gewissen hört, strikt diese Gebote und Verbote.
Er richtet die größte Aufmerksamkeit auf die Taten, die wohlgefällig
und die verboten sind und praktiziert alle Gebote, die er im Quran
liest. Er nimmt die Vorbilder des guten Verhaltens, die im Quran
mitgeteilt werden, als Anleitung für sich selbst, er handelt mit
größter Aufrichtigkeit und erfüllt alles, was im Quran geschrieben
steht, nach bestem Verständnis und Vermögen.
Wer den Quran liest, stellt fest, dass Allah den Menschen
bestimmte Formen des Gottesdienstes aufgetragen hat. Eine davon
ist es, regelmäßig das Gebet zu verrichten:
Und wenn ihr das Gebet abgeschlossen habt, so erinnert
euch an Allah, stehend und sitzend und auf euren Seiten, und wenn
ihr in Ruhe seid, so richtet das Gebet ein, das Gebet ist ja für
die Gläubigen eine zeitlich festgesetzte Vorschrift. (Suratu-nisa
4:103)
Dieser Vers erinnert daran, dass regelmäßiges Gebet
eine Pflicht ist. Das Gewissen eines jeden, der diesen Vers liest,
wird ihm sagen, dass er beten soll. Der Mensch kann entweder praktizieren,
was sein Gewissen und der Quran von ihm verlangen, oder er meidet
es, die Anweisungen des Qurans zu befolgen und führt verschiedene
Entschuldigungsgründe an. Man darf aber nie vergessen, dass ganz
gleich welche Entschuldigung man findet, um nicht zu beten, diese
Entschuldigung im Jenseits nicht angenommen wird. In einem anderen
Quranvers verlangt Allah vom Menschen, stets gerecht zu handeln,
gleich unter welchen Voraussetzungen und in welcher Lage:
Ihr, die glauben, seid fest Einstehende für die Gerechtigkeit,
als Zeugen für Allah, und wenn es gegen euch selbst wäre oder die
Eltern und die Verwandten, ob es ein Reicher ist oder ein Bedürftiger,
und Allah ist ihnen beiden näher, also folgt nicht dem eigenen Wunsch,
damit ihr gerecht seid, und ob ihr es verdreht oder euch abwendet,
so ist ja Allah immer dessen kundig, was ihr tut. (Suratu-nisa 4:135)
Allahs Gebote genauestens zu erfüllen, selbst wenn
sie mit den eigenen Wünschen in Konflikt geraten, ist nur möglich,
indem man auf die Stimme des eigenen Gewissens hört. Lass' uns an
Situationen denken, denen derjenige vielleicht ausgesetzt ist, der
in diesem Vers angesprochen wird. Es kann sein, dass die gerechte
Zeugenaussage eines Menschen vielleicht dazu führt, dass ein Verwandter
von ihm für ein Verbrechen bestraft wird. Aber selbst in einer solchen
Situation wird ein Mensch, der weiß, dass er nach seinem Tod zur
Rechenschaft gezogen wird, auf sein Gewissen hören und in Übereinstimmung
mit dem Gebot des Qurans handeln, denn kein Gewinn in dieser Welt
kann größer sein als sein Gewinn im Jenseits.
In einem weiteren Quranvers sagt Allah über das Gerechtsein:
Ihr, die glauben, seid fest zu Allah einstehende Zeugen
für die Gerechtigkeit, und ganz bestimmt nicht soll euch der Hass
gegen Leute dazu veranlassen, dass ihr nicht gerecht handelt - handelt
gerecht, das ist näher an der Gottesfurcht, und fürchtet Allah,
Allah ist ja dessen kundig, was ihr tut. (Suratu-l-ma'ida 5:8)
Damit jemand wirklich nach diesem Quranvers handeln
kann, muß er seinen Haß beherrschen können, wenn er am wütendsten
ist, und eine gerechte Entscheidung treffen. Der andere, mit dem
er es zu tun hat, ist vielleicht jemand, den er wegen seines Verhaltens
und seiner Redeweise nicht mag, oder sogar jemand, gegen den er
eine Abneigung hegt. Ganz gleich, um wen es sich handelt, es ist
ein Gebot Allahs, gegen jedermann gerecht zu sein.
Ein weiteres Beispiel ist das Gebot Allahs, Argwohn
und üble Nachrede zu meiden:
Ihr, die glauben, haltet euch fern von vielem von der
Vermutung, manche Vermutung ist mutwillige Sünde, und spioniert
einander nicht nach, und es rede nicht einer von euch einem anderen
Übles nach. Möchte einer von euch, dass er das Fleisch seines verstorbenen
Bruders isst? Also das verabscheut ihr! Und fürchtet Allah, Allah
ist ja vergebend, barmherzig. (Suratu-l-hudschurat 49:12)
Mit diesem Quranvers bewahrt Allah den Menschen vor
einigen schlechten Verhaltensweisen. Die drei hier speziell genannten
sind miteinander verknüpft. Jemand, der einem anderen Übles nachredet,
stellt auch schlechte Vermutungen über diese Person an. Ebenso spioniert
jemand einem anderen nach, weil er gewisse Vermutungen über ihn
anstellt. Solches Verhalten ist sehr weit verbreitet und wird in
der Gesellschaft in gewisser Weise akzeptiert, obwohl es ganz sicher
dem Gewissen zuwiderläuft. Ein guter Maßstab zum Vergleich ist es,
sich selbst in einer solchen Lage vorzustellen. Niemand möchte jemals,
dass ihm nachspioniert wird und dass seine Geheimnisse und Fehler
ausgeforscht und offengelegt werden. Niemand möchte, dass ihm Übles
nachgeredet wird oder dass andere Menschen schlechte und falsche
Vermutungen über ihn anstellen. Wer entdeckt, dass auf solche Weise
über ihn gesprochen wird, wäre zutiefst betroffen und würde sich
als ungerecht behandelt ansehen. Es ist böse und unentschuldbar,
jemandem solchen Schmerz zuzufügen und ihn in solche Lage zu bringen.
Es ist ein Zeichen für das Gewissen eines Men-schen,
dass er niemals einem anderen etwas zufügt, von dem er nicht möchte,
dass es ihm zugefügt wird. Aus diesem Grund vergleicht Allah derartiges
Verhal-ten mit dem "Essen des Fleisches seines Bruders." Das ist
ebenso abscheulich wie das üble Nachreden, Vermutungen anstellen
und nach Fehlern zu suchen. Außerdem droht Allah denjenigen, die
so etwas tun, mit der Strafe der Hölle:
Wehe jedem schmähenden Aufhetzer, Der Vermögensgut
ansammelt und es zählt, Er rechnet damit, dass sein Vermögensgut
ihn ewig da sein lässt, Keineswegs! Ganz bestimmt wird er in die
Zermalmende geschleudert, Und was lässt dich wissen, was die Zermalmende
ist? Das Feuer Allahs, brennend, Das aufsteigt über die Herzen,
Es ist ja über ihnen, versperrend, In hoch hinaufragenden Säulen.
(Suratu-l-humaza 104:1-9)
Übles Nachreden, die Geheimnisse anderer Men-schen
ausforschen und Menschen allein auf Grund von Vermutungen anzuschuldigen
sind oft das Ergebnis von Eifersucht, Neid und Groll und stehen
im direkten Gegensatz zur quranischen Moral. Solches Verhalten ist
gänzlich unvereinbar mit dem Gewissen, selbst wenn die Gesellschaft
nicht besonders bemüht ist, davon abzulassen. Wenn man bedenkt,
wie Allah solche Handlungen vergelten wird, dann ist die angemessenste
Haltung in Übereinstimmung mit quranischer Moral sie auch nicht
für einen kleinen Augenblick zu begehen und andere Menschen so gut
als möglich davon abzuhalten.
Das Verhalten und Denken eines Menschen, der das Wesentliche
vom Quran begriffen hat, beruht auf guter Moral, wie der Islam sie
im allgemeinen vorschreibt. Mit anderen Worten, wer diese gute Verhaltensweise
in seinem Leben verwirklicht, wird immer gewissenhaft denken und
handeln. Er wird den Tod und das Jenseits nie vergessen, und das
wird alle seine Taten auf das Jenseits hin ausrichten. Ein solch
bemerkenswerter Mensch wird nicht mehr nur allein für sich an das
Jenseits denken, sondern auch für die ihm Nahestehenden und die
Gemeinschaft insgesamt. Alle seine Bemühungen sind darauf hin ausgerichtet,
Vorbereitungen für diese ewige Bleibe zu treffen.
Selbst scheinbar gewöhnliche Geschehnisse betrachtet
der Mensch mit Gewissen nicht im Hinblick auf die Welt, sondern
auf das Jenseits. Hat er beispielsweise einen sehr wohlhabenden
Freund, dann denkt er sofort daran, dass auch dieser Freund eines
Tages sterben wird und im Jenseits Rechenschaft abzulegen hat. Er
vermeidet insbesondere solche Ge-spräche, die seinen Freund enger
an das Leben dieser Welt binden würden. Er ermutigt ihn, großzügig
zu sein und erinnert ihn an Paradies und Hölle. Er betet für ihn
um Gutes und Frieden sowohl in der Welt als auch im Jenseits, und
dass Allah sie beide einander in einem glücklichen Jenseits wiederbegegnen
lässt. Ein Mensch mit Gewissen bringt seine Liebe zu seinem Freund
dadurch zum Ausdruck, dass er sich um dessen Jenseits bemüht, und
indem er ihm das Falsche untersagt und das Richtige aufträgt.
Auf den ersten Blick wirkt jemand, der nach seinem
Gewissen handelt und stets Allahs Wohlgefallen sucht, vielleicht
nicht anders als andere Menschen. Auch er geht seinem Beruf nach
oder zur Schule, kauft ein und vergnügt sich. Aber er sucht Allahs
Wohlgefallen in all dem, was er tut, zu erlangen. Allah spricht
in einem Quranvers:
Männer, die kein Handel und kein Kauf ablenkt vom Eingedenksein
Allahs und dem Einrichten des Gebets und dem Geben der Almosen.
Sie fürchten einen Tag, an dem die Herzen und die Blicke sich hin
und her wenden. (Suratu-nur 24:37)
Man fragt sich vielleicht, wie es denn möglich sein
kann, Allahs Zufriedenheit durch die gewöhnlichen Alltagshandlungen
zu gewinnen, die man begeht, und wie es möglich ist, sich stets
an Allah zu erinnern. Als erstes muss man hier sagen, dass für einen
Menschen, der seinem Gewissen folgt, die Verrichtungen des Gottesdienstes
und Allahs Gebote über allem stehen. Er vergisst nie, dass Allah
ihn immer sieht. In dem Geschäft, dem er nachgeht, befasst er sich
nicht mit den Nutzen in dieser Welt, sondern denen im Jenseits.
Er lässt nie nach mit der Ehrlichkeit und lässt sich nie zu einer
Handlung herab, für die er im Jenseits nicht Rechenschaft geben
könnte oder derer er sich im Jenseits schämen müsste. Selbst wenn
er weiß, dass er Verlust an Einkommen hat, gerät er nicht in die
Versuchung, bei Maß, Gewicht oder Berechnung zu betrügen. Er ist
in all diesen Fragen höchst zuverlässig und vertrauenswürdig. Er
schiebt das Begleichen von Schulden nicht auf, wenn er zur Rückzahlung
in der Lage ist, oder, wenn jemand, der ihm etwas schuldet, in Zahlungsschwierigkeiten
gerät, verzichtet er vielleicht sogar auf die Rückforderung. Im
Quran wird dazu folgendes geraten:
Und wenn einer in Schwierigkeiten ist, so gilt Nachsicht
bis zur Erleichterung, und dass ihr es als Spende gebt, ist besser
für euch, wenn ihr das wisst. (Suratu-l-baqara 2:280)
Ein Gläubiger vergisst nie, dass die einzige Macht,
die Gunst und Wohlergehen verleiht, die Macht Allahs ist. Er überschreitet
Allahs Grenzen nicht wegen dem, was ihm gegeben wurde, sondern dankt
im Gegenteil Allah für jede ihm gewährte Gunst. Es gibt vieles anderes,
das dem Menschen in seinem Alltagsleben begegnet und wobei er sich
an Allah erinnern und sein Wohlgefallen erstreben kann, indem er
auf die Wahrheit und Weisheit Seines Wortes vertraut, dass Allahs
Gesandter mit dem Quran verkündet hat. Jeder, der nach der Religion
(din) leben möchte, sollte den Quran lesen und dabei sein Gewissen
heranziehen und ebenso unter Heranziehung seines Gewissens praktizieren,
was er gelesen hat.
Das Gewissen sucht nach dem Verhalten, das Allah am
besten zufrieden stellt
Das Gewissen des Menschen unternimmt große Anstrengungen,
um zur Zufriedenheit Allahs tätig zu sein. Es fragt stets: Wie kann
ich Allah am besten zufrieden stellen? Es fragt nicht nach der Zufriedenheit
anderer Menschen und sorgt sich auch nicht nach seinem Ansehen in
ihren Augen. Es wendet sich allein in Reue zu Allah. Manche Menschen
leben den Islam ohne ihr Gewissen heranzuziehen und stattdessen
auf eine traditionelle und gewohnheitsmäßige Weise, wie sie es bei
ihren Vorfahren gesehen haben. Sie verrichten bestimmte gottesdienstliche
Riten, die sie auswendig gelernt haben, und damit sind sie zufrieden.
Sie haben eine Lebensweise gewählt, die dem Islam nur Lippendienst
erweist. Der Grund dafür ist vielleicht, dass sie Konflikte mit
ihren Zeitgenossen vermeiden wollen oder einfach nur, weil sie so
erzogen wurden. Statt darüber nachzudenken, was sie tun sollten,
um Allah zufrieden zu stellen, denken sie: Was ist das Minimum,
das ich tun muss, damit die Leute glauben, dass ich meine Religion
praktiziere?
Es ist aber nicht möglich, den Islam zu leben, ohne
das Gewissen voll und ganz heranzuziehen. Ein wirklich nach dem
Gewissen lebender Mensch denkt darüber nach, wie er jede Art des
Gottesdienstes auf beste Weise verrichten kann. Er bemüht sich,
sicher zu stellen, dass weder seine Taten noch seine Worte am Tag
der Abrechnung eine Gefahr für ihn sind. Er weiß, dass ihm im Jenseits
vergolten wird, was er tut. Allah warnt die Menschen davor:
Und richtet das Gebet ein und gebt die Almosen, und
was ihr vorausschickt für eure Seelen an Gutem, ihr findet es bei
Allah, Allah hat ja im Blick, was ihr tut. (Suratu-l-baqara 2:110)
Ein Beispiel aus dem Quran für jemanden, der versucht,
etwas auf beste und schönste Weise zu tun, wird den Gläubigen bezüglich
des "sagen was besser ist" gegeben:
Und sage zu Meinen Knechten, sie sollen sagen, was
besser ist. Der Teufel stachelt ja an zwischen ihnen, der Teufel
ist ja für den Menschen ein klarer Feind. (Suratu-l-isra 17:53)
Wer dieses Gebot von Allah kennt, wird sich um die
beste Sprache bemühen, indem er sein Gewissen befragt. Er wird nicht
einfach losreden, was ihm gerade einfällt. Im Gegenteil, er spricht
auf schönste und eindruckvollste Weise, und er achtet sorgsam darauf,
dass er die Menschen, zu denen er spricht, nicht verzagt macht.
Er wählt die Worte, die Allah am meisten zufrieden stellen, und
dabei zieht er sein Gewissen als Grundmaßstab heran.
In einem anderen Quranvers teilt Allah die Menschheit
im Hinblick auf ihre Zuwendung zum Islam in drei Gruppen:
Dann ließen wir die Schrift diejenigen erben, die Wir
von unseren Knechten auserwählt haben, und unter ihnen ist mancher
gegen sich selbst Unrechthandelnde, und unter ihnen ist mancher
in der Mitte, und unter ihnen ist mancher mit den guten Taten Vorausgehende,
mit der Erlaubnis Allahs, dies, es ist die große Gunst. (Suratu-l-fatir
35:32)
Wie es in diesen Versen heißt, gibt es manche Menschen,
die überhaupt nicht nach dem Islam leben, andere befolgen nur zum
Teil, was ihnen ihr Gewissen sagt und wenden nur einen Teil ihrer
Zeit und ihrer Mittel für den Islam auf, aber nur, wenn es nicht
ihren sonstigen Interessen zuwiderläuft. Sie machen keine ernsthaften
Anstrengungen, um den Islam und das gute Verhalten unter den Menschen
zu verbreiten. Indem sie glauben, dass sie ja schon darauf achten,
was verboten und erlaubt ist, gehen sie davon aus, dass ihre gottesdienstlichen
Verrichtungen, die sie ausüben, sie auch moralisch kompetent machen.
Tatsächlich ist das Gewissen am meisten angemessen,
die moralisch richtigsten und schönsten derjenigen Handlungen zu
wählen, die erlaubt und akzeptabel sind. Hierzu hat Allah im Quran
im Hinblick auf jene, die dem besten, das gesagt wurde, folgen,
mit Hochachtung gesagt:
Diejenigen, die das Wort hören und seinem Besten folgen,
diese sind es, die Allah rechtleitet, und diese, sie sind die mit
der Einsicht. (Suratu-zumar 39:18)
Die dritte Gruppe, die einander im Guten übertreffen,
sind jene, die in voller Übereinstimmung mit ihrem Gewissen handeln.
Sie versuchen einander zu übertreffen, um den höchsten Lohn von
ihrem Herrn zu erhalten und sind zu jedem Dienst und jeder guten
Tat bereit, ohne auf jemanden sonst zu warten. Wenn es etwas besseres
zu tun gibt, erlaubt ihnen ihr Gewissen nicht, bei dem weniger Guten
zu bleiben, ohne sich um dessen Verbesserung zu bemühen.
Wie man sieht, verlangt das Gewissen nicht nur, Allah
zu kennen und Sein Dasein zu akzeptieren, sondern Taten zu tun,
die Ihn zufrieden stellen und dem große Aufmerksamkeit zu schenken.
Die meisten Menschen denken, es genüge, an Allahs Dasein zu glauben.
Der Quran richtet sich mit folgenden Worten an sie:
Sag: Wer versorgt euch von den Himmeln und der Erde,
oder wer hat Gewalt über das Hören und die Blicke, und wer bringt
das Lebendige aus dem Gestorbenen hervor und bringt das Gestorbene
aus dem Lebendigen hervor, und wer lenkt die Angelegenheit? Und
sie werden sagen: 'Allah!' So sag: Also seid ihr nicht gottesfürchtig?
Also dieser Allah, euer Herr, ist die Wahrheit, und was gibt es
nach der Wahrheit außer dem Fehlgehen? Also wie seid ihr weggewendet?
(Sura Yunus 10:31-32)
Wie diese Verse zeigen, glauben solche Menschen an
Allahs Dasein und akzeptieren auch, dass Allah sie versorgt, dass
Er Leben und Tod gibt, und dass Er der Schöpfer ist, dem alles gehört.
Sie ziehen ihr Gewissen nur insoweit heran, als es ihnen eine solche
Sicht der Dinge gibt und sehen dies als ausreichend für ihren Glauben
an. Ein Mensch, der sein Gewissen voll und ganz einbringt, verspürt
hingegen eine respektvolle Furcht vor Allah, weil er von der Erhabenheit
Allahs weiß. Diese Furcht ist anders als sonstige Furcht, es ist
die Furcht davor, Allahs Gutheißung zu verlieren. Das ganze Leben
eines Menschen, der diese Furcht verspürt, besteht nur darin, allein
die Zufriedenheit Seines Herrn zu finden. Er setzt sich in seinem
Be-mühen der Annäherung an Allah keine Grenzen. Im Quran wird der
Prophet Abraham (a.s.) als ein Beispiel dafür gegeben:
Und wer ist besser an Religion als wer sein Antlitz
friedenmachend Allah ergeben hat, und er ist ein Guthandelnder,
und er folgte der Glau-bensgemeinschaft Abrahams, des Rechtgläubi-gen?
Und Allah hat Sich Abraham zum innigen Freund genommen. (Suratu-nisa
4:125)
Ein Mensch, der völlig seinem Gewissen gemäß handelt,
wird nach dem höchsten Grad des Verstehens streben, das dem Menschen
möglich ist, er wird sich Tag und Nacht abmühen, Allahs Macht und
Majestät zu erkennen, sich Ihm anzunähern und zu Seinem innigen
Freund zu werden. Weil er aber nie sicher sein kann, die höchste
Form der innigen Freundschaft und Nähe erlangt zu haben, wird dieses
Bemühen und diese Bereitschaft bis zu seinem Lebensende anhalten.
Man fragt sich vielleicht, wie es überhaupt möglich
ist, Allah nahe zu sein. Der Schlüssel dazu ist wiederum unser Gewissen,
wie es auf den folgenden Seiten erläutert wird.
WIE WEISS DAS GEWISSEN, DASS ES ALLAH NAHE
SEIN SOLL?
Wenn ein Mensch danach gefragt wird, was das Wichtigste
in seinem Leben ist, was würde er antworten? Wäre es sein Haus,
seine Familie, sein Beruf oder vielleicht seine Ideale? Wie immer
auch die Antwort ausfällt, er darf nicht vergessen, dass es noch
etwas viel Wichtigeres gibt, das er vielleicht außer acht gelassen
hat.
Das Wichtigste im Leben eines Menschen ist es, von
Allah zu wissen, der ihn geschaffen hat und ihm all das gegeben
hat, was er besitzt, und sich zu bemühen, Allah nahe zu sein. Die
meisten Menschen verbringen ihr Leben ohne dies zu berücksichtigen.
Stelle diese Frage einmal dem erstbesten Menschen, dem Du begegnest,
oder frage einmal einfach jeden, den Du triffst, nach den wichtigsten
und dringendsten Angelegenheiten seines Lebens. Die Antworten, die
Du erhältst, werden sich alle auf das Leben dieser Welt beziehen.
Jemand, der seinem Gewissen folgt, begreift indes sofort
die Wichtigkeit der Nähe zu Allah und sucht nach Wegen für diese
Nähe. Denn im Quran heißt es:
Ihr, die glauben, fürchtet Allah und erstrebt zu Ihm
die Verbindung, und setzt euch ganz ein auf Seinem Weg, damit es
euch vielleicht wohlergeht. (Suratu-l-ma'ida 5:35)
Alles um Dich herum ist den Bedürfnissen der Menschheit
gemäß erschaffen. Dein Körper funktioniert vollkommen, ohne einen
einzigen Gedanken von Dir. Das Herz hört nicht auf zu schlagen,
die Nerven hören nicht auf die notwendigen Informationen an Dein
Gehirn weiterzuleiten. Alle möglichen Nahrungsmittel zu Deiner Ernährung
und zu Deinem Überleben sind auf natürliche Weise auf der Erde vorhanden,
und die richtige Menge von Sauerstoff, die Du brauchst, in der Atmosphäre.
Du hast einen Muskel- und Skelettaufbau, die Dir zur Bewegung verhelfen,
ohne dass Du darüber überhaupt nachdenkst. Du kannst verschiedenes
aufheben und festhalten und große Entfernungen gehen oder laufen.
Zusätzlich zu den Grundfunktionen zu Deinem Überleben hast Du auch
besondere Sinneswahrneh-mungen, für die Du das notwendige Bewusstsein
besitzt. Die Geschmacksrichtungen unterschiedlicher Speisen, das
Berühren feiner Stoffe, die Schönheit eines Anblicks oder das Gespräch
mit einem Freund, all das kann Dir Zufriedenheit verschaffen. Und
Du hast einen Schöpfer mit höherer Macht, der all das für Dich geschaffen
hat. Er hat Dich aus dem Nichts geschaffen, als Du nichts warst.
Hätte Er es nicht anders gewollt, wärst Du Nichts geblieben. Aber
Allah wollte und erschuf Dich als Menschenwesen. Nur einige wenige
der Begünstigungen, die Allah den Menschen gewährt, können hier
genannt werden. All die Gnaden Allahs aufzuzählen wäre unmöglich,
wie es im folgenden Quranvers heißt:
Und wenn ihr die Gnade Allahs zusammenzählen wolltet,
ihr errechnet sie nicht, Allah ist ja bestim-mt verzeihend, barmherzig.
(Suratu-nahl 16:18)
Über diese Gunsterweise hinaus hat Allah denjenigen,
die Seinem Weg im Leben dieser Welt folgen, die allerschönste Belohnung
versprochen, das Paradies für immer und die Erfüllung aller Wünsche.
Im Gegenzug für Allahs Gnaden ist Deine allerwichtigste
Verantwortung zweifellos Allah für all das zu danken, das Er Dir
gewährt hat. In einem Quran-vers heißt es:
Und Allah hat Euch hervorgebracht aus den Bäuchen eurer
Mütter, - ihr wisst nichts, - und Er hat euch das Hören und die
Blicke und die Herzen gemacht, damit ihr vielleicht dankbar seid.
(Suratu-nahl 16:78)
Alle die Segnungen, die Dir im Laufe Deines Lebens
zukommen, sind allein von Allah:
Was Allah den Menschen von Seiner Barmherzig-keit offen
legt, so gibt es keinen, der es zurückhält, und was Er zurückhält,
so gibt es danach keinen Entsender dafür, und Er ist der Mächtige,
der Weise. Ihr, die Menschen, erinnert euch an die Wohltat Allahs
gegenüber euch. Gibt es einen Schöpfer, einen anderen als Allah,
der euch ernährt vom Himmel und der Erde? Es gibt keinen Gott außer
Ihm, also wie seid ihr getrogen? (Suratu-l-fatir 35:2-3)
Die fortwährende Existenz des Menschen ist nur möglich
durch Allahs Willen, also ist es einleuchtend, dass Allah Wille
das Wichtigste ist und die wichtigste Sache darin besteht, Ihm nahe
zu sein. Aber die Menschen lassen sich durch die alltäglichen Angele-genheiten
des Lebens ablenken und lassen sich kaum einen Moment Zeit, um hierüber
nachzudenken. Sie legen sehr viel Wert darauf, was andere Menschen
von ihnen halten und geben sich viel Mühe, ihre Bewun-derung und
Achtung zu gewinnen, statt über Wege nachzudenken, wie sie Allahs
Zufriedenheit und Seine Liebe erlangen können. Das ist zweifellos
die größte Undankbarkeit. Der Mensch sollte wissen, dass es nicht
nur eine Pflicht ist, nach Allahs Zufriedenheit zu streben, sondern
auch der einzige Weg zum eigenen Glück und zum eigenen Frieden.
Diejenigen, die Allah vergessen, weil sie nach der Zufriedenheit
von Men-schen streben oder durch andere eitle Ziele verleitet werden,
können niemals wahre Befriedigung finden und glücklich sein. Allahs
Zufriedenheit ist die größte Freude und das größte Glück, in denen
das Herz des Menschen Frieden findet. Wie der Quran sagt, finden
die Herzen Ruhe bei der Erinnerung an Allah:
Diejenigen, die glauben, und deren Herzen Ruhe finden
bei der Erinnerung an Allah. Finden nicht die Herzen Ruhe bei der
Erinnerung an Allah? (Suratu-ra'd 13:28)
Im Allgemeinen sind die Menschen, was Allah und das
Jenseits angeht, nicht ahnungslos, und wenn man sie drängt, geben
sie zu, dass es sich dabei um die Wahrheit handelt. Aber der Grund,
weshalb ihr Leben weit weg von Allah ist, liegt in ihrer Vergesslichkeit,
und sie müssen sich ständig durch dskir (Eingedenksein) und Besinnung
erinnern. Jemand, der sich wirklich immer an Allahs Dasein und die
Strafe des Höllenfeuers erinnert, wird niemals faul oder achtlos
werden. Könnte jemand am Tag der Auferstehung am Rande der Hölle
Rechenschaft ablegen und an etwas anderes als Allah denken? Kann
zu diesem Zeitpunkt etwas anderes als Allahs Zufriedenheit Berücksichtigung
finden? Wessen Liebe und Freund-schaft würde jemand in dieser Lage
am liebsten gewinnen? Würde die Meinung eines Freundes oder Ver-wandten
noch irgendwie wichtig oder nützlich sein? Dass Besitztümer und
enge Verbindungen für diejenigen keine Bedeutung mehr haben, die
das Höllenfeuer vor sich sehen, wird in den folgenden Quranversen
gesagt:
Und es fragt kein Heißliebender einen Heißlie-benden,
Sie sind ihrem Anblick ausgesetzt, liebend gern hätte es der Verbrecher,
wenn er sich von der Strafe dieses Tages mit seinen Kindern auslöste,
Und seiner Gefährtin und seinem Bruder, Und seiner Familie, die
ihm Bleibe gibt, Und wer auf der Erde ist, allesamt, wenn es ihn
denn retten würde. Keineswegs! Es ist eine Lohe, reißend. (Suratu-l-ma'aridsch
70:10-15)
Wie wir aus dem Quran entnehmen und mit unserem Gewissen
verstehen, soll der Mensch sein gesamtes Leben um Allahs willen
leben. Wenn Du Dein ganzes Leben auf eine Allah zufrieden stellende
Weise leben möchtest, genügt es Dir, die Quranischen Gebote zu befolgen,
dem Beispiel des Propheten (s) Folge zu leisten und auf Dein Gewissen
zu hören, wenn Du den Geschehnissen des Lebens ausgesetzt bist.
Wenn Du bei jedem Geschehnis, dem Du ausgesetzt bist, sei es groß
oder klein, Deinem Gewissen folgst, dann bedeutet das, dass Du nach
Allahs Zufriedenheit strebst. Indem Du stets auf die Stimme des
Guten in Dir hörst, stellst Du Allah, mit allem, was Du tust, zufrieden.
Ist jedermanns Gewissen das Gleiche?
Menschen, die nicht nach Allahs Zufriedenheit streben,
begehen durchaus Taten, die ihnen gut er-scheinen. Es können wahrhaft
rücksichtsvolle, freundliche Menschen sein. Wenn aber ihre guten
Taten nicht um der Zufriedenheit Allahs willen geschahen, finden
sie vielleicht nicht Allahs Gunst und Anerkennung. Diese Leute tun
Gutes, nicht weil sie wirklich ihrem Gewissen folgen, sondern aus
persönlichem Interesse, wie das Gefühl der Befriedigung, das dem
Ruf folgt, ein "wohltätiger" Mensch zu sein, oder einfach gefühlsmäßige
Befriedigung.
Anders gesagt ist die Absicht, dem Gewissen zu folgen,
wichtiger als die Handlung selbst. Wenn ein Mensch will, dass sein
gesamtes Leben für Allah gelebt wird, muss er seiner Absicht gemäß
handeln. Wenn er beispielsweise eine gute Tat begeht, dann sollte
er damit nach Allahs Zufriedenheit streben statt nach der Gunst
und Anerkennung anderer Menschen oder persönlicher Befriedigung.
Das wird ihm helfen, sich ständig an Allah zu erinnern und sich
in all seinen Angele-genheiten an Allah zu wenden. Im Quran lobt
Allah solche Menschen:
Harre geduldig aus bei dem, was sie sagen, und erinnere
dich an Unseren Knecht David, voller Stärke, er war ja ein stets
Umkehrender. (Sura Sad 38:17)
Allah nennt auch im Quran manches, das dazu führt,
Ihm nahe zu sein:
Und die Zuvorgekommenen, die Zuvorgekom-menen,
Diese sind die Nahegebrachten. (Suratu-l-waqi'a 56:10-11)
Und unter den Wüstenarabern ist mancher, der an
Allah glaubt und an den Letzten Tag, und er fasst auf, was er ausgibt,
als Mittel der Annäherung an Allah und der Segenswünsche des Gesandten.
Ist dies kein Mittel der Annäherung für sie? Allah wird sie in Seine
Barmherzigkeit hineingehen lassen, Allah ist ja verzeihend, barmherzig.
(Suratu-tauba 9:99)
Jede bewusste Handlung, die um Allahs willen verrichtet
wird, ist ein Weg, Allah näher zu kommen und man sollte nicht vergessen,
dass Allah denjenigen die frohe Botschaft vom Paradies gibt, die
Ihm nahe sind:
Und wenn er einer von den Nahegebrachten ist, So gibt
es eine sanfte Brise und wohlduftende Pflanzen und einen Garten
der Wohltat, Und wenn er einer von den Gefährten der Rechten ist,
So 'Frieden für dich von den Gefährten der Rechten!' (Suratu-l-waqi'a
56:88-91)
DIE NEGATIVEN KRÄFTE GEGEN DAS GEWISSEN
Die Seele (an-nafs)
Das Gewissen muss von Allah eingegeben sein, wie es
in der Sure asch-schams heißt:
Und einer Seele, und was sie ebengestaltet hat, Und
ihr eingegeben hat ihre Schamlosigkeit und ihre Gottesfurcht. Es
hat schon Erfolg, wer sie läutert, Und es ist schon gescheitert,
wer sie verdeckt. (Suratu-schams 91:7-10)
In diesen Versen sagt Allah, dass er der Seele Schamlosigkeit
(fudschur) und Gottesfurcht (taqwa) eingegeben hat, d.h. mit dem
Bewusstsein dafür versehen hat, was richtig für sie ist. Das Wort
"fudschur" bedeutet "auf sündhafte Weise handeln, ungehorsam sein,
ein Abweichender zu sein, zu lügen, sich erheben, sich vom Rechtschaffenen
abwenden, Schwierigkeiten machen, gutes Verhalten ablehnen, das
Gegenteil von taqwa." Das Konzept von fudschur beinhaltet alle die
negativen Aspekte der menschlichen Seele. Unsere Seele hat zwei
Aspekte, fudschur, die Quelle des Bösen, und das Gewissen, das vor
dem Bösen schützt.
"An-nafs" ist ein im Quran häufig verwendeter Ausdruck.
Es gibt keine direkte Entsprechung im Deutschen, aber man kann ihn
mit "die Seele" wiedergeben. Im Quran hat das Wort die folgenden
Bedeu-tungen: das Wesen von etwas, sein eigenes Ich, Seele, Herz,
Begierde, Ursprung und Lager von Verlangen und Zorn, das Bewusstsein,
die antreibende Kraft im Menschen. Hier werden wir uns besonders
auf die antreibende Eigenschaft der Seele konzentrieren. Die spirituelle
Kraft, die den Menschen veranlasst, eine bestimmte Tat zu tun oder
eine bestimmte Entschei-dung zu treffen, ist die Seele. Dieser Aspekt
der Seele wird in vielen Quranversen erwähnt. In diesen Versen wird
die Seele (das Selbst) als Quelle der Verderbtheit und des Bösen
im Menschen bezeichnet.
Als die Brüder des Propheten Joseph (a.s.) ihn aus
Neid loswerden wollten, sagte ihr Vater Jakob (a.s.):
Und sie kamen, und auf seinem Hemd war falsches Blut.
Er sagte: 'Vielmehr habt ihr euch selbst etwas eingeredet, also
schönes geduldiges Ausharren, und Allah ist der um Beistand zu Ersuchende
gegen das, was ihr schildert.' (Sura Jusuf 12:18)
Die "niedere Seele" kann die Menschen dahingehend irreführen,
dass sie glauben, etwas Schlechtes sei stattdessen gut.
Ein anderer Fall, in dem diese Wirkung der Seele hervorgehoben
wird, kommt in der Sure TaHa vor. Samiri war einer der Leute von
Moses (Musa), der während Moses kurzer Abwesenheit ein ganzes Volk
fehlleitete, als er aus Goldschmuck, den er von den Leuten gesammelt
hatte, ein Kalb machte. Als Moses zurückkehrte und Samiri befragte,
antwortete er:
Er sagte: 'Ich habe etwas erblickt, was sie nicht erblickt
haben, da nahm ich eine Handvoll von der Spur des Gesandten und
habe sie hingeworfen, und genau so hat es mir meine Seele eingeredet.'
(Sura TaHa 20:96)
Ein anderes im Quran erwähntes Ereignis betraf die
beiden Söhne Adams (a.s.). Einer von ihnen tötete den anderen aus
Neid und bereute es dann. Allah spricht im Quran darüber:
Da brachte ihn seine Seele zum Töten seines Bruders,
und er tötete ihn, und er wurde einer von den Verlierern. (Suratu-l-ma'ida
5:30)
Der Entschluß, jemanden zu töten, stimmt nie mit der
Natur des Menschen überein. Aber eine gewisse Eigenschaft in der
Seele überredet manche Menschen und lässt es ihnen attraktiv erscheinen.
Das gilt ebenso für solche schlechte Taten wie Diebstahl, unmoralisches
Verhalten, Lügen, Eifersucht und Eitelkeit.
Die obigen Verse zeigen, wie die negative Überzeugungskraft
der Seele wirkt. Der Sohn des Prophe-ten Adam, die Brüder des Propheten
Joseph und Samiri begingen ganz unterschiedliche Übeltaten. Das
Gemeinsame all dieser Taten ist aber, dass sie durch die Seele des
Übeltäters ausgelöst wurden. Ihre Seelen überredeten sie, diese
Verbrechen zu begehen, die sie ihnen als gut erscheinen ließen,
während sie in Wirklichkeit von ihren Seelen fehlgeleitet und zum
Bösen hingezogen wurden.
Was ist die Quelle der Kraft der Seele? Die Antwort
ist klar aus der Sure asch-schams zu entnehmen, wo es heißt, dass
"fudschur" (alles Böse) in die Seele eingegeben ist. Hier kann die
folgende Frage auftauchen: Wenn den Seelen der Menschen Böses eingegeben
ist, folgt daraus nicht, dass wir von jedermann schlechtes und unmoralisches
Verhalten zu erwarten haben?
Hier müssen wir uns an eine andere Eigenschaft der
Seele erinnern. Die negative Eingebung ist nicht die einzige Kraft
in der Seele. Liest man die Verse 7-10 in der Sure asch-schams (Sure
91) nochmals, so wird klar, dass der Seele auch eingegeben ist,
sich vor dem Bösen zu hüten. Das heißt dass sowohl positive als
auch negative Kräfte in der Seele wirken. Die Seele jedes Menschen
verfügt sowohl über eine Kraft, die ihn zum Böse veranlasst und
es ihm als gut erscheinen lässt, als auch über eine positive Kraft,
die ihn veranlasst, sich vor dem Bösen zu hüten und das Gute und
Schöne zu wählen. Diese positive Kraft ist das Gewissen. Was die
Menschen voneinander unterscheidet ist, dass sie ihr Leben entweder
in Befolgung ihres Gewissens oder in Befolgung der negativen Seite
der Seele leben.
Der Satan (Schaitan)
Für viele Menschen ist der Satan nur eine mythologische
Vorstellung. Es ist ihnen nicht klar, wie er auf die Leute einwirkt
und welche Rolle er im Alltagsleben spielt. In diesem Buch kann
nur auf einige der Eigenschaften des Satans und der negativen Macht
hingewiesen werden, die er gegen das Gewissen zum Einsatz bringt.
Dennoch sollte es als Hilfe genügen zu begreifen, dass der Satan
nicht ein ausgedachtes Wesen ist, sondern eine negative Kraft, die
den Menschen genau beobachtet und versucht, ihn zum Fehlverhalten
hinzuziehen.
Der Satan war Allah ungehorsam und warf sich nicht
vor Adam nieder. Wegen seines Neides und seiner Überheblichkeit
beschloss er, die Menschen, die er als niedriger als er selbst ansah,
von Allahs Weg wegzuführen. Im Quran wird gesagt, dass der Satan
den Her-zen falsche Wünsche eingibt, versucht, die Menschen an Allahs
Dasein und am Jenseits zweifeln zu lassen und ihnen das Leben dieser
Welt als besonders anziehend erscheinen lässt. Während das Gewissen
des Menschen ihn immer zum Rechten leitet, leitet der Satan den
Menschen immer zum Falschen.
Aber der Satan tut das nicht offensichtlich. Er hat
verschiedene Methoden, die er auf betrügerische Weise anwendet.
Zum Beispiel flüstert er einem Men-schen ein: Du bist ein guter
Mensch, Du sagst, Du bist Muslim. Wenn es das Paradies gibt, wirst
Du in es hineingehen! Vielleicht beachtet gerade dieser Mensch das
regelmäßige Gebet oder andere Gebote Allahs nicht, aber der Satan
lässt ihn sicher sein, dass es genügt zu sagen: Ich bin Muslim!
Er lässt ihn das Jenseits nicht eindeutig ableugnen, sondern lässt
ihn ein der Glaubensverweigerung nahes Leben mit der Bezeichnung
"Islam" führen. Wichtiger ist, dass dieser Mensch, der nicht erkennt,
dass dies ein absichtlicher Plan des Satan ist, um ihn in die Hölle
zu bringen, die Einflüsterungen des Satans für seine eigenen Gedan-ken
hält. Hier sollte man nicht vergessen, dass das Gewissen einem immer
aufträgt, den Islam richtig zu leben, aber die meisten Menschen
folgen den Worten des Satan statt ihrem Gewissen, weil es den Zwecken
der eigenen Seele besser passt.
Hier nun verstehen wir die Wichtigkeit des Gewis-sens
während der andauernden Prüfung in dieser Welt. Bei jedem Geschehen
werden sowohl das Gewissen als auch der Satan sich melden, die Quelle
aller persönlichen Eigeninteressen, Leidenschaften und des Bösen.
Beide rufen den Menschen zu ihrem jeweiligen Weg. Wer zwischen diesen
beiden unterscheiden kann und seinem Gewissen folgt, gewinnt die
Zufriedenheit Allahs.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der, dass der Satan
den Menschen bis zum Tod nicht in Ruhe lässt oder sogar über den
Tod hinaus bis zu dem Zeitpunkt, zu dem seine Seele in die Hölle
kommt. Das darf man nie vergessen. Ebenso lässt aber auch das Gewissen
den Menschen bis zum Tod nicht allein und verlangt von ihm, jede
Tat, die er zu tun hat, so zu tun, dass er im Jenseits in das Paradies
gelangt.
Wer sich trotz seines wahrhaften Gewissens dafür entscheidet,
seiner Seele zu folgen, ist ein Freund des Satans geworden, weil
er den Weg des Satans und nicht den Weg Allahs gewählt hat. Hinsichtlich
solcher Menschen hat Allah befohlen:
Und wer schwachsichtig ist gegenüber der Erinnerung
an den Allerbarmer, für den haben Wir einen Teufel bestimmt, und
er ist für ihn ein Kamerad. (Suratu-zukhruf 43:36)
Wie der Satan (Schaitan) sich jenen annähert, die ihm
folgen und wie der Satan und seine Gefährten enden, wird im Quran
mitgeteilt:
Er sagte: 'Und weil Du mich hast abweichen lassen,
ganz bestimmt lauere ich ihnen auf, bei Deinem richtigen Weg, Dann,
ganz bestimmt, komme ich ihnen von vor ihnen und von hinter ihnen
und von ihrer Rechten und von ihrer Linken, und Du wirst die meisten
von ihnen nicht dankbar finden.' Er sprach: Geh hinaus von hier,
würdelos, verjagt. Bestimmt, wer dir von ihnen folgt, ganz bestimmt
fülle Ich die Hölle mit euch allesamt. (Suratu-l-a'raf 7:16-18)
Der Satan (Schaitan) hat keine Macht über Menschen,
die ihrem Gewissen folgen
Dem Voranstehenden nach könnte man den Eindruck gewonnen
haben, der Schaitan sei eine wichtige Kraft, die man meiden muß.
Man sollte aber auch wissen, dass die Kraft des Schaitan außerordentlich
schwach ist. Allah teilt in einem Quranvers mit:
Diejenigen, die glauben, kämpfen auf dem Weg Allahs,
und diejenigen, die den Glauben verweigern, kämpfen auf dem Weg
der Abgötter, also kämpft mit den Schutzfreunden des Teufels, die
List des Teufels ist ja schwach. (Suratu-nisa 4:76)
Der Satan ist kein wesen, das eine eigene Kraft hätte,
die es gegen Allahs Willen gebraucht. Der Satan ist vielmehr eine
negative Kraft, der Allah zu existieren erlaubt hat, um den Menschen
zu prüfen. Allah hat den Satan und die "niedere Seele" geschaffen,
um diejenigen, die glauben von denen zu unterscheiden, die zweifeln.
Der Satan selbst weiß, dass er ganz schwach und machtlos gegenüber
aufrichtigen und gewissensbezogenen Menschen ist. Er kann sie niemals
unter seine Kontrolle bringen, und alle seine Listen ihnen gegenüber
schlagen fehl. Dies ist an verschiedenen Stellen im Quran so gesagt:
"Er hat keine Ermächtigung über diejenigen, die glauben
und auf ihren Herrn vertrauen, Seine Ermächtigung ist über diejenigen,
die sich mit ihm befreunden und diejenigen, die Ihm Mitgöt-ter geben."
(Suratu-nahl 16:99-100)
"Er sprach: Geh, und wer dir folgt von ihnen, so ist
ja die Hölle eure Vergeltung, völlige Vergel-tung, Und versuche,
aufzuhetzen, wen du kannst von ihnen, mit deiner Stimme, und bringe
auf gegen sie deine Pferde und dein Fußvolk, und sei ihr Teilhaber
an ihren Vermögensgütern und ihren Kindern und mache ihnen Versprechungen
- und der Teufel verspricht ihnen nur Trug, Ja, Meine Knechte, -
über sie hast du keine Ermäch-tigung, und dein Herr genügt als Sachwalter."
(Suratu-l-isra 17:63-65)
Dem Gewissen zu folgen ist der einfachste Weg
Die Wahl zwischen dem Gewissen und der Seele ist für
den Menschen eigentlich nicht schwer. Denn Allah hat den Menschen
mit der Neigung geschaffen, damit zufrieden zu sein, der Stimme
seines Gewissens zu folgen. Deshalb entspricht es der Natur des
Menschen, dem din (der Religion) zu folgen und danach zu leben.
Im folgenden Quranvers spricht Allah:
Also richte dein Gesicht zur Religion als Recht-gläubiger,
die natürliche Weise Allahs, nach der Er den Menschen die natürliche
Weise gab, - kein Umändern für die Schöpfung Allahs, dies ist die
aufrechte Religion, aber die meisten Menschen wissen es nicht. (Suratu-rum
30:30)
Allah hat jedem Gewissen solche Gedanken eingegeben,
so dass jedes Gewissen jedes Menschen Allah zufrieden stellen möchte.
Es ist schwierig und elend für den Menschen, Taten zu begehen, die
seinem Gewissen zuwider sind. Was ohne Betracht des Gewissens getan
wird, verursacht Kummer des Herzens. Das Herz findet nur Ruhe bei
der Erinnerung an Allah und dem Streben nach Seiner Zufriedenheit.
Dass es leicht ist, dem Gewissen zu folgen, wird an
vielen Stellen im Quran gesagt. Es heißt dort auch, dass Allah denjenigen
den leichten Weg zeigt, die nach Seiner Zufriedenheit streben:
… Allah möchte das Leichte für euch, und Er möchte
nicht das Schwere für euch ... (Suratu-l-baqara 2:185)
… und wer Allah fürchtet, für den macht Er es leicht
mit seiner Sache … (Suratu-talaq 65:4)
Und was den angeht, der glaubt und Rechtschaf-fenes
tut, für den gibt es die Vergeltung des Besten, und wir werden ihm
unsererseits Erleichterndes auftragen. (Suratu-l-kahf 18:88)
Und Wir machen es dir leicht zu einer Erleich-terung.
(Suratu-l-a'la 87:8)
… Allah mutet keiner Seele zu, außer was Er ihr
gegeben hat. Allah wird nach der Schwierigkeit Erleichterung geben.
(Suratu-talaq 65:7)
Also zusammen mit der Schwierigkeit gibt es ja
Erleichterung, Zusammen mit der Schwierigkeit gibt es ja Erleichterung.
(Suratu-l-inschirah 94:5-6)
WARUM FOLGEN MENSCHEN IHREM GEWISSEN NICHT, OBWOHL
SIE DIE WAHRHEIT KENNEN?
Wenn ein Mensch seinem Gewissen nicht folgt, ist das
im Kern eine Sache der Schwäche seines Glaubens an Allah und an
das Jenseits. Diese Schwäche führt zu vielen moralischen Störungen,
die den Menschen noch weniger dahin neigen lassen, seinem Gewissen
zu folgen.
Das Gewissen eines Menschen, der den Glauben verweigert,
weiß auch Bescheid über Rechtschaffen-heit und Dasein Allahs, aber
er befolgt aus verschiedenen Gründen nicht, was er eigentlich als
richtig anerkennt. Im Quran sagt Allah in vielen Versen, dass die
Menschen wissentlich ablehnen, obwohl sie verstehen und ihr Gewissen
überzeugt ist.
So wird beispielsweise das folgende von den Juden gesagt,
die Allahs Offenbarung, die Thora, entstellten:
… und ein Teil von ihnen hat schon das Wort Allahs
gehört, dann verdrehen sie es, nachdem sie es verstanden haben,
und sie wissen es. (suratu-l-baqara 2:75)
Liebend gern hätten es viele von den Leuten der
Schrift, wenn sie euch nach eurem Glauben zurückbrächten als Glaubensverweigerer,
aus Neid von ihnen selbst, nachdem ihnen die Wahrheit klargemacht
wurde … (Suratu-l-baqara 2:109)
Diejenigen, denen Wir die Schrift gegeben haben,
kennen ihn wie sie ihre Söhne kennen, und ein Teil von ihnen verschweigt
ja bestimmt die Wahrheit, und sie, sie wissen es. (Suratu-l-baqara
2:146)
Wie kann jemand die Wahrheit erkennen und doch so fest
und willentlich bestreiten?
In dem obigen Abschnitt "Hinweise auf Allahs Dasein
durch das Gewissen erkennbar" haben wir der Evolutionstheorie anhängende
Wissenschaftler als ein Beispiel solcher Menschen angeführt, die
Allah verwerfen, obwohl sie den Beweis für Sein Dasein mit eigenen
Augen sehen. Der berühmte britische Zoologe und Anhänger der Evolutionstheorie
D. M. S. Watson erklärt, weshalb er und seine Kollegen sich an die
Evolution halten:
Wenn, so wird sie eine Parallele zur Evolutionstheorie
selbst sein, eine allgemein akzeptierte Theorie, nicht weil sie
durch logische, schlüssige Beweise als wahr bewiesen werden könnte,
sondern weil die einzige Alternative dazu, besondere Schöpfung,
klar unglaublich ist." (Watson, D.M.S. Adaption, Nature Nr. 124,
S. 231 ff.)
Was Watson mit "besondere Schöpfung" meint, ist die
Schöpfung Allahs. Das ist es, was die Wissenschaftler als "klar
unglaublich" ansehen, und doch beweist die Wissenschaft die Wahrheit
der Schöpfung. Der einzige Grund, weshalb Watson dies als unglaublich
ansieht, ist die Art und Weise, wie er sein Denken konditioniert
hat. Das gilt ebenso für die übrigen Evolutions-Anhänger. Im Quran
ist von solchen Leuten wie folgt die Rede:
Und sie bestritten sie, und sie waren selbst überzeugt
davon in Unrecht und Überheblichkeit, also sieh, wie das endgültige
Ende der Unheilstifter war. (Suratu-naml 27:14)
Zu den Gründen, die Wahrheit abzulehnen, gehören Eitelkeit
und Arroganz, die Formen von "ananijja" (Eigendünkel) sind. Das
Wort "ananijja" hängt zusammen mit dem Wort "ana", das "ich" bedeutet.
Wenn jemand sich selbst und all die Geschöpfe um sich herum als
unabhängig von Allah ansieht und all sein Verhalten daran ausrichtet,
so ist das Eigendünkel. Wenn jemand sich für unabhängig von Allah
hält, denkt er, dass alle seine Eigenschaften seine eigenen sind.
Aber alles, was der Mensch ist und was er besitzt, gehört Allah.
Allah kann es wegnehmen, wie Er will. In einem Quranvers wird einem
Menschen, der all seine Besitztümer als sein Eigentum ansah, wie
folgt geantwortet:
Er sagte: 'Das wurde mir gegeben auf Grund von Wissen,
das ich habe.' Weiß er nicht, dass Allah schon vor ihm von den Generationen
welche vernichtet hat, die stärker waren an Kraft als er und mehr
an Zahl? Und es werden die Verbrecher nicht weiter nach ihren Sünden
gefragt. (Suratu-l-qasas 28:78)
Eigendünkel hindert den Menschen, klar zu sehen. Ein
Mensch mit Eigendünkel denkt, dass er alles mit eigener Kraft tut.
Er denkt nicht an seine Schwäche und dass er Allah braucht. Da er
sich als unabhängig von Allah betrachtet, verspürt er kein Gefühl
der Verantwortlichkeit gegenüber einem anderen, und dies lässt seine
Arroganz noch weiter wachsen.
Diese Arroganz hindert ihn zu akzeptieren, was sein
Gewissen als wahr erkennt. Allahs Dasein anzuerkennen würde auch
bedeuten, die Herrschaft eines ihm Überlegenen anzuerkennen, sich
Ihm zu unterwerfen und Sein Diener zu sein. Dadurch würde er bestätigen,
dass nichts von ihm stammt und dass er in allem Allahs Hilfe nötig
hat. Bisher haben wir über die Gefahren gesprochen, die in der Seele
des Menschen liegen. Es wäre ein großer Fehler, wenn jemand annehmen
würde, dass die hier gegebenen Beispiele nur andere Menschen und
nicht einen selbst betreffen. So ist es zum Beispiel ein großer
Fehler anzunehmen, dass die Ablehnung trotz der Überzeugung des
Gewissens nur auf die Evolutions-Vertreter zuträfe. Deren Missachtung
der Wissenschaft, um die Erschaffung nicht anzuerkennen, ist nur
eine von verschiedenen Arten des Eigendünkels. Es gibt andere Menschen,
die Allahs Gebote nicht befolgen, obwohl sie sagen, dass sie Sein
Dasein akzeptieren. Sie halten vielleicht ihre eigenen Gedanken
und Urteile in bestimmten Situationen für richtiger als die Rechtleitung
Allahs für alle Menschen und Zeiten. Das ist ein anderer Aspekt
des Eigendünkels. Solcher Eigendünkel zeigt sich bei manchen Menschen
deutlicher, bei anderen weniger deutlich. Ob groß oder klein, liegt
doch die selbe Denkweise vor, nämlich die Unfähigkeit, Allahs Macht
zu begreifen, Seinen Ruhm und unsere Abhängigkeit von Ihm.
Jene die Ihrem Gewissen aus Willensschwäche nicht folgen
Die Anzahl willensschwacher Menschen in der Gesellschaft
ist recht hoch. Weil sie nicht sehr tief nachdenken und die Notwendigkeit,
ihren Verstand zu gebrauchen nicht verspüren, geht es diesen schwachen
Menschen allein darum, ihre Bedürfnisse, Sinnesfreu-den und Leidenschaften
des Augenblicks zu befriedigen. Nur wenige Menschen machen Gebrauch
von ihrer Fähigkeit, tief nachzudenken oder bemühen sich, ihren
Charakter zu entwickeln. Das gute Verhalten, das die Religion (din)
vorschreibt und zu Allahs Zu-friedenheit zu leben erfordert eine
ernste Willensan-strengung. Man muss sich stets fragen: Wie kann
ich es besser machen? Wie kann ich gegenüber den Gläubigen bescheidener
sein, nachsichtiger, mehr zugetan, mich mehr kümmern, mehr besorgt
sein? Was kann ich noch tun, um den Menschen Allahs Religion nahe
zu bringen und sie zu gutem Verhalten, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit
aufrufen? Wie kann ich sie von ihren fehlgehenden Glaubensvorstellungen
und Handlungen abbringen? Wie kann ich Allah näher kommen? Nur über
solche Fragen nachdenken ist sicher nicht genug. Wichtig ist, sich
der Willensbe-mühung zu unterziehen, diese Dinge fortwährend zu
praktizieren. Wer sich nur immer um seine eigene Bequemlichkeit
sorgt, wer niemals Opfer bringt und sich nicht für die Lage der
Menschen um sich herum interessiert, wird auch nie die notwendige
Anstreng-ung unternehmen zu praktizieren, was sein Gewissen verlangt.
Derart willensschwache Menschen finden es zu schwer, sich die Mühe
zu machen, den Islam zu leben, also ignorieren sie ihn oder schieben
es endlos auf. Im Quran sagt Allah, dass ernste Bemühungen begünstigt
sind:
Und wer das Jenseits mochte und sich dementsprechend
darum bemühte, und er ist ein Gläubiger, also diese, - ihr Bemühen
wird gedankt. (Suratu-l-isra 17:19)
Jene, die Ihrem Gewissen nicht folgen, weil sie nicht
Standhaft sind
Um dem Gewissen zu folgen, bedarf es einer großen Standhaftigkeit.
Wer sich nicht fest entschlossen hat, unter allen Umständen seinem
Gewissen zu folgen, könnte nach ein paar Prüfungen entmutigt werden,
weil er denkt, dass seine Interessen darunter leiden, dass er Opfer
bringt und dass er die Ergebnisse nicht erreicht, die er sich wünscht
und von denen er dachte, dass er sie verdient. Seinem Gewissen zu
folgen fällt ihm schwer, und er gibt auf. Dem Gewissen zu folgen
wird aber ganz sicher Opfer verlangen. Beispielsweise beruht es
auf dem Gewissen eines hungrigen und bedürftigen Menschen, dass
er nicht stiehlt, sondern auf erlaubte Weise sein Bedürfnis stillt,
obwohl dies schwieriger als Stehlen sein kann. Unter diesen scheinbar
schweren Bedingungen mag es im ersten Moment als Hindernis erscheinen,
niemals etwas zu tun, dem Allah nicht zustimmt. Aber ein Mensch
mit Gewissen handelt zu seinem ewigen Nutzen im Jenseits, statt
zum Nutzen von nur ein paar Tagen, und er verhält sich so, dass
Allah zustimmt. Es ist wichtig zu verstehen, dass dem Gewissen folgendes
Handeln allein um Allahs willen zu geschehen hat. Wenn jemand eine
Handlung begeht, die er für dem Gewissen folgend ansieht und dabei
einen Ausgleich von den Menschen erwartet, wird er oft enttäuscht
werden. Andererseits verschafft eine dem Gewissen folgende Tat mit
der Erwartung des Lohnes von Allah dem Menschen einen absoluten
Gewinn. Im Quran wird dieses beispielhafte Verhalten des Gläubigen
wie folgt beschrieben:
Und sie geben die Speise, aus Liebe zu Ihm, dem Armen
und der Waise und dem Gefangenen: 'Wir geben euch Speise um des
Antlitzes Allahs willen, wir möchten von euch kein Vergelten und
keinen Dank, Wir fürchten von unserem Herrn einen Tag von Sorgen,
äußerst schwer.' (Suratu-l-insan 76:8-10)
Nach dem Islam zu leben verlangt ganz unvermeidlich
Opfer. Weil solche Opfer in Gesellschaften, die vor Allah keine
Furcht haben, nicht üblich sind, gibt es dort andauerndes Elend
und Verzweiflung. Andererseits bilden diejenigen Menschen, die ihrem
Gewissen folgen und feste Entschlossenheit verbunden mit Furcht
vor Allah zeigen, besonders sichere und friedliche Gesellschaften.
Und das ist nur der Ausgleich, den sie im Leben dieser Welt erhalten.
Allah gibt die frohe Botschaft von ewig Schönen im Jenseits denjenigen,
die trotz der Leidenschaften ihrer Seelen Opfer bringen:
Also schützt sie Allah vor dem Bösen dieses Tages und
überwirft sie mit Glanz und Freude, Und er vergilt ihnen, weil sie
geduldig ausharrten, mit einem Garten und Seide, Angelehnt dort,
auf den geschmückten Ruhebetten, sie nehmen dort keine sengende
Sonne wahr und keine bittere Kälte, Und nahebei, über ihnen, seine
Schatten und sein Pflückobst verfügbar gemacht, herabhängend, Und
es wird bei ihnen herumgegangen mit Ge-fäßen aus Silber und Bechern,
sie sind Gläser, Gläser aus Silber, sie messen ganz nach Maß, Und
sie werden dort getränkt mit einem Kelch, seine Mischung ist aus
Ingwer, Von einer Quelle dort, genannt Salsabil, Und es gehen bei
ihnen ewigseiende Knaben herum, wenn du sie siehst, hältst du sie
für ausgestreute Perlen, Und wenn du siehst, so siehst du Wohltat
und große Herrschaft, Auf ihnen sind grüne Gewänder aus Seidenbrokat
und schwerem Brokat, und sie sind geschmückt mit Armbändern aus
Silber, und es tränkt sie ihr Herr mit einem reinen Trank: Dies
ist ja für euch ein Vergelten, und euer Bemühen ist gedankt! (Suratu-l-insan
76:11-22)
Man soll nicht vergessen, dass Allah Seinen Dienern,
die um Seinetwillen Standhaftigkeit an den Tag legen, zu helfen
versprochen hat, und dass er es ihnen leicht machen wird. In einer
Stelle im Quran heißt es:
Und was den angeht, der hergibt und gottesfürchtig
ist, Und das Beste für wahr ansieht, So werden Wir es ihm leicht
machen zur Erleichterung. (Suratu-lail 92:5-7)
Im Quran bezeichnet Allah die Standhaftigkeit als ein
gutes Verhalten, das Ihm gefällt. Ein wichtiger Zug der jungen Gläubigen,
von denen in der Sure al-khaf berichtet wird, ist es, dass Allah
"ihre Herzen fest verbunden" hat. (Suratu-l-kahf
18:14). In einem anderen Vers heißt es: "...
da sandte Allah seine Gottesruhe herab auf Seinen Gesandten und
auf die Glaubigen und erlegte ihnen das Wort der Gottesfurcht auf
...". (Suratu-l-fath 48:26). In weiteren Versen wird geboten,
bei dem Leben nach der Religion (din) standhaft zu sein. So heißt
es im Quran:
Der Herr der Himmel und der Erde und was zwischen beiden
ist, also diene Ihm und harre geduldig aus in Seinem Dienst. Weißt
du etwas mit Ihm zu nennen? (Sura Maria 19:65)
Jene, die Ihrem Gewissen nicht folgen, weil Sie sich
für Nichts benötigend halten
Einer der wichtigsten Faktoren, durch den die Menschen
ihr Gewissen ausschalten, ist ihre Ansicht, dass sie nichts benötigen.
Wenn man sie zum Beispiel nach ihrem Befolgen des Islam fragt, sagen
die meisten Leute, dass es genüge, niemandem zu schaden und zu versuchen,
ein guter Mensch zu sein. Aber das ist reiner Selbstbetrug. Wichtig
ist vielmehr, Allahs Diener zu sein und so zu leben, wie Er es will.
Wenn der Mensch das nicht tut, ist alles, was er macht, bedeutungslos
und schädlich. Allah sagt im Quran:
Also wer ist es, dem das Schlechte seines Tuns schön
gemacht wird, und er sieht es als gut? Und Allah läßt fehlgehen,
wen Er will, und Er leitet recht, wen Er will … (Suratu-l-fatir
35:8)
Was jemandem seine Tasten als gut und schön erscheinen
lässt ist die Annahme, sein eigenes Urteil sei vollkommen. Wer sich
für aus Allahs sicht mildherzig und großzügig hält, gehört zu diesen
Menschen. Die Wahrheit ist tatsächlich ganz anders als von ihnen
angenommen. In einem Quranvers heißt es, dass es der wichtigste
Grund ist, von der Wahrheit abzuweichen, wenn man sich für nichts
benötigend hält:
Keineswegs! Bestimmt, der Mensch ist ja maßlos, Dass
er sich sieht, als habe er nichts nötig. (Suratu-l-alaq 96:6-7)
Die sprachliche Bedeutung des Wortes "mustagni - nichts
nötig habend" ist "ohne Bedürfnis, zufrieden sein." Die Bedeutung
im Quran bezieht sich auf jemanden, der seine Nähe zu Allah, seiner
Furcht vor Allah und dem Jenseits, seine guten Taten und seine Frömmigkeit
als ausreichend ansieht und der sich deshalb nicht um Verbesserung
darin bemüht. Die meisten Menschen weichen aus diesem Grund von
Allahs Weg ab.
Obwohl die Leute sich als nichts nötig habend erachten,
wissen sie eigentlich doch in ihrem Gewissen, wie unvollkommen sie
sind und worin sie Allah nicht zufrieden stellen. Darum vermeiden
sie es, über Themen wie den Tod, den Tag des Weltenendes und das
Jenseits zu sprechen. Wenn jemand so ein Thema anspricht, versuchen
sie es zu wechseln, weil es "bedrückend" ist. Der Grund, weshalb
sie bedrückt sind, ist, dass sie ihrem Gewissen zuwiderhandeln,
und auf das Thema einzugehen macht sie innerlich unruhig.
Für einen Menschen, der auf sein Gewissen hört, ist
es nicht möglich, sich so zu fühlen als habe er nichts nötig. Im
Gegenteil, er hält nach Besserem Ausschau und versucht, alles besser
zu machen. Denn das Gewissen des Menschen erinnert ihn immer wieder
an den Tag der Abrechnung. Jemand, der weiß, dass er Allah Rechenschaft
über sein Leben in dieser Welt abzulegen hat, wird seine Taten nie
als ausreichend ansehen. Er tut, was ihm sein Schöpfer aufträgt,
mit größter Aufmerksamkeit. Im Quran wird auf jene, die ernsthaft
nach Allahs Zufriedenheit und dem Jenseits streben, wie folgt verwiesen:
Wer das davoneilende Leben mochte, dem haben Wir eilig
darin gegeben, was Wir wollen, für wen Wir möchten, - dann haben
Wir für ihn die Hölle gemacht, er brennt dort, blamiert, verjagt,
Und wer das Jenseits mochte und sich dementsprechend darum bemühte,
und er ist ein Gläubiger, also diese, - ihr Bemühen wird gedankt.
(Suratu-l-isra 17:18-19)
Kein Zweifel, nach Allahs Weg zu streben, wie es sich
gehört, kann nur, wie schon zuvor gesagt, unter Befolgen des Gewissens
gelingen. Nach dem Verständnis der Unwissenden genügt es, einen
durchschnittlichen Charakter in Übereinstimmung mit dem allgemeinen
Trend in der Gesellschaft zur Schau zu stellen. Viele Menschen halten
sich für fromm genug, solange sie keine Verbreche wie Mord, Vergewaltigung
oder Diebstahl begehen. Sie denken nicht daran, dass es Hunderte
von guten Taten und Arten des Gottesdienstes gibt, die sie aufschieben
oder völlig außer acht lassen. Obwohl es verboten ist, klatschen
sie, beten nicht regelmäßig, versuchen nicht ihr moralisches Verhalten
zu verbessern und danken ihrem Herrn nicht für die Gnaden, die Er
ihnen erweist. Wenn es ihnen passt, handeln sie ungerecht und lügen,
um ihre Schuld zu verbergen. Dass sie sich als nichts nötig habend
ansehen und die Abrechnung im Jenseits nicht fürchten ist ein Zeichen
ihrer Unwissenheit und Kurzsichtigkeit.
Die Propheten und Gläubigen im Quran stellen die besten
Beispiele des höchsten Maßes der Gewissens-bezogenheit dar. Der
Prophet Joseph (a.s.) zum Beispiel bat Allah:
Mein Herr, Du hast mir schon von der Herrschaft gegeben
und mich von der Deutung der Geschehnisse gelehrt, Hervorbringer
der Himmel und der Erde, Du bist mein Schutzfreund in dieser Welt
und im Jenseits, nimm mich zu Dir als friedenmachend Ergebener,
und lasse mich zu den Rechtschaffenen hinzukommen. (Sura Jusuf 12:101)
Obwohl er Allahs auserwählter Prophet war, bezog er
sich mit Furcht und Hoffnung auf das Jenseits. Unwissende Leute
reden so, als ob sie sicher sind, ins Paradies zu gelangen. Wenn
ihre blinde Arroganz noch weiter wächst, laufen sie Gefahr, dass
ihnen ein böses Ende droht:
Dass nicht eine Seele sagt: 'O Jammer über mich, darüber,
was ich vernachlässigt habe seitens Allahs, und ich war wirklich
einer von denen, die sich lustig machten', Oder sie sagt: 'Wenn
Allah mich rechtgeleitet hätte, bestimmt wäre ich einer von den
Gottesfürchtigen gewesen', Oder sie sagt, wenn sie die Strafe sieht:
'Wenn es für mich eine Rückkehr gäbe, so wäre ich einer von den
Gut-handelnden:' Doch nein! Meine Zeichen sind schon zu dir gekommen,
und du hast sie geleugnet, und du hast dich groß gewähnt, und du
warst einer von den Glaubensverweigerern. Und am Tag der Auferstehung
siehst du diejenigen, die über Allah gelogen haben, ihre Gesichter
schwarz geworden. Ist nicht die Hölle Aufenthalt für die Großtuer?
(Suratu-zumar 39:56-60)
Die vorgebrachten Entschuldigungen wenn dem Gewissen
nicht gefolgt wird
Der Mensch wird in der Tat deutlich gegen sich selbst
Zeugnis ablegen, trotz aller Entschuldigungen, die er vielleicht
vorbringen will:
Vielmehr gibt der Mensch über sich selbst Einblick,
Und wenn er seine Entschuldigungen vorlegt. (Suratu-l-qijama 75:14-15)
Jeder Mensch weiß ohne Zweifel seinem Gewissen nach
was richtig ist, trotzdem führt er weiter Entschuldigungen dafür
an, weshalb er die rechtschaffenen Handlungen nicht begeht.
Deshalb ist er immer in Unruhe. Es ist in der Tat eine
unerträgliche Last für das Gewissen eines Menschen, üble Taten zu
begehen, wo er doch weiß, dass sie falsch sind. Der Satan (Schaitan)
lässt ihnen aber ihre Handlungen recht erscheinen und zeigt ihnen
vielerlei Wege, um ihre Ohren gegenüber der wahrhaften Stimme in
ihrem Inneren zu verschließen. Während es möglich ist, ein in Gemüt
und Seele sorgenfreies Leben zu führen, indem man das Rechte tut,
wählen diese Menschen den schweren Weg, indem sie ihr Gewissen zudecken.
Während sie weiter den Fußspuren des Satan nachgehen, behaupten
sie, dass sie auf dem rechten Weg sind und bringen verschiedene
Entschuldigungen dafür vor, dass sie sich entgegen dem Islam verhalten.
Einige solcher Entschuldigun-gen sind folgende:
"Es zählt, was man im Herze trägt"
Viele Menschen haben eine Art Verteidigungs-mechanismus
entwickelt. Ihr Gewissen weiß, was richtig ist, während die Seele
sie zur falschen Seite hinzieht. Wenn sie bei der Entscheidung,
ob sie eine falsche Tat begehen sollen, zögern, meldet sich die
Seele sofort und bringt verschiedene Entschuldigun-gen vor. Wenn
er auf die Seele hört, fühlt sich der Mensch entlastet und überzeugt
sich selbst, dass er nicht alles so genau zu nehmen hat. Was er
tun will, ist eigentlich bedeutungslos, es macht nichts aus, sein
Herz ist so rein, dass es davon nicht berührt wird und er ein guter
Mensch bleibt, solange er nicht etwas "Ernsthaftes" wie Mord oder
Diebstahl begeht.
Das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen so
leicht lügen, klatschen und sich über andere lustig machen. In einer
Angelegenheit zu lügen steht in völligem Widerspruch zum Gewissen.
Aber die Men-schen unterdrücken die Stimme in sich, die zur Rechtschaffenheit
ruft und überzeugen ihr Gewissen, dass es sich doch nur um unbedeutende
Lügen handelt, die nichts bedeuten. Obwohl sie die gottesdienstlichen
Verrichtungen nicht vollziehen und auch die vom Islam gegebenen
Regeln für gutes Benehmen und Verhalten nicht beachten, halten sie
sich doch für sehr gute und rechtschaffene Menschen. Diese Sicht
ist sowohl unaufrichtig als auch falsch. Wenn ein Mensch seinem
Gewissen nicht folgt, ist es unmöglich für ihn, eine gute Belohnung
im Jenseits zu erhoffen. Mit der Einstellung "ich habe doch ein
gutes Herz" mag er in dieser Welt als "guter Mensch" gesehen werden,
aber vielleicht trifft ihn im Jenseits eine unerwartete Vergeltung.
Der Islam gebietet den Menschen nicht nur, Mord, Diebstahl usw.
nicht zu begehen. Es gibt sehr viele gute Taten, die zu verrichten
und schlechte, die zu vermeiden sind. Am wichtigsten ist aber, dass
der Islam dem Menschen gebietet, nur allein Allahs Diener zu sein
und um Seinetwillen zu leben. Im Quran hat Allah die wirklichen
"guten Menschen" beschrieben:
Die Frömmigkeit ist nicht, dass ihr eure Gesichter
nach dem Osten und dem Westen kehrt, sondern die Frömmigkeit hat,
wer an Allah glaubt und an den Letzten Tag und die Engel und die
Schrift und die Propheten und sein Vermögensgut aus Liebe zu ihm
den Angehörigen gibt und den Waisen und den Armen und dem "Sohn
des Weges" und den Bettlern und für die Unfreien, und wer das Gebet
einrichtet und die Zakat-Steuer gibt und die ihre Abmachungen halten,
wenn sie Abmachungen getroffen haben, und die geduldig Ausharrenden
im Elend und im Leid und beim Unglück, diese sind es, die wahrhaft
sind, diese sind es, sie sind die Gottesfürchtigen. (Suratu-l-baqara
2:177)
Statt sich mit den Propheten oder den obigen wirklichen
guten Menschen zu vergleichen und zu versuchen, sich zu verbessern,
vergleichen sich viele Menschen mit den bösen Übeltätern aus der
Ge-schichte und sagen: Ich bin nicht so schlecht wie sie, also verdiene
ich auch nicht dieselbe Strafe wie sie! Der Grund dafür ist ihre
Unwissenheit - sie wissen nicht Bescheid über Allah und das Jenseits.
Allah hat die Hölle in Stufen geschaffen. Deshalb wird jeder in
Übereinstimmung mit dem bestraft, was er oder sie getan hat. Es
ist auch eine Tatsache, dass sogar die erste Stufe der Hölle eine
Quelle unerträglicher Qual ist, die ewig währt.
Deshalb sollten jene Menschen, die sagen: 'Es macht
nichts' oder 'Es zählt, was in meinem Herzen ist und nicht, was
ich tue', nochmals über die Hölle nachdenken, ihre Entscheidungen
überprüfen und darauf hören, was ihr Gewissen ihnen sagt.
"Der Quran erwähnt das nicht"
Es gibt unter den Leuten das ernsthafte Missver-ständnis
dass, wenn eine bestimmte Handlung im Quran nicht unmittelbar genannt
ist, es dann richtig sei, sie nach Belieben zu begehen oder zu unterlassen.
Aber etwas nicht zu tun, was im Quran nicht erwähnt ist, während
das Gewissen es als richtig empfindet, ist nichts als Heuchelei.
Der Quran bietet uns all das grundsätzliche Wissen,
um unsere Religion (din) auszuüben und Allahs Wohlgefallen zu finden.
Darüber hinaus trägt der Quran uns auf, dem Beispiel des Propheten
Muhammad (s) zu folgen. Ein weiser und gewissenhafter Mensch wird
sich aufrichtig bemühen, sein Leben nach dieser Rechtleitung zu
leben. Beispiels-weise trägt Allah den Gläubigen im Quran auf, keine
Zeit mit Nutzlosigkeiten zu verschwenden:
Und wenn sie das nichtige Gerde hören, sie sich davon
abwenden, und sie sagen: 'Für uns unsere Taten, und für euch eure
Taten, Frieden über euch, wir suchen nicht nach den Unwissenden.'
(Suratu-l-qasas 28:55)
Und diejenigen, welche sich vom nichtigen Gerede fernhalten.
(Suratu-l-muminun 23:3)
Obwohl der Quran vielleicht nicht im Einzelnen darlegt,
was dieses Nichtige ist, hat Allah Seinen aufrichtigen Knechten
doch Gewissen und Weisheit gegeben, um herauszufinden, was solche
Nutzlosigkeiten sind und sie zu vermeiden. Jeder Mensch ist dafür
selbst verantwortlich.
In der Gesellschaft von Menschen mit sehr begrenztem
Wissen vom din (Religion) wird ein Mensch mit Gewissen nicht eine
auf das Diesseits bezogene Unterhaltung beginnen und solche Themen
wie Allahs Ruhm und die Schönheit des Islam beiseite schieben. Sein
Gewissen wird ihm ganz sicher auftragen, mit seinen Zuhörern so
zu reden, wie es ihrem und seinem Jenseits am nützlichsten ist.
Ein Muslim sollte nie etwas tun, was er für nutzlos für sein Jenseits
hält, wie überflüssige Zeitschriften lesen, sinnlose Fernsehprogramme
anzuschauen oder durch nutzloses Gerde von der Erinnerung an Allah
weggebracht werden.
Im Laufe des Tages ergeben sich für einen oft verschiedene
Alternativen, zwischen denen man zu wählen hat. In solchen Wahlsituationen
entscheidet der Mensch mit seinem Gewissen, was richtig ist. Wer
seinem Gewissen nicht folgt, hält etwas vielleicht nach dem Grundsatz
für richtig 'Es ist im Quran nicht verboten!' Solche Leute sollten
aber wissen, dass sie im Jenseits vielleicht ein böses Schicksal
erwartet, wenn sie nicht so handeln, wie es Allah am meisten zufrieden
stellt, indem sie auf ihr Gewissen hören und dem Beispiel des Gesandten
(s) folgen. Noch wichtiger ist, dass solche Leute am Tag des Gerichts
nicht auf die Entschuldigungen werden zurückgreifen können, die
sie hier im Diesseits gebrauchen. Wie es in verschiedenen Koraversen
heißt, wird an diesem Tag zu jedem Menschen gesagt:
Trage deine Schrift vor, du selbst genügst heute gegen
dich als Berechnender! (Suratu-l-isra 17:14)
Sie sagen: 'Unser Herr, Du hast uns zweimal sterben
lassen, und Du hast uns zweimal Leben gegeben, und wir erkennen
unsere Sünden an, also gibt es zum Herauskommen irgendeinen Weg?'
Dies euch, weil, als einzig zu Allah gerufen wurde, ihr den Glauben
verweigert habt, und als Ihm Mitgötter gegeben wurden, ihr geglaubt
habt, und das Urteil ist Allahs, des Hohen, des Großen. (Sura Ghafir
40:11-12)
"Fast birst sie vor Wut. Jedesmal wenn eine Schar
in sie geworfen wird, fragen ihre Wächter sie: 'Kam nicht zu euch
ein Warner?' Sie sagen: 'Ja doch, es ist schon ein Warner zu uns
gekommen, und wir haben abgeleugnet, und wir haben gesagt: 'Nichts
hat Allah herabgesandt, ihr seid nur in großem Fehlgehen!' Und sie
sagen: 'Wenn wir gehört hätten oder verständig gewesen wären, wären
wir nicht unter den Gefährten des Feuerbrandes.' Also bekennen sie
ihre Sünde, also hinweg mit den Gefährten des Feuerbrandes! (Suratu-l-mulk
67:8-11)
"Jeder andere tut es auch"
Der Mehrheit zu folgen ist einer der größten Fehler
im Leben. Im Unterbewussten nahezu jedes Menschen gibt es aber die
Vorstellung, dass richtig ist, was die Mehrheit tut. Die Mehrheit
kann aber ein sehr oberflächliches und verzerrtes Verständnis vom
Islam haben. Sie sagen vielleicht, dass sie an Allah und das Jenseits
glauben, aber sie denken über die Bedeutung davon nicht nach. Sie
achten religiöse Werte 'nach ihrem eigenen Verständnis', aber bringen
diese Achtung nicht praktisch sondern nur mit Worten zum Ausdruck.
Sie denken, dass die meisten Gebote des Islam in der Vergangenheit
verpflichtend waren, aber es heute nicht mehr sein können. Nach
diesem Verständnis hat jemand, wie wir schon oben sagten, vielleicht
ein 'reines Herz' und niemandem zu schaden genügt für ihn, um 'religiös'
zu sein, und die Verrichtungen des Gottesdienstes können bis ins
hohe Alter verschoben werden.
Jeder in der Umgebung eines Menschen kann ein derart
verzerrtes Verständnis haben, also wäre es nur Selbstbetrug, es
anzunehmen und nicht das eigene Gewissen zu befragen. Es gibt keinen
Beweis, dass die Mehrheit immer recht hat und richtig entscheidet.
Im Gegenteil, Allah spricht im Quran:
Und wenn du der Mehrheit derer folgen würdest, wer
auf der Erde ist, würden sie dich fehlgehen lassen vom Weg Allahs,
sie folgen nichts, nur der Vermutung, und sie, sie mutmaßen nur.
(Suratu-l-an'am 6:116)
Deshalb muß der einzige Maßstab für einen Menschen
im Hinblick darauf, wie er lebt und den Quran umsetzt, das Gewissen
sein.
Wer nach der Anweisung seines Gewissens handelt, achtet
nicht darauf, was die Mehrheit sagt oder tut. Selbst wenn es bedeutet,
allein zu sein, bleibt er dabei, auf sein Gewissen zu hören und
der Schrift Allahs zu folgen.
Die Haltung des "der Mehrheit folgen" stellt eine Gefahr
für jedermann dar. Wenn jemand sich entschlossen hat, das zu tun,
was sein Gewissen vorschreibt, sollten ihn die Haltungen und Meinungen
der anderen um ihn herum nicht betreffen oder von seinem Zweck abbringen.
Jeder von uns ist verantwortlich dafür, das zu tun, was das Gewissen
und der Quran vorschreiben. Man vergesse nicht, dass Allah Seine
Diener prüft. Ein anderer Mensch, der versucht, uns von einer richtigen
Entscheidung abzubringen, die wir getroffen haben, kann durchaus
ein guter Freund sein, den Allah uns treffen lässt, um unsere Entschlusskraft
auf die Probe zu stellen. Im Jenseits aber werden die Leute über
solche Freunde sagen:
Und wehe, wehe mir! Hätte ich mir nicht diesen da zum
innigen Freund genommen, Er hat mich fehlgehen lassen von der Ermahnung,
nachdem sie zu mir kam, und der Teufel lässt den Menschen im Stich.
(Suratu-l-furqan 25:28-29)
"Ich tue es später"
Viele verschieben die Verrichtungen des Gottes-dienstes
wie z.B. die Wallfahrt (hadsch) und regelmäßiges Gebet (salah) auf
das Alter, weil sie bewusst oder unbewusst meinen, dass es sie aller
weltlichen Freuden beraubt, wenn sie sich der islamischen Lebensweise
widmen. Aber Allah sagt an vielen Stellen im Quran, dass Er den
Gläubigen Gunst sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits gewährt:
… und unter den Menschen ist mancher, der sagt: 'Unser
Herr, gib uns in dieser Welt!' - und für ihn gibt es im Jenseits
keinen Anteil. Und unter ihnen ist mancher, der sagt: 'unser Herr,
gib uns in dieser Welt Gutes und im Jenseits Gutes und schütze uns
vor der Strafe des Feuers!' Diese, für sie gibt es einen Anteil
von dem, was sie erworben haben, und Allah ist schnell im Anrechnen.
(Suratu-l-baqara 2:200-202)
Damit jemand die Gunst Allahs wirklich schätzen kann,
muss er Frieden im Herzen haben. Derjenige, dessen Herz in Unruhe
ist, wird keine Freude an den zahlreichen Segnungen Allahs um sich
herum haben oder sie nicht einmal erkennen. Leute, die sagen: 'Ich
mache das später!' wissen wohl von der Rechtleitung und wissen,
dass sie ihr ganzes Leben entsprechend neu einrichten müssen, wenn
sie anfangen, den Anweisungen des Gewissens zu folgen. Sie wissen,
dass die Stimme des Gewissens noch schwerwiegender sein wird, wenn
sie anfangen, regelmäßig ihr Gebet zu verrichten, und dass sie sich
der bösen Taten schämen werden, die sie vollbringen. Im Quran wird
gesagt, dass das Gebet die Menschen rechtleitet:
Verlies, was dir offenbart wurde von der Schrift und
richte das Gebet ein, das Gebet hält ja ab vom Abscheulichen und
vom Verwerflichen, und bestimmt ist Allah Eingedenksein größer,
und Allah weiß, was ihr fertigbringt. (Suratu-l-ankabut 29:45)
Weil die Leute das verstehen, versuchen sie sich der
gewissensbezogenen Verantwortungen zu entziehen, die durch die Verrichtungen
des Gottesdienstes entstehen und sagen zur Entschuldigung: 'Wenn
ich geheiratet habe, wenn ich mehr Geld verdient habe, wenn meine
Kinder groß geworden sind …' usw. Aber am Tag des Rechenschaftablegens
wird Allah dem Menschen das gegenüberstellen, was er aufgeschoben
hat:
Bei deinem Herrn wird an diesem Tag geblieben! Es wird
dem Menschen kundgetan an diesem Tag, was er vorausgeschickt und
aufgeschoben hat. (Suratu-l-qijama 75:12-13)
Das Aufschieben ist eine Eigenschaft derjenigen, die
nicht an den Tod und nicht daran denken, wie nahe er ist. Wir wissen
nicht, wann, wo und wie wir sterben werden. Wir wissen auch alle,
dass der Tod nicht nur zu alten Leuten kommt. Viele Menschen unterschiedlichen
Alters sterben aus verschiedenen Gründen, viele ganz plötzlich und
unerwartet. Während Du dieses Buch allein für Dich zu Hause liest,
kommst du Dir vielleicht sehr sicher und geschützt vor, aber ein
Sturz auf der Treppe, ein Unfall im Haus oder ein Herz-infarkt kann
Deinen Tod jeden Augenblick verursachen. Wie ist es möglich, angesichts
dieses Wissens so großzügig aufzuschieben, was das Gewissen verlangt?
Allah sagt, dass jeder Mensch, wenn er den Engel des Todes sieht,
tiefe Reue wegen dem verspürt, was er aufgeschoben hat, und sagen
wird: 'Ich wünschte, ich hätte dies und das getan!' Das ist eine
untröstliche Reue, bei der es kein Zurück mehr gibt:
Und an dem Tag, an dem der Unrechthandelnde seine beiden
Hände beißt, - er sagt: 'Wehe mir! Hätte ich mir mit den Gesandten
einen Weg genommen, Und wehe, wehe mir! Hätte ich mir nicht diesen
da zum innigen Freund genommen, Er hat mich fehlgehen lassen von
der Ermahnung, nachdem sie zu mir kam … (Suratu-l-furqan 25:27-29)
Dass Allah Böses nicht unmittelbar bestraft verleitet
manche Menschen zu der falschen Annahme, dass sie viel Zeit haben,
gut zu machen, was sie getan und versäumt haben. Würde Allah jede
böse Tat in dem Moment bestrafen, in dem sie begangen wird, dann
würde keiner mehr etwas Falsches tun. Aber das Aufschieben der Strafe
ist eine Prüfung, bei der sich herausstellt, wer der Rechtschaffenheit
Folge leistet, wer bereut und sich bessert, und wer fortfährt, falsch
zu handeln. Dass Allah uns diese Gelegenheit gegeben hat, uns im
Leben zu bessern, ist ein Ausdruck Seiner ewigen Gnade. In einem
Quranvers heißt es:
"Und wenn Allah die Menschen für das herannehmen würde,
was sie erworben haben, Er würde auf ihrem Rücken (d.h. dem Rücken
der Erde) kein Lebewesen übriglassen, aber Er gibt ihnen Aufschub
bis zu einer festgesetzten Frist, und wenn ihre Frist kommt, so
hat Allah ja Seine Knechte im Blick." (Suratu-l-fatir 35:45)
Die Menschen sollten sich nicht durch die Tatsache
täuschen lassen, dass Allah böse Taten nicht sofort vergilt, denn
es ist sicher, dass sie im Jenseits sorgfältigst beglichen werden.
Allah beschreibt diesen Zustand:
… und sie sagen zu sich selber: 'Warum straft uns nicht
Allah für das, was wir sagen?' Genug für sie ist die Hölle, sie
braten in ihr, und wie schlecht ist das endgültige Sein! (Suratu-l-mudschadila
58:8)
Wer es vermeidet, über das Jenseits nachzudenken, versucht
vielleicht sein Gewissen mit verschiedenen Entschuldigungen und
Lüge zu beruhigen, aber am Tag des Rechenschaftablegens wird keine
Entschul-digung angenommen. Sich selbst zu betrügen bringt vielleicht
vorübergehende Beruhigung und hilft, der Wirklichkeit zu entkommen,
aber nur für kurze Zeit. Doch es gibt etwas, das die Leute vergessen,
wie es im Quran heißt:
Und es sagen diejenigen, denen das Wissen gegeben wurde
und der Glauben: 'Ihr habt schon nach Allahs Schrift, bis zum Tag
der Auferweckung verweilt, und dies ist der Tag der Auferweckung,
aber ihr habt es nicht gewusst.' Und an diesem Tag nützt denjenigen,
die Unrecht gehandelt haben, ihre Entschuldigung nicht, und sie
werden nicht nach Umkehr gefragt. (Suratu-rum 30:56-57)
Das Ende derjenigen, die ihr Gewissen mit verschiedenen
Entschuldigungen zum Verstummen bringen, ist wie folgt beschrieben:
An dem Tag nützt den Unrechthandelnden ihre Entschuldigung
nichts, und für sie ist der Fluch, und für sie das Böse der Heimstätte.
(Sura ghafir 40:52)
Diese
Webseite basiert auf den Arbeiten von ADEM YAKUP.