Das Gewissen ist eine geistige Eigenschaft, die den
Menschen zu gutem Verhalten und guten Gedanken veranlasst, ihm hilft,
recht zu denken und falsch und richtig zu unterscheiden. Einer der
bedeutenden Aspekte des Gewissens besteht darin, dass alle Menschen
es haben. Anders gesagt, was ein Mensch seinem Gewissen nach als
richtig empfindet, das wird auch von anderen so empfunden, sofern
die selben Voraussetzungen gegeben sind. Das Gewissen eines Menschen
überwirft sich nicht mit dem eines anderen. Der Grund dafür liegt
in der Quelle des Gewissens: Eingebung von Allah. Durch das Gewissen
lässt uns Allah das beste und schönste Verhalten erkennen, das Ihn
zufrieden stellt, wenn wir es annehmen.
Dass es sich beim Gewissen um Eingebung von Allah handelt,
wird im Quran in der Sure asch-schams gesagt:
Bei ... einer Seele, und was sie ebengestaltet hat,
und ihr eingegeben hat ihre Schamlosigkeit und ihre Gottesfurcht.
Es hat schon Erfolg, wer sie läutert, und es ist schon gescheitert,
wer sie verdeckt ... (Suratu-schams 91:7-10)
In diesem Quranvers erklärt Allah, dass Er der Seele
Schamlosigkeit eingegeben hat (d.h. die Möglichkeit, auf sündhafte
Weise zu handeln, ungehorsam zu sein, abzuweichen, zu lügen, sich
vom Rechtschaffenen abzukehren, Schaden zu verursachen, vom guten
Verhalten abzugehen). Das Gegenteil davon ist "taqwa", Gottesfurcht
(d.h. Ehrfurcht vor Allah, die den Menschen anregt, auf der Hut
zu sein vor falschem Handeln und begierig auf Handeln, das Allah
zufrieden stellt). Es ist genau dieses Gewissen, das den Menschen
dazu bringt, sich vor schlechten Taten zu hüten und den richtigen
Weg zu suchen.
Eine der bedeutendsten Eigenschaften des Gewissens
ist, dass es dem Menschen dazu verhilft, selbst das Richtige herauszufinden.
Dies soll in den folgenden Kapiteln noch näher erläutert werden.
Das Gewissen zeigt dem Menschen jedenfalls, was richtig ist, selbst
wenn niemand sonst es tut. Allerdings kommt es darauf an, dass der
Mensch sich an sein eigenes Gewissen hält, darauf hört, was es sagt
und danach handelt. So gesehen kann man auch sagen, dass das Gewissen
der Hauptbestandteil der Religion ist.
Von all dem abgesehen muss eine Sache beachtet werden:
Jeder Mensch ist, von dem Zeitpunkt an, zu dem er sein Bewusstsein
erlangt, verantwortlich für das, was Allah ihm eingibt und was sein
Gewissen ihm gesagt. Von dem Zeitpunkt an, zu dem er das Geschehen
um sich herum wahrnimmt und imstande ist, selbst zu urteilen, wird
von ihm erwartet, dass er über die Fähigkeit verfügt und sie ausüben
kann, die Stimme des Gewissens zu hören und zu erkennen, und den
Willen zu haben, ihr zu folgen. Von diesem Zeitpunkt an wird er
nach den Taten befragt, die er im Laufe seines Lebens begeht. Wenn
er seinem Gewissen folgt, wird er mit ewigem Leben in Allahs Paradies
belohnt. Folgt er aber seinem eigenen Ich, geht er auf eine ewig
verschlossene Feuergrube zu.
HINWEISE AUF ALLAHS DASEIN DURCH DAS
GEWISSEN ERKENNBAR
Das erste, was ein Mensch tun wird, der seinem Gewissen
folgt, ist es, die Dinge um sich herum zu hinterfragen und zu untersuchen.
Ein Mensch mit gutem Wahrnehmungsvermögen erkennt leicht, dass er
in einer Welt lebt, die fehlerlos geschaffen und in ein vollkommenes
Universum einbezogen ist.
Lass uns einen Moment über die Umgebung und die Voraussetzungen,
unter denen wir leben, nachdenken. Wir leben in einer Welt die auf
feinste Weise geplant und mit allen möglichen Einzelheiten gestaltet
ist. Schon allein die Abläufe im Körper des Menschen sind überwältigend
in ihrer Vollkommenheit. Während Du dieses Buch liest, schlägt Dein
Herz ununterbrochen, ohne Fehl, Deine Haut erneuert sich, Deine
Lungen reinigen die Luft, die du einatmest, Deine Leber entschlackt
Dein Blut und Millionen von Proteinen werden in jeder Sekunde in
Deinen Zellen zusammengefügt, um den Fortgang des Lebens zu sichern.
Der Mensch lebt in Unkenntnis von Tausen-den anderer Vorgänge, die
in ihm selbst ablaufen und erkennt manche von ihnen nicht einmal.
Und darüber hinaus gibt es die Sonne, Millionen von
Kilometern von unserer Erde entfernt, die für Licht, Wärme und Energie
sorgt, die wir benötigen. Die Entfernung zwischen Sonne und Erde
ist so genau ausgeglichen, dass diese Energiequelle die Erde weder
verbrennt noch zum Kältetod führt.
Wenn wir zum Himmel aufschauen, erkennen wir, von seiner
Schönheit ganz abgesehen, dass auch die Luftmassen um die Erde herum
die Menschen und alle anderen Wesen vor möglichen äußeren Gefahren
schützen. Gäbe es die Atmosphäre nicht, dann gäbe es auch auf der
Erde kein einziges Lebewesen.
Ein Mensch, der diese Dinge eins um das andere betrachtet,
wird früher oder später auch danach fragen, wie er selbst und das
Universum, in dem er lebt, entstanden sind und Bestand haben. Wenn
er dies erforscht, bieten sich ihm zwei mögliche Erklärungen.
Die eine dieser Erklärungen sagt uns, dass das gesamte
Universum, Planeten, Sterne und alle Lebe-wesen von selbst auf Grund
einer Reihe von Zufällen entstanden. Sie behauptet, dass freie Atome,
kleinste Materieteilchen, zufällig zusammentrafen und zu Zellen
wurden, zu Menschen, Tieren, Pflanzen, Sternen und all den fehlerlosen
und ausgesprochen komplexen Strukturen und Systemen, die uns umgeben
und in Erstaunen versetzen.
Die andere Erklärung sagt uns, dass alles, das wir
sehen, von einem Schöpfer erschaffen wurde, der überlegenes Wissen
und Macht über alles besitzt, dass überhaupt gar nichts einfach
aufgrund von Zufall entstanden sein kann, und dass alle Systeme
um uns herum von einem Schöpfer geplant und gestaltet sind. Dieser
Schöpfer ist Allah.
Hier müssen wir auf unser eigenes Gewissen zurückgreifen,
um zu entscheiden. Ist es möglich, dass solch vollkommene und detaillierte
Systeme zufällig entstanden und trotzdem in solch harmonischer Weise
funktionieren?
Jedermann, der sich hier an sein Gewissen hält, kann
begreifen, dass alles im Universum einen Schöpfer hat, and dass
dieser Schöpfer von höchster Weisheit ist und Macht über alles hat.
Alles um uns herum trägt die erkennbaren Hinweise auf Allah. Das
vollkommene Gleichgewicht und die Harmonie des Universums und der
Lebewesen darin sind die deutlichsten Anzeichen eines höchsten Bewusstseins.
Dieser Beweis ist klar, einfach und unbestreitbar. Unser Gewissen
hat keine andere Wahl als anzuerkennen, dass all dies das Werk Allahs
ist, des einen und einzigen Schöpfers.
Allerdings kann jemand, der hier nicht auf sein eigenes
Gewissen zurückgreift, nicht zur selben Er-kenntnis kommen. Diese
Erkenntnis entsteht durch Weisheit, und Weisheit ist eine spirituelle
Eigenschaft, die nur dann entsteht, wenn man seinem Gewissen folgt.
Jegliche Haltung in Übereinstimmung mit dem Gewissen trägt dazu
bei, Weisheit zu erlangen und zu entwickeln. Hier muss allerdings
der Definition von Weisheit besondere Aufmerksamkeit zukommen. Entgegen
dem üblichen Gebrauch ist Weisheit ein von Intelligenz zu unterscheidender
Begriff. Ein Mensch, gleich wie intelligent und wissensreich ist,
bleibt dennoch unweise, wenn er sich nicht auf sein Gewissen bezieht,
und kann die Tatsachen, denen er begegnet, nicht wirklich sehen
und verstehen. Ein Beispiel kann den Unterschied zwischen Intelligenz
und durch das Gewissen erlangte Weisheit verdeutlichen. Ein Wissen-schaftler
beschäftigt sich über Jahre mit der Zellfor-schung. Er ist möglicherweise
sogar der beste auf seinem Gebiet. Wenn es ihm aber an Weisheit
und Gewissen fehlt, wird er sich nur auf Bruchstücke von Wissen
stützen. Er kann diese Bruchstücke nicht zu einem Ganzen zusammenfügen.
Mit anderen Worten, er kann nicht die richtigen Schlüsse aus diesem
Wissen ziehen.
Ein Mensch mit Weisheit und Gewissen hingegen erkennt
die wunderbaren Aspekte und vollkommenen Details einer Zelle und
erkennt die Handschrift eines Schöpfers, eines Gestalters mit höchster
Weisheit. Wenn ein Mensch mit Bezug auf sein Gewissen denkt, kommt
er zu diesem Schluss: Die Macht, die eine Zelle in solcher Vollkommenheit
schafft, muss auch der Schöpfer von all dem anderen Lebenden und
Un-belebten sein.
Im Quran gibt es das Beispiel des Propheten Abraham
(a.s.), der zu Allah fand, indem er auf sein Gewissen hörte:
Und als die Nacht über ihm dunkel wurde, sah er ein
Gestirn. Er sagte: 'Dies ist mein Herr!', und als es niederging,
sagte er: 'Ich liebe nicht die Nieder-gehenden!' Und als er den
Mond hervorkommen sah, sagte er: 'Dies ist mein Herr!', und als
er niederging, sagte er: 'Wenn mich nicht mein Herr rechtleitet,
bin ich ganz bestimmt einer von den fehlgehenden Leuten!' Und als
er die Sonne hervorkommen sah, sagte er: 'Dies ist mein Herr, dies
ist größer', und als sie niederging, sagte er: 'Mein Volk, ich bin
losgesagt von dem, was ihr an Mitgöttern gebt. Ich wende ja mein
Antlitz zu dem, der die Himmel und die Erde hervorgebracht hat,
als Rechtgläubiger, und ich bin nicht einer von den Mitgöttergebenden.'
(Suratu-l-an'am 6:76-79)
In diesen Versen kann man sehen, wie der Prophet Abraham
durch Weisheit zu Allah fand. Aufgrund seines Gewissens erkannte
er, dass all das, was er um sich herum sah, nur Geschaffenes sein
konnte, und dass der Schöpfer weit über den Geschöpfen steht. Jeder
Mensch, der sich auf sein Gewissen bezieht, wird diese Tatsache
einsehen, selbst wenn kein anderer da ist, der ihm davon berichtet.
Jeder Mensch, der aufrichtig denkt, ohne sich von seinen eigenen
Gefühlen leiten zu lassen und nur mit Bezug auf das Gewissen, kann
Allahs Dasein und Allahs Ruhm erkennen.
Wenn sich jemand weigert, die einfachen Tatsachen vor
seinen Augen anzuerkennen und so handelt, als ob sie nicht da sind,
erniedrigt sich dieser Mensch trotz seiner Intelligenz selbst. Der
Grund, warum jemand, der das Richtige aufgrund seines Gewissens
weiß, es dennoch nicht anerkennen will, besteht darin, dass dieses
Richtige mit seinen persönlichen Interessen im Konflikt steht. Wenn
ein Mensch das Dasein Allahs anerkennt, bedeutet dies die Anerkennung
eines Wesens, das weit über ihm steht und dem er sich zu ergeben
hat, auf das er dringendst angewiesen ist und dem gegenüber er verantwortlich
ist.
Nehmen wir ein bekanntes Beispiel dafür, wie ein verschlossenes
Gewissen einen Menschen trotz seiner Intelligenz und seines Wissens
hintergehen kann. Francis Crick ist einer der beiden Wissenschaftler,
der in den 1950'er Jahren die Struktur der DNA entdeckte. Das war
zweifellos eine der bedeutendsten Ent-deckungen der Wissenschaftsgeschichte.
Es bedurfte genauester Forschungsarbeit, beträchtliches Wissen und
zweifellos Intelligenz. Als Ergebnis all dieser Arbeit erhielt dieser
"Wissenschaftler" den Nobelpreis.
Während seiner Forschungen erstaunte die Struktur der
Zelle und ihr verborgenes Design Francis Crick so sehr, dass er,
obwohl er ein leidenschaftlicher Anhänger der Evolutionstheorie
war, in seinem Buch folgendes erwähnt:
Ein ehrlicher Mensch, ausgerüstet mit allem uns bekannten
Wissen, könnte nur feststellen, dass in gewissem Sinn der Ursprung
des Lebens im Moment fast wie ein Wunder erscheint angesichts so
vieler Bedingungen, die erfüllt sein müssten, damit es beginnt.
(Francis Crick, Life Itself: Its Origin an Nature, New York, Simon
& Schuster, 1981, S. 88)
Als Crick, der an die Evolutionstheorie und die Idee
glaubte, dass das Leben aufgrund eines Zufalls entstanden sei, die
Einzelheiten in der Zelle sah, schrieb er die obigen Zeilen und
hielt fest, das eine Zelle unmöglich zufällig entstanden, sondern
nur ein Wunder sein könne. Anhänger der Evolutionstheorie nehmen
indes keine andere Erklärung als die des Zufalls an, denn sonst
müssten sie das Dasein Allahs anerkennen. Crick war von der Vollkommenheit
und Ganzheitlichkeit der Zelle so beeindruckt, dass er, obwohl er
eine andere Ideologie vertrat, sein Erstaunen zugeben musste. Aber
Crick konnte seinem Gewissen nicht sehr lange folgen, und er sagte,
er könne das Dasein Gottes nicht akzeptieren, so dass diese ganze
Gestaltung, die höhere Weisheit voraussetzt und keinesfalls mit
dem Zufall erklärbar ist, nicht durch Gott, sondern durch 'Außerirdische'
erfolgt sei. Mit anderen Worten, es sollen die Außerirdischen gewesen
sein, die das Leben schufen. Außerirdische sollen die erste DNS-Probe
in die Welt gebracht und damit das Leben begonnen haben! Das ist
ein typisches Beispiel dafür, was passiert, wenn ein Mensch, gleich
wie intelligent und wissensreich er sein mag, sein Gewissen einsperrt
und unterdrückt. Dieser Nobelpreisträger hat sein Gewissen dermaßen
hintergangen, dass er nicht einmal überdachte, wie ein Außerirdischer,
der angeblich eine derartig überlegene Gestaltung hervorbrachte,
denn selbst entstanden war.
Ein bekannter amerikanischer Biochemieprofessor, Michael
J. Behe, erklärt, ohne das Wort Gewissen selbst zu verwenden, die
Situation dieser Wissenschaftler, die ihr eigenes Gewissen hintergehen:
In den letzten vier Jahrzehnten hat die moderne Biochemie
die Geheimnisse der Zelle aufgedeckt. Es bedurfte zehntausender
Forscher, die einen großen Teil ihres Lebens langwieriger Laborarbeit
widmeten... Das Ergebnis dieser kollektiven Bemühungen, die Zelle
zu erforschen - d.h., das Leben im molekularen Bereich zu entdecken
- ist ein lauter, deutlicher, durchdringender Schrei des "Designs"!
Das Resultat ist so eindeutig und so bedeutend, dass es als eine
der größten Errungenschaften in der Geschichte der Wissenschaft
betrachtet werden muss... Statt dessen umgibt eine merkwürdige,
verlegene Stille die außerordentliche Komplexität der Zelle. Warum
stürzt sich die wissenschaftliche Gemeinschaft nicht gierig auf
diese sensationelle Entdeckung? Warum wird die Beobachtung des Designs
mit intellektuellen Handschuhen angefasst? Das Dilemma liegt darin,
dass die eine Seite des Elefanten mit "intelligentes Design" beschriftet
ist, während die andere Seite die Urheberreferenz - Gott - enthalten
muss. (Michael J. Behe, Darwin's Black Box, New York, Free Press
1996, S. 232-233)
Die Zeichen des Daseins Allahs sind sehr deutlich und
für jedermann erkennbar zu sehen. Es ist eine offenkundliche Wahrheit,
dass der Schöpfer der im Universum vorherrschenden Gestaltung Allah
ist. Manche, die Allahs Dasein verwerfen, tun dies nicht, weil sie
nicht wirklich an ihn glauben, sondern weil sie den Moralkodex umgehen
möchten, den sie als Gläubige beachten müssten. Jeder Mensch weiß
in seinem Gewissen um das Dasein und die ewige Macht Allahs. Aber
wer das Dasein Allahs anerkennt und Seine Macht wahrnimmt, weiß
auch, dass er Ihm gegenüber verantwortlich ist, und dass er Seinen
Regeln zu folgen und um Seinetwillen zu leben hat. Wer auf Ablehnung
beharrt, obwohl er diese Tatsachen kennt, tut dies, weil diese großartige
Tatsache anzunehmen nicht mit seinen eigenen Interessen und dem
Überlegenheitsgefühl in seinem Inneren übereinstimmt. Im Quran werden
solche Menschen in der Sure an-naml beschrieben:
Und sie bestritten sie, und sie waren selbst überzeugt
davon in Unrecht und Überheblichkeit, also sieh, wie das endgültige
Ende der Unheilstifter war. (Suratu-naml 27:14)
Die im Quran berichteten Ereignisse zwischen dem Propheten
Abraham (a.s.) und seinem Volk stellen ein sehr gutes Beispiel dar.
Der Prophet Abraham verehrte Mitgötter. Es ist wichtig festzuhalten,
dass hier im Quran der Ausdruck "Mitgötter" alle die Kräfte einbezieht,
an die Menschen ausser an Allah glauben. Es wäre falsch zu denken,
dass Mitgöttergebende nur solche Menschen sind, die Figuren verehren.
Wie im Falle der Anhänger der Evolutionstheorie, die Atome, Zeitfaktor
und Zufall als die Ursachen des Lebens ansehen, bedeutet es vielmehr,
Atome, Zeitfaktor und Zufall als Mitgötter anzunehmen. Aber weder
der Zeitfaktor noch der Zufall können überhaupt mächtig genug sein,
um Leben zu schaffen. Nur Allah allein hat diese Macht. Nach den
obigen Ereignissen zerstörte der Prophet Abraham die Götzen, um
seinem Volk zu zeigen, dass die Figuren, die sie verehrten, nur
gewöhnliche Gegenstände waren, die keine Macht über irgend etwas
haben. Im Quran ist es folgendermaßen beschrieben:
Er sagte: 'Vielmehr ist euer Herr der Herr der
Himmel und der Erde, der sie hervorgebracht hat, und ich bin euch
dafür einer von den Zeugen, und bei Allah, ganz bestimmt unternehme
ich etwas gegen eure Götzenfiguren, nachdem ihr den Rücken abkehrt.'
Also machte er sie zu Stücken, außer einen großen
von ihnen, damit sie vielleicht auf ihn zurückkommen würden.
Sie sagten: 'Wer hat das gemacht mit unseren Göttern?
Er ist ja bestimmt einer von den Unrechthandelnden.'
Sie sagten: 'Wir haben einen jungen Mann gehört,
er erwähnte sie, er wird Abraham genannt.'
Sie sagten: 'Also bringt ihn vor die Augen der
Leute, damit sie vielleicht Zeugen sind.'
Sie sagten: 'Hast du das gemacht mit unseren Göttern,
Abraham?'
Er sagte: 'Vielmehr hat es ihr großer gemacht,
dieser, also fragt sie, wenn sie sich äußern.' (Suratu-l-anbija
21:56-63)
So sahen die Glaubensverweigerer, dass die Götzenfiguren,
die sie verehrt hatten, auf ihre Rufe nicht antworten konnten. Sie
waren ohnmächtige Bildnisse, denen sogar die Macht fehlte, sich
selbst zu verteidigen, ganz zu schweigen davon, etwas zu schaffen.
Also wandten sie sich an ihr Gewissen:
Da kehrten sie sich zu sich selbst und sagten: 'Ihr
- ihr seid die Unrechthandelnden!' (Suratu-l-anbija 21:64)
Doch es dauerte nicht lange, bis sie zu ihrer ursprünglichen
Haltung zurückkehrten. Hochmütig und arrogant leugneten sie, worauf
sie ihrem Gewissen nach gekommen waren. Doch dann fielen sie zurück
in ihre Glaubensverweigerung.
Dann wurden sie wieder umgekehrter Ansicht: 'Du hast
schon gewusst, diese äußern sich nicht.' Er sagte: 'Dient ihr anstelle
Allahs dem, was euch nichts nützt und euch keinen Schaden antut?
Missbilligung für euch und für das, dem ihr dient anstelle Allahs!
Also habt ihr keinen Verstand?' (Suratu-l-anbija 21:65-67)
Nachdem ihnen ihr Gewissen offengelegt worden war,
sind die Glaubensverweigerer bestürzt und lehnen ab, was ihr Gewissen
akzeptiert hatte. Um die Wahrheit nicht anzunehmen, verspüren sie
einen intensiven Hass gegen jene, die ihnen die Wahrheit klarmachen,
und sie nehmen sogar den Versuch auf sich, die Gesandten zu ermorden,
um ihre falschen Glaubensvorstellungen zu retten.
Sie sagten: 'Verbrennt ihn und helft euren Göttern,
wenn ihr etwas tut.' (Suratu-l-anbija 21:68)
Diese Situation betrifft nicht nur einen gewissen Teil
der Gesellschaft, sondern gilt allgemein für viele Menschen. Jemand
ist vielleicht ein ausgezeichneter Wissenschaftler, der vielerlei
entdeckt hat. Oder er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann oder ein
Künstler, er ist vielleicht auch wohlhabend, gebildet und intelligent.
Aber statt sein Gewissen damit zu befassen, an Allah zu denken,
Seine Macht und Sein Können zu rühmen und Ihm für die Gelegenheit
zu danken, diese Dinge sehen und verstehen zu können, wird er nur
stolz und angeberisch wegen seiner Intelligenz und seiner Entdeckungen
und des Geldes, das er verdient hat. Er denkt nicht daran, dass
ihm das alles nichts nützt, wenn er stirbt.
Sogar die Namen vieler Menschen, die zu ihrer Zeit
berühmt waren wegen ihrer Entdeckungen, ihres Reichtums oder der
großen Staaten, die sie regierten, sind lange vergessen. Selbst
wenn man sich an sie erinnert, nützt das dem Menschen, der gestorben
ist, nichts. Diese Menschen haben nicht auf Allahs Anweisungen geachtet
und auch Seine Macht und die Gunst, die Er ihnen gewährte, nicht
anerkannt. Solche Menschen sind fehlgegangen, weil ihre Herzen versiegelt
und ihre Gewissen verhüllt waren. Im Quran beschreibt Allah diejenigen,
die Seine Gebote überschreiten, weil sie ihren eigenen Interessen
und Begierden folgen:
Und hast du den gesehen, der als seinen Gott seine
eigene Laune nimmt, und Allah lässt ihn fehlgehen, wissensgemäß,
und siegelt über sein Hören und sein Herz, und Er gibt über seine
Blicke eine Bedeckung, und wer leitet ihn recht, nach Allah? Also
lassen sie sich nicht erinnern?
Und sie sagen: 'Es gibt nichts außer unserem Leben
in dieser Welt, wir sterben und wir leben, und es vernichtet uns
nur die verlaufende Zeit', und sie haben über dies kein Wissen,
sie vermuten nur. (Suratu-l-dschathija 45:23-24)
Wie dieser Vers zeigt, werden diejenigen Menschen als
taub und blind beschrieben, die ihr Gewissen missachten, während
sie ihrem eigenen Ego Raum geben und wegen der Eigenschaften, die
sie haben, Gottes Gebote übertreten. Dass ihre Herzen versiegelt
sind, sagt uns, dass sie kein Verständnis haben, d.h. sie können
weder ihre Weisheit einbringen noch zwischen richtig und falsch
unterscheiden. Der einzige Grund, weshalb sie in eine solche Lage
kommen, ist, dass sie ihrem Gewissen nicht folgen.
SOLCHE DIE NACHFRAGEN UND SOLCHE
DIE IGNORIEREN
Bis jetzt haben wir davon gesprochen, wie ein Mensch
mit Gewissen Bewusstsein vom Dasein Allahs erlangen kann, selbst
wenn ihm darüber nichts beigebracht wurde. Wer mit Hilfe seines
Gewissens versteht, dass ein Schöpfer existiert, wird zu dem Schluss
kommen, dass wenn Allah ein derart fehlerloses Universum geschaffen
und dem Menschen ein Gewissen gegeben hat, um zu begreifen, Er ihn
nicht unnütz belässt. Er wird ganz sicher irgendeine Form der Kommunikation
mit diesen intelligenten Wesen eingerichtet haben, die Er geschaffen
hat und Sich ihnen bekannt gemacht haben. Darüber hinaus wird Allah,
der alles schuf, sie ganz sicher zu einem Zweck geschaffen und ihnen
diesen Zweck mitgeteilt haben. Ein Mensch, der seinem Gewissen folgt,
wird ein großes Verlangen danach verspüren, über seinen Schöpfer
Bescheid zu wissen, der ihn und das gesamte Universum geschaffen
hat. Dieses Verlangen wird sogar zu seinem einzigen Lebenszweck.
Er begreift, dass er auf Allah angewiesen ist, der ihn aus dem Nichts
geschaffen und ihm Leben gegeben hat, als er nichts war, und dass
alle Macht Allah gehört.
Er begreift auch, dass Allah alles zu einem Zweck erschaffen
hat. Alles hat seine Aufgabe. Der Himmel ist wie eine Decke, die
unseren Planet schützt. Die Zellen bilden das Leben, der Regen bringt
Segen, die Sonne ist Quelle von Licht und Wärme für die Welt. Sie
wurde zu einem so bedeutenden Zweck geschaffen, dass es ohne sie
kein Leben gäbe. Kurz gesagt, der Mensch kann einsehen, dass alles,
was wir hier aufzählen und nicht aufzählen können, zu einem besonderen
Zweck erschaffen ist. Da fragt sich der Mensch: "Wenn ich in eine
solch vollkommene und fehlerlose Welt hineingeschaffen bin und nach
kurzer Zeit sterbe, was ist dann der Zweck meines hiesigen Daseins?"
Und er sucht nach einer Antwort auf diese Frage.
Er ist mit den Bruchstücken, die er von anderen gehört
hat, nicht zufrieden. Er will Allah kennen, wissen, was Allah von
ihm will, und den Zweck seiner Erschaffung erfahren. Er versteht
mit Hilfe seines Gewissens, dass Informationen, die von anderen
Menschen kommen, unvollständig oder irreführend sein können. Meist
widersprechen sich die Aussagen von Leuten und sind voller Ungereimtheiten.
So kommt er ganz natürlich zu der Ansicht, die beste Anleitung um
zu Allah zu gelangen, ist die Offenbarung von Allah. Folglich nimmt
er den Quran, die letzte Schrift, die Allah offenbarte und die Er
schützt, als Anleitung.
Diejenigen, die den Quran ignorieren, folgen ihrem
Gewissen nicht
Wie viele Menschen auf der Erde haben den Quran nie
gelesen und sich nie darüber Gedanken gemacht? Allah hat den Menschen
eine Schrift gesandt, die sie vor warnt, dass sie nach ihrem Tod
darüber befragt werden, ob sie das, was in dieser Schrift steht,
beachtet haben oder nicht. Das Ergebnis führt sie entweder zum Paradies
oder zur Hölle. Selbst wenn manche Leute das nicht begreifen, indem
sie ihrem Gewissen folgen, haben sie doch davon gehört und wissen
davon. Dennoch lesen sie den Quran nicht. Sie fragen nicht einmal
danach, was in der Schrift geschrieben steht, nach der sie am Tag
des Gerichts verantwortlich gemacht werden.
Jemand bekommt beispielsweise einen Brief von seiner
Arbeitsstelle oder Schule in einem Umschlag, auf dem zu lesen ist:
Von größter Wichtigkeit für Ihre Karriere oder Bildung! Er wird
aufgefordert, diesen Brief zu lesen und die darin gestellten Anforderungen
bis zu einem bestimmten Datum zu erfüllen. Was wird er tun? Wird
er den Brief einfach an die Wand heften, ohne ihn überhaupt zu lesen,
oder einfach in eine Schublade legen, oder ihn lesen aber ignorieren,
was darin steht?
Seine Weisheit und sein gesunder Menschenver-stand
sagen ihm eindeutig, diesen Brief zu lesen. Aber die meisten Menschen
rühren wegen der Achtlosig-keit, in der sie sich befinden, keinen
Finger, um die allerwichtigste Schrift zu lesen, die es gibt: die
Bot-schaft Allahs an Seine Menschen.
Die Tatsache, dass die Leute die Schrift, die Allah
gesandt hat, ignorieren, wird im Quran wie folgt geschildert:
Und der Gesandte hat gesagt: 'Mein Herr, mein Volk
nimmt diesen Quran als bedeutungslos.' (Suratu-l-furqan 25:30)
Und als zu ihnen ein Gesandter von Allah kam, eine
Bestätigung für das, was bei ihnen ist, verwarf ein Teil von denjenigen,
denen die Schrift gegeben wurde, die Schrift Allahs hinter ihre
Rücken, als ob sie sie nicht kennen. (Suratu-l-baqara 2:101)
In diesem Vers verweist der Ausdruck "als ob sie sie
nicht kennen" darauf, dass die Leute die Schrift Allahs ignorieren,
obwohl sie sie kennen. Jeder weiß tief in seinem Gewissen, dass
er den Quran zu lesen und anzuwenden hat, aber die Mehrheit ignoriert
ihn. Der Grund dafür ist, dass die Leute ihrem Gewissen nicht folgen.
GEWISSEN UND QURAN ZEIGEN DEM MENSCHEN DEN
WAHREN SINN DES LEBENS
Und habt ihr damit gerechnet, dass Wir euch überflüssigerweise
geschaffen haben, und dass ihr nicht zu Uns zurückkehrt? (Suratu-l-muminun
23:115)
Ein Mensch, der mit Hilfe seines Gewissens denkt, wird
über den Sinn seines Lebens nachdenken und im Laufe seiner Suche
nach der Antwort sich natürlicherweise dem Quran, Allahs Offenbarung,
zuwenden. Wenn jemand beabsichtigt, den Quran zu lesen, ist es von
größter Wichtigkeit, dass sein Gewissen offen bleibt und dass er
jeden Vers mit großer Aufrichtigkeit liest, mit der Absicht, das
Gelesene anzuwenden und danach zu leben. Wer den Quran liest, wird
die Antwort auf die Frage nach dem Sinn seiner Erschaffung finden.
Im Quran wird dieser Sinn wie folgt beschrieben:
Und Ich habe die Dschinn und die Menschheit zu nichts
sonst geschaffen, außer dass sie Mir dienen, Ich möchte von ihnen
keine Versorgung, und Ich möchte nicht, dass sie Mich speisen! Ja,
Allah, Er ist der Versorger, voller fester Kraft. (Suratu-l-dsarijat
51:56-58)
Der Zweck des Menschenlebens auf dieser Erde ist, dass
der Mensch geprüft wird:
Derjenige, der das Sterben und das Leben geschaffen
hat, damit Er euch prüft, welcher von euch am besten ist im Tun,
und Er ist der Mächtige, der Verzeihende. (Suratu-l-mulk 67:2)
Wir haben ja, was auf der Erde ist, als Schmuck
für sie gemacht, damit Wir sie prüfen, welcher von ihnen am besten
handelt. (Suratu-l-kahf 18:7)
Wir haben ja den Menschen aus einem Tropfen Vermischungen
geschaffen, Wir prüfen ihn, also haben Wir ihn hörend, sehend gemacht,
Wir haben ihn ja den Weg rechtgeleitet - gleich, ob er dankend oder
ob er dankverweigernd ist. (Suratu-l-insan 76: 2-3)
Wer die voranstehenden Verse liest, wird verstehen,
dass Allah das Leben zur Prüfung des Menschen schuf. Dann wird er
sofort an sein eigenes Leben und auch an das anderer denken. Die
meisten Menschen um ihn herum hetzen und mühen sich ab für das Leben
in dieser Welt. Sie haben sehr genaue Pläne, die allesamt weltliche
Angelegenheiten betreffen: die Schule, die sie besuchen werden,
den Beruf, den sie ergreifen werden, ihre Heirat, ihre Kinder, das
Haus, in dem sie leben werden, das Auto, das sie kaufen werden,
wie hoch ihr Einkommen sein wird, wo sie das neue Jahr verbringen
werden, was sie für Geburtstagsgeschenke erhalten werden, ihren
Ruhe-stand, die Ferien, die sie machen usw. Jeder Mensch hat solche
Pläne und Ziele im Sinn, obwohl interessanterweise niemand sich
die Zeit nimmt, über den wahren Sinn seines Daseins in der Welt
nachzudenken. Ein bewusster Mensch, der dieses Verhalten miterlebt,
versteht, was es eigentlich ist: Achtlosigkeit und Torheit. Es ist
Allah, der den Menschen geschaffen hat, ihm Leben gab und ihn weiterleben
lässt. Allah hat den Sinn der Schöpfung sehr deutlich gemacht: Ihm
zu dienen. Das Einzige, was den Menschen wirklich glücklich macht,
ist, sich in Ergebung vor Allah zu beugen, dem Sinn seiner Erschaffung
gemäß, und alles, was er hat, Ihm zu widmen, um Seine Zufriedenheit
zu finden. Doch die meisten Menschen leben achtlos und gierig weiter,
gerade so als ob sie diese Tatsache gar nicht kennen würden und
als ob sie nur in diese Welt gekommen seien, um sich zu vergnügen.
Auf der an-deren Seite sieht ein Mensch, der mit Hilfe seines Gewissens
denkt, dass die Mehrheit der Menschen in eine gefährliche Lage der
Nachlässigkeit geraten ist. So erkennt er, dass andere Menschen
kein Maßstab für ihn sein können und dass es ihn hindert, der Schrift
Allahs zu folgen und den Quran als seine einzige Anleitung anzunehmen,
wenn er anderen Menschen folgt und sagt: "Die meisten handeln so!"
MIT SICHERHEIT AN DAS JENSEITS GLAUBEN
Der Mensch, der begriffen hat, dass er auf diese Welt
kam, um von Allah geprüft zu werden, bewegt sich dann auf einen
anderen Gedanken zu. Wenn wir geprüft werden, kann der Tod nicht
das Ende sein. Es muss auch ein Ergebnis dieser Prüfung geben. Unter
all den Menschen, die in der Vergangenheit lebten, gab es Tyrannen,
Ausschweifende, Mörder und ebenso die Gesandten Allahs und andere
Leute mit sehr wachem Gewissen, die ihr gesamtes Leben Allah weihten.
Es gab auch die armen und elenden Menschen, die unterdrückt wurden.
Die aus der Vergangenheit sind alle tot, sowohl die Guten wie die
Bösen in ihren Gräbern. Heute ist von ihnen bis auf Skelettreste
nichts übrig. Allah, der ewige Gerechtigkeit innehat, lässt das
Leben dieser Welt so nicht enden.
Kurz gesagt, das Gewissen des Menschen sagt ihm, dass
Allah jedem Menschen voll und ganz vergilt, was er getan hat. Da
die Begleichung in dieser Welt nicht vollkommen ist, muss es einen
Ort geben, zu dem hin sie aufgeschoben wird.
Menschen, die ihr Gewissen heranziehen, finden auch
im Quran die Antwort. Allah sagt im Quran, dass Er die Begleichung
bis nach dem Tod aufgeschoben hat, wenn jedermann alles, was er
im Leben dieser Welt beging, voll und ganz vergolten wird.
Zu Ihm ist eure Rückkehr, allesamt, das Versprechen
Allahs als Wahrheit, Er hat ja die Schöpfung erstmals begonnen,
dann bringt Er sie wieder, damit Er denjenigen, die glauben und
rechtschaffen handeln, mit Gerechtigkeit vergilt, und für diejenigen,
die den Glauben verweigern, gibt es einen Trank von Siedendheißem
und schmerzende Strafe, weil sie immer den Glauben verweigert haben.
(Sura Yunus 10:4)
Und allen bezahlt ja dein Herr unbedingt ihre Taten
voll, Er ist ja dessen kundig, was sie tun. (Sura Hud 11:111)
Diejenigen, die sich mit Hilfe ihres Gewissens auf
den Quran beziehen, verstehen, dass Allah alles weiß, was sie tun,
und dass jede gute und jede böse Tat vergolten wird. Keine Tat wird
übersehen, wie viele Leute es fälschlicherweise annehmen. Allah
gibt im Quran den Tag der Abrechnung und des wahren Lebens bekannt,
das jedermann nach seiner Abrechnung erwartet.
Das Leben dieser Welt ist ein vorübergehender Bereich
der Prüfung, und das wahre Leben ist das Leben im Jenseits, im Paradies
oder in der Hölle. Nach dem Tod wird jedermann nach seinen Handlungen
befragt, an einem von Allah festgesetzten Tag. Wer so lebte, wie
Allah es wünscht, wird für immer im Paradies leben - der wunderbarsten
Bleibe für einen Menschen. Was die anderen angeht, werden sie für
immer in der Hölle leben, wo es die schlimmsten Schmerzen und Nöte
gibt. Es ist eine im Quran und auch durch das Gewissen und die Weisheit
mitgeteilte Tatsache, dass das wirkliche Leben nach dem Tod beginnt
und jeder in andere Verhältnisse gelangt, je nach seinem Verhalten
in dieser Welt. Es passt den Leuten nicht, ihrem Gewissen in einem
Leben zu folgen, das sie mit Scherzen, Herumalbern und in Routine
verbringen, ohne wirklich darüber nachzudenken. Jeder verfolgt Pläne,
die im Leben dieser Welt Nutzen bringen sollen, aber keiner dieser
Pläne betrifft den Tod oder das Jenseits. Dabei ist aber gerade
der Tod eine viel sichere Wirklichkeit als all diese geplanten Geschehnisse.
Die Leute beziehen aber den Tod nicht in ihre Überlegungen mit ein.
Sie versuchen so zu leben, als ob sie nie sterben würden.
Was kann dann der Grund dafür sein, dass die Mehrheit
der Leute diese wichtige Tatsache in ihrem Leben ignoriert?
Um diese Frage zu beantworten, musst Du einen Moment
nachdenken: Wie oft hast Du in Deinem Leben über den Tod nachgedacht?
Hast Du je daran gedacht, dass Du eines Tages stirbst, alle Deine
Lieben, die Dich begraben haben, dann die Grabstätte verlassen und
mit ihrem Alltagsleben fortfahren werden, und alles, was Du jemals
hattest, mit Deinem Tod aufhört? Hast Du Dir jemals vorgestellt,
wie der Tod vonstatten geht? Dein Körper wird im Erdboden verrotten,
aber was wird Deine Seele erleben?
Der Mensch hat eine Seele, und die Seele vergeht nicht.
Nachdem der Mensch gestorben ist, beginnt für seine Seele ein neues
Leben, aber hat er jemals darüber nachgedacht, was für ein neues
Leben ihn erwartet? Wie die Mehrheit der Menschen hat er sich vielleicht
nie über so etwas Gedanken gemacht. Denn hierüber nachzudenken entsetzt
die Menschen. Sie wollen diesen Tatsachen so weit möglich aus dem
Weg gehen. Wenn dieses Thema aufkommt, versuchen sie seine Auswirkung
auf sie mit Witzen oder leichtfertigen Bemerkungen herunter zu spielen.
Warum versuchen dann fast alle Menschen so sehr, dieser
Wirklichkeit zu entgehen, die mit Sicherheit eines Tages eintritt?
Wird das Ignorieren sie verhindern? Natürlich nicht. Der Grund,
weshalb die Leute es vermeiden, über den Tod und das Jenseits nachzudenken
ist, dass dadurch ihr Gewissen in Aktion tritt, sie daran erinnert,
dass sie Allah gegenüber verantwortlich sind und dass sie nach dem
Tod Rechenschaft für ihre Taten ablegen werden. In dem Moment, in
dem das Gewissen erwacht, verliert alles andere, das bis dahin getan
wurde, seine Bedeutung, und der Mensch beginnt zu verstehen, was
wirklich wichtig ist. Wenn er daran denkt, dass er eines Tages sterben
wird, welche Bedeutung haben dann die Dinge, die er im Leben dieser
Welt getan hat? Anfangs wird es ihm vielleicht schwer fallen, das
zu verstehen, aber an den genauen Augenblick des Todes mit seinen
Einzelheiten zu denken wird ihm helfen, alle diese Wahrheiten zu
verstehen.
Der Tod kommt vielleicht gerade dann zu Dir, wenn Du
ihn am wenigsten erwartest, und höchstwahrscheinlich wirst Du gar
keine Gelegenheit haben, Dich darauf vorzubereiten. Es könnte schon
jetzt sein, oder in ein paar Augenblicken, oder zu einem entsprechenden
Zeitpunkt in ein paar Jahren.
Das wahre Gewissen meldet sich, wenn der Todesengel
und das Höllenfeuer erblickt werden
Du hast vielleicht schon jemanden sterben sehen, aber
das, was Du da gesehen hast, ist das Sterben des Körpers. Doch es
gibt auch die Erfahrung der Seele beim Tod, die nur von dem Menschen
erlebt wird, der sie selbst macht. Anwesende werden nur das Sterben
des Körpers wahrnehmen, das im Falle eines Menschen, der auf natürliche
Weise in seinem Bett stirbt, sehr friedvoll erscheinen mag oder
aber auch im Falle eines Unfallopfers oder eines Kranken sehr beängstigend.
Aber das, was die Seele beim Tod durchmacht, ist ganz anders, als
es erscheint.
Wenn der Mensch, der stirbt, ein Gläubiger ist, dann
wird seine Seele mit Leichtigkeit von ihm genommen, und er empfängt
von zwei Engeln die freudige Nachricht, dass sein wunderbares ewiges
Leben beginnt. Dieser Mensch ist weder furchtsam noch traurig, denn
er hat die unendliche Freude zu wissen, dass er auf ewig in Glückseligkeit
und Frieden sein wird. Diese Tatsache erwähnt der Quran wie folgt:
… welche die Engel zu sich nehmen als Gute. Sie
sagen: 'Frieden auf euch, tretet ein in den Paradiesgarten wegen
dem, was ihr getan habt.' (Suratu-nahl 16:32)
Das größte Erschrecken macht sie nicht betrübt,
und es begegnen ihnen die Engel: 'Dies ist euer Tag, der euch versprochen
wurde.' (Suratu-l-anbija 21:103)
Im Falle eines Menschen, der sein Leben nicht in Übereinstimmung
mit Allahs Wunsch gelebt hat, wird das, was seine Seele erlebt,
der Anfang eines Lebens voller Qualen sein, ganz gleich, wie sein
Körper gestorben ist. Allah warnt diese Menschen im Quran:
Und wie, wenn die Engel sie zu sich nehmen, - sie schlagen
ihre Gesichter und ihre Rücken! (Sura Muhammad 47:27)
Aus diesem Grund wird das Bemühen, Dir den Augenblick
des Todes vorzustellen, Dich mit Sicherheit zu aufrichtigem und
gewissenhaftem Verhalten führen.
Der Tod kann kommen, während Du Auto fährst oder sonst
etwas routinemäßiges tust. Ganz plötzlich verändert sich Dein Blickfeld,
und Du siehst die beiden Engel des Todes. Die Engel des Todes können
für jene, die ihr Leben nicht in Übereinstimmung mit Allahs Zufriedenheit
lebten, und die den Tod und das Jenseits ignorierten, ganz fürchterliche
Erscheinungen sein. Im Quran wird gesagt, dass sie ihre Hände nach
dem Menschen ausstrecken, dessen Leben sie nehmen, ihn dicht an
sich heranziehen und ihm eine erniedrigende, endlose Qual ankünden,
während sie ihn auf Gesicht und Rücken schlagen. Das Trennen der
Seele vom Körper verursacht größten Schmerz. Dieser Zeitpunkt ist
in der Sure mit der Auferstehung beschrieben:
Und Gesichter sind an diesem Tag düster, Du meinst,
dass ihnen davon das Rückgrat gebrochen wird, Keineswegs! Wenn sie
die Schlüsselbeine erreicht, Und es wird gesagt: 'Wer ist ein Beschwörer?',
Und er meint, dass es die Trennung ist, Und sich Wade an Wade drängt,
Zu deinem Herrn ist an diesem Tag das Hintreiben, Und er hat nicht
für wahr gehalten, und er hat nicht gebetet, Sondern er hat abgeleugnet,
und er hat sich abgekehrt. (Suratu-l-qijama 75:24-32)
Auch Du wirst ganz sicher den Augenblick des Todes
erleben. Was wird dann für Dich wichtig und was bedeutungslos? Was
wirst Du bereuen, nicht getan zu haben? Wessen Rat befolgt zu haben
wirst Du Dir wünschen? Wen nie getroffen zu haben wirst Du Dir wünschen?
Wie wichtig werden Dir Einzelheiten Deiner Arbeit sein? Von welcher
Bedeutung ist ein Kleidungsstück, das Du bei einer Party trägst,
oder die Meinung der Leute über Deine äußere Erscheinung im Vergleich
zur Tatsache des Jenseits?
Wer diese Fragen wirklich aufrichtig beantwortet, kann
mit dem, was sein Gewissen ihm sagt, zurechtkommen. Wenn jemand
im Laufe seines Lebens nicht auf Allahs Wohlgefallen geachtet hat
und nicht sein Bestes getan hat, um Allahs Gutheißung zu erlangen,
dessen stärkstes Gefühl zusätzlich zur Furcht, die er im Augenblick
des Todes verspürt, wird ein unaufhörliches Bereuen sein. Reumütige
Gedanken wie "Hätte ich doch nicht auf diese oder jene Person gehört!
Hätte ich doch regelmäßig gebetet! Hätte ich doch um Allahs willen
gelebt!" usw. gehen ihm durch den Sinn.
Inzwischen nehmen die Auswirkungen des Todes noch mehr
zu, denn die beiden Engel schleifen diesen Menschen zur Hölle, während
sie ihn erniedrigen. Bevor jemand in die Hölle gelangt, wird jeder
einzeln befragt, und sie sehen, weshalb sie in die Hölle kommen.
Zu dieser Zeit wird der Mensch unbeschreibliche Abscheu wegen all
dem verspüren, das er getan und gedacht hat, und sein gesamtes Leben
wird ihm in allen Einzelheiten vorgeführt. Die Gedanken, von denen
er annahm, dass sie niemand kennt, und viele andere Ereignisse,
die er selbst schon vergessen hat, werden ihm vorgelegt.
An diesem Tag treten die Menschen getrennt heraus,
damit ihnen ihre Taten gezeigt werden, Und wer das Gewicht eines
Sonnenstäubchens an Gutem tut, er sieht es, Und wer das Gewicht
eines Sonnenstäubchens an Schlechtem tut, er sieht es. (Suratu-l-zilzal
99:6-8)
Denke also darüber nach, was Du bereuen wirst, wenn
Dir Dein gesamtes Leben in dieser Welt auf diese Weise vorgelegt
wird. Wozu wirst Du sagen: "Hätte ich es doch nie getan! Oder "Hätte
ich es doch nur getan!"? Dieses nicht wieder gut zu machende Bedauern
an diesem Tag ist in den Quranversen erwähnt:
Dies ist der Tag der Wahrheit, also wer will, nimmt
sich bei seinem Herrn einen Ort der Heimkehr. Wir haben euch ja
gewarnt vor naher Strafe, einem Tag, an dem der Mensch sieht, was
seine Hände vorausgeschickt haben, und der Glaubensverweigerer sagt:
'Wehe mir, wäre ich Staub.' (Suratu-naba 78: 39-40)
Auch werden die Menschen großen Zorn und Abneigung
wegen dem gegen sich selbst verspüren, was sie in ihrem Leben in
dieser Welt getan haben. Aber der Zorn und die Ablehnung Allahs
ihnen gegenüber wird noch stärker sein. Die Glaubensver-weigerer
werden angesprochen:
Denjenigen, die den Glauben verweigert haben, wird
zugerufen: 'Bestimmt, der Greuel Allahs ist größer als euer Greuel
über euch selber. Als ihr zum Glauben gerufen wurdet, da habt ihr
den Glauben verweigert.' (Sura Ghafir 40:10)
Im Quran heißt es, dass an diesem Tag Bedauern und
sich Erinnern nichts nützen werden. Zu diesem Zeitpunkt ist alles
abgeschlossen. Es wird nicht mehr möglich sein, in Ordnung zu bringen,
was in der Vergangenheit geschah. Die Tore der Hölle werden für
immer hinter dem Menschen geschlossen.
Und es wird an diesem Tag die Hölle herangebracht,
- an diesem Tag lässt sich der Mensch ermahnen, und von wo gibt
es dann für ihn Ermahnung? Er sagt: 'Wehe mir, hätte ich etwas vorausgeschickt
für mein Leben.' Also an diesem Tag straft niemand wie mit Seiner
Strafe, Und fesselt niemand wie mit Seinem Fesseln. (Suratu-l-fadschr
89:23-26)
Alle Menschen, selbst die meistfehlgehenden, werden
in der Lage sein, ganz klar all das zu erkennen, was ihr Gewissen
ihnen zum Zeitpunkt des Todes und bei der Abrechnung sagt, aber
weil dann keine Umkehr mehr möglich ist, werden sie ihre Lage durch
das Befolgen ihres Gewissens nicht mehr verändern können. Der Zweck
dieses Buches ist es, die Menschen auf ihr Gewissen aufmerksam zu
machen, solange noch Zeit ist, und sie einzuladen, ein Leben zu
führen, mit dem sie ihre Vergangenheit in Ordnung bringen können
und im Jenseits kein Bereuen verspüren müssen.
Der Unterschied zwischen Menschen, die stets ihrem
Gewissen folgen und anderen, die das nicht tun, liegt in der Kraft
des Glaubens an Allah und an das Jenseits, den Menschen mit Gewissen
haben. Ein seinem Gewissen folgender Mensch verhält sich stets so,
als ob er am Rand der Hölle befragt wird. So berichtet uns Allah
zum Beispiel von manchen Seiner Gesandten, die stets an das Jenseits
dachten:
Und erwähne Unsere Knechte Abraham und Isaak und Jakob,
solche mit Tatkraft und Einblick, Wir haben ihnen ja das Gedenken
der Heimstätte ganz ausschließlich gemacht. (Sura Sad 38:45-46)
Diese
Webseite basiert auf den Arbeiten von ADEM YAKUP.