Und kehrt euch in Buße euerem Herrn zu, und ergebt
euch Ihm, bevor euch die Strafe ereilt, wonach es keine Hilfe
für euch geben wird. Und folgt dem guten Vorbild, das euch von
euerem Herrn offenbart worden ist, bevor euch die Strafe plötzlich
heimsucht, und ihr euch dessen garnicht bewusst seid. (Sure 39:54,
55 – az-Zumar)
Wenn sich der Mensch im Angesicht des Todes befindet,
vollzieht sein Gewissen in rasender Schnelle, eine Bilanz seines
bisherigen Lebens. Der Wert seines Lebens und seiner Taten wird
ihm plötzlich bewusst. Wenn er während seines Lebens auf dieser
Erde nichts Gutes getan und nicht nach den Geboten Gottes gelebt
hat, überkommt ihn eine große Reue. Denn viele Dinge, die er während
seines Lebens nie berücksichtigt hat, werden ihm plötzlich in
ihrer Realität und Wichtigkeit klar vor Augen geführt. Möglicherweise
zum ersten Mal in seinem Leben begreift er die Wirklichkeit der
Gegenwart des Todes. Er denkt nach und erkennt, dass er sich mit
seinem Lebenswandel das Paradies nicht verdient hat, und deswegen
empfindet er diese große Reue. Er wird sich seiner Undankbarkeit
seinem Schöpfer gegenüber bewusst und er ahnt, dass Gott ihn zur
Rechenschaft ziehen wird. Eine Furcht, die er bis dahin nie empfunden
hat, ergreift ihn, und er begreift, dass nur Gott ihn retten kann.
In diesem Moment verspricht er, falls Gott ihm sein Leben erhalten
würde, von nun an dankbar und gottesfürchtig zu sein, sein weiteres
Leben nach Gottes Geboten zu führen und diesen Augenblick niemals
zu vergessen. Er fleht Gott an, ihn aus dieser Gefahr zu erretten
und sein Leben noch ein einziges Mal zu verschonen.
Nachdem sie solch eine Todesgefahr jedoch unbeschadet
überlebt haben, vergessen die meisten Menschen ihre vor Gott gemachten
Versprechen und Vorsät-ze. Sobald sie sich in Sicherheit wägen,
kehren sie Allah den Rücken und leben ihr Leben wie zuvor und
oft klammern sie sich dann noch mehr an irdische Dinge. Dankbarkeit,
Demut und Reue verschwinden aus ihren Herzen und stattdessen kehren
wieder Undankbarkeit, Hochmut und Zynismus ein. Der Augenblick
in dem sie dem Tod gegenüberstanden und die Wahrheit erkannten,
ist vergessen als ob sie Allah nie um Gnade und eine letzte Chance
angefleht gebetet hätten. Einige Verse im Quran schildern den
seelischen Zustand und die Haltung solcher Leute deutlich:
Er ist es, der euch ermöglicht das Festland und
das Meer zu bereisen. Wenn ihr an Bord der Schiffe seid und Wir
lassen sie zu ihrer Freude bei gutem Wind mit ihnen dahingleiten;
erfasst sie plötzlich ein Sturmwind, und die Wo-gen brechen von
allen Seiten über sie herein, so dass sie glauben, rings umschlossen
zu sein, so rufen sie Allah in lauterem Glauben an: ‘Wenn Du uns
hieraus errettest, werden wir Dir stets dankbar sein!’ Wenn Wir
sie dann gerettet haben, stiften sie wieder Korruption und Unrecht
auf Erden. O ihr Men-schen! Euer Unrecht richtet sich nur gegen
euch selbst. Das irdische Leben ist nur eine Nutznießung. Dann
ist euere Rückkehr zu Uns, und Wir werden euch eröffnen, was ihr
getan habt. (Sure 10:22, 23 – Yunus)
Und wenn ihr in Seenot geratet, lassen euch jene,
die ihr ausser Ihm anruft, im Stich. Doch wenn Er euch sicher
ans Land bringt, dann wendet ihr euch ab. Der Mensch ist stets
undankbar. Seid ihr denn davor sicher, dass Er euch nicht in die
Erde versinken lässt, oder euch einen verwüstenden Sandsturm schickt?
Dann fändet ihr keinen Beschützer für euch. (Sure 17:67, 68 –
al-Isra’)
Wie auch im obigen Quran-Vers hingewiesen wird, kann
der Mensch sich nie sicher sein, dass er nicht nochmals einer
ähnlichen oder anderen Gefahren ausgesetzt sein wird. Wie kann
er sich sicher sein, dass er ein weiteres Mal gerettet wird? Zweifelsohne
hat niemand eine solche Garantie. Letzten Endes kann auch eine
Rettung, wie oft auch immer sie sich zutragen mag, niemanden vor
dem letztlich unvermeidbaren Tod bewahren. Jeder Mensch stirbt,
und zwar genau dann, wenn die ihm von Gott für sein Leben bemessene
Zeit abgelaufen ist. Der Eintritt des Todes ist unaufschiebbar.
In jenem Augenblick wird der Mensch erneut die Reue empfinden,
doch dann nützt sie ihm nichts mehr.
Dies ist der seelische Zustand aller, die ihr Leben
weit entfernt von Gott verbringen. Allah beschreibt den Zustand
dieser Menschen in verschiedenen Quran-Versen:
Und wenn dem Mensch Übles widerfährt, ruft er
Uns an in jeder Lage, liegend, sitzend oder stehend. Doch sobald
Wir sein Unglück von ihm abgewendet haben, geht er seines Wegs,
als hätte er Uns nie gegen das Unheil, das ihm widerfahren war,
angerufen. So erscheint den Maßlosen ihr Tun recht und billig.
(Sure 10:12 – Yunus)
Doch wenn den Menschen Übles widerfährt, rufen
sie ihren Herrn in Reue und Ergebenheit an. Dann, wenn Er sie
Seine Barmherzigkeit kosten lässt, setzt Ihm ein Teil von Ihnen
Teilhaber zur Seite. (Sure 30:33 – ar-Rum)
Die Menschen, die in diesen Versen erwähnt werden,
wenden sich Allah zu, wenn sie mit einer Schwierigkeit konfrontiert
sind. Wenn sie diese Schwierigkeiten mit Gottes Hilfe überstanden
haben, vergessen sie die Versprechungen, die sie Allah im Angesicht
der Gefahr machten, und erweisen sich undankbar. Dies zeigt, dass
die Reue, die sie empfanden, aus ihrer Ohnmacht und Schwäche heraus
war, die man in schwierigen Situationen fühlt.
Er ist es, der euch segnet-und auch
Seine Engel-um euch aus der Finsternis zum Licht zu führen.
Und Er ist den Gläubigen überaus barmherzig zugeneigt. Ihr
Begrüßung an dem Tage, an dem sie Ihm begegnen werden, wird
‘Friede’ heißen. Und Er halt ihnen einen großzügigen Lohn
bereit. (Sure 33:43, 44- al- Ahzab)
Die Reue hingegen, die gläubige Men-schen empfinden,
ist von ganz anderer Natur. Das Gefühl der wahren Reue erlischt
nicht so bald und bringt Nutzen mit sich. Sie rüttelt auf und
ruft grundlegende Änderungen im Charakter hervor. Einer, der aufrichtige
Reue empfindet, führt den Rest seines Lebens gottgefällig, und
hofft auf die Barmherzigkeit und Gnade Allahs. Wenn er die Schwierigkeiten
oder Gefahren in seinem Leben durch Allahs Güte überwindet, kehrt
er Gott nicht wieder den Rücken und verfällt in Undankbarkeit,
denn er ist sich nun bewusst, dass eine solche Einstellung, wie
es auch aus den obig zitierten Versen deutlich wird, einen Verlust
für ihn bedeutet.
Im Quran schildert Allah den seelischen Zustand der
Menschen, die an Bord eines vom Untergang bedrohten Schiffes mit
dem Tod konfrontiert sind, als Warnung für alle Menschen, denn
solche Gefühlszustände erlebt jede Menschen-seele in entsprechenden
Situationen. Deswegen sollten alle Menschen eine Lehre aus diesem
Beispiel ziehen. Negativen Charakterzügen darf nicht nachgegeben
werden und man muss sein Gewissen aufrichtig überprüfen. Dann
sollte man sich fragen:
‘In welchem seelischen Zustand wäre ich, wenn ich
mich in einer ähnlichen Situation befände? Was würde ich bereuen?
Welche Versprechen würde ich Allah geben, wenn Er mich aus der
Gefahr errettete? Was würde ich an mir und meinem Leben ändern,
um Sein Wohlwollen zu erlangen? Was würde ich mich aufgeben und
welche meiner Vorsätze würde ich versuchen, aufrichtig in die
Tat umzusetzen?’
Diese Gedanken müssen einen nicht unbedingt erst
dann beschäftigen, wenn man einer unmittelbaren Gefahr gegenübersteht.
Niemand sollte sich absolut sicher wähnen, die Möglichkeit, in
eine lebensbedrohliche Gefahr zu geraten, besteht für jeden Menschen
mit jedem Atemzug. Doch selbst wenn man niemals in eine solche
Situation gerät, ist dennoch eines sicher: Sobald der jedem Menschen
vorherbestimmte Zeitpunkt des Todes eintrifft, werden auf einmal
die Engel des Todes erscheinen. In diesem Moment, in dem sich
die unleugbare Wahrheit des Todes realisiert, wird jeder, der
kein gottgefälliges Leben geführt hat, tiefe Reue empfinden.
Die einzige Möglichkeit, eben diese Reue, sowohl
im Diesseits als auch im Jenseits zu vermeiden, ist, sich Allah
zuzuwenden, Ihm die, Ihm gebührende Ehrerbietung und Dankbarkeit
darzubringen, Sein Gericht zu fürchten und Seinen Geboten, die
uns im Quran offenbart wurden, zu folgen. Der Tod ist allgegenwärtig.
Der Mensch sollte seine Verantwortung wahrnehmen und die Erfüllung
seiner Pflichten nicht hinausschieben. Seine aufrichtigen Vorsätze
und Vorhaben sollte er mit Geduld und Disziplin in die Tat umsetzen.
Das Ausmaß seiner Hingabe an Allah und das Bewusstsein von Allahs
Nähe sollten so intensiv sein, wie in dem Augenblick, als er sich
jener Gefahr bewusst war, in der er Allah um Hilfe gebeten und
Ihm Versprechungen ge-macht hatte. Diese Hingabe und das Bewusstsein
der Allgegenwart Gottes sollten das ganze Leben lang anhalten.
Die wichtigste Tatsache, die wir uns immer vor Augen
halten müssen, ist Folgende: Der Sinn des Daseins auf dieser Welt
ist, Allahs Wohlgefallen zu erlangen und Ihm zu dienen. Alles
andere, wie Erfolg, Reichtum, Familie, Karriere, usw. sind nur
Mittel, durch die man Allah näher kommen sollte. Die Bemühungen
derjenigen sind vergebens, die nur danach trachten, diese Mittel
um ihrer selbst willen zu ergattern und dabei vergessen oder ignorieren,
dass dieses Wohlergehen ihnen nur mit Allahs Erlaubnis zuteil
wird, nämlich damit sie sich Ihm zuwenden und Ihm ihren Dank bezeugen.
Der vergängliche Vorteil, den sie auf Erden erreichen, wird ihnen
im Jenseits ohne jeden Nutzen sein. In einem Vers hebt Allah hervor,
dass besonders diese Menschen am Jüngsten Tag die größte Enttäuschung
erleben werden:
Sprich: ’Sollen Wir euch kundtun, wer hinsichtlich
ihrer Werke die größten Verlierer sind? Die, die all ihre Anstrengungen
im Streben nach dem irdischen Leben verschwenden, wobei sie sich
äußerst konstruktiv dünken. Es sind diejenigen, die die Zeichen
ihres Herrn und die Begegnung mit Ihm leugnen. Nichtig sind ihre
Werke, und am Tag der Auferweckung werden Wir Ihnen kein Gewicht
beimessen.’ (Sure 18:103-105 – al-Kahf)
Wenn ein Mensch durch edle Haltung und hohe Moral
in diesem Leben nach Allahs Wohlgefallen strebt, wird Allah ihn
zweifellos sowohl auf dieser Welt als auch im Jenseits beschützen
und belohnen. Wenn er die Gelegenheiten dazu auf dieser Welt nicht
wahrgenommen hat, wird er dieses schreckliche Versäumnis in dem
Augenblick, wenn die Engel des Todes ihm erscheinen, bereuen.
Dieses Ver-säumnis wird zu einer Ursache für ewige Reue. Im Quran
wird die Reue solcher Menschen, wenn sie einst vor Allah stehen,
so beschrieben:
Er wird sagen: ’Wehe mir, hätte ich doch für
mein (künftiges) Leben etwas vorausgeschickt!’ (Sure 89:24 – al-Fadschr)
...und er sagte: ’Wehe mir, hätte ich nur meinem
Herrn nichts zur Seite gestellt!’ (Sure 18:42 – al-Kahf)
... ’Wehe mir, hätte ich nur den Weg des Gesandten
gewählt!’ (Sure 25:27 – al-Furqan)
Jeder, der dieser Hoffnungslosigkeit und Verzweifelung
entgehen möchte, sollte sich beizeiten, d.h. unverzüglich seinem
Herrn hingeben und den Geboten seines Schöpfers Folge leisten.
DIE REUE IM DIESSEITS SOLLTE EINE
LEHRE SEIN
Das Leben auf dieser Welt ist die einzige Gelegenheit,
die der Mensch hat, Allahs Wohlwollen zu erstreben, welches alleine
ihm das vollkommene und ewige Leben im Jenseits gewähren kann.
Diejenigen, die diese Gelegenheit ungenützt verstreichen lassen
und ihr Leben nicht im Einklang mit der wahren Religion (d.h.
sich Gott völlig zu ergeben), werden jeden Moment ihres irdischen
Lebens bedauern, wenn sie die Strafen im Jenseits sehen, denn
sie wurden oftmals gewarnt und eindringlich auf die Realität des
Himmels und der Hölle hingewiesen und es wurde ihnen auch gesagt,
zu welchem Ergebnis ihr diesseitiges Verhalten führen würde.
Bevor die Menschen das unvermeidbare Ende erreichen,
lässt Allah sie während ihres irdischen Lebens ausnahmslos das
Gefühl der Reue erfahren, so dass sie sich vielleicht vor ihrem
Tod besinnen und den richtigen Weg erkennen, bevor es zu spät
ist. Zu diesem Zweck gewährt Allah den Menschen stets eine bestimmte
Frist, in der sie sich von ihren Fehlern läutern und ihr unrichtiges
Verhalten korrigieren können. Im Laufe seines Lebens wird jedem
Menschen die Gelegenheit gegeben, seine Übertretungen zu bereuen
und den Rest seines Lebens auf gottgefällige Art zu führen.
Aus dieser Sicht heraus betrachtet, ist die Reue
wirklich eine große Gelegenheit, die Allah den Menschen bietet.
Folgt einer solch tief und aufrichtig empfundenen Reue die Hinwendung
zu Allah, so akzeptiert und erwidert Allah diese; ignoriert man
jedoch diese Warnungen und verpasst diese Gelegenheiten, dann
lehnt Allah die verspätete Reue ab und sie wird zu ewiger Reue
und Pein.
Im Quran gibt Allah mehrere Beispiele von Menschen,
die ihre Fehler bedauerten. Die erlebte Reue führt einen Teil
der Menschen dazu, sich Allah zuzuwenden und bewahrt sie für den
Rest ihres Lebens vor der Wiederholung jener Fehler. Andere jedoch
vergessen das Erlebte und fallen in ihre vormalige auflehnende
Haltung zurück.
Ein gutes Beispiel dafür, wie Reue Menschen auf den
rechten Weg bringt, finden wir im Quran, wo Allah uns drei Männer
vorstellt, die den Propheten in einem schwierigen Unternehmen
nicht unterstützten:
Gewiss hat Sich Allah dem Propheten und denen die
ihm ins Exil folgten und denen die sie hilfreich bei sich aufnahmen,
und ihm allesamt in der Stunde der Drangsal Folge leisteten, gütig
zugewandt, nachdem die Herzen einiger von ihnen fast ins Wanken
gekommen waren. Danach wandte Er Sich ihnen gütig zu. Gewiss,
ist Er ihnen gnädig und barmherzig geneigt. Und jenen Dreien,
die zurückgeblieben waren, bis die Erde ihnen trotz ihrer Weite
eng wurde und ihre eigenen Seelen sie bedrängten, und sie erkannten,
dass es keine Zuflucht vor Allah gibt, ausser bei Ihm, auch ihnen
kehrte Er sich wieder gnädig zu, damit sie bereuten. Gewiss ist
es Allah, der Sich stets denen zuwendet, die Reue empfinden; Er
ist voller Barmherzigkeit. (Sure 9:117, 118 – at-Tauba)
O du erfüllte Seele, kehre zu Deinem
Herrn in Zufriedenheit und (Seinem) Wohlgefallen zurück
und tritt ein in die Schar Meiner Knechte, und tritt ein
in Mein Paradies! (Sure 89:27-30-al- Fadschr)
Wie aus obigen Versen hervorgeht, empfanden diese
drei Männer, die aufgrund mangelnden Engagements zurückgelassen
worden waren, tiefe Reue in ihren Herzen. Sie erkannten, dass
der einzige Ausweg aus dieser Seelenqual war, in Reue Zuflucht
bei Allah zu suchen.
Eine Reue, die den Menschen in innere Aufruhr versetzt
und ihn dazu bewegt, sich zu ändern, ihn nötigt, seine Fehler
zu verbessern, ist aufrichtig, und Menschen, die aufrichtig bereut
haben werden ein Leben nach Allahs Geboten führen und auf Seine
Barmherzigkeit und Gnade hoffen. Allah ist sicherlich überaus
gütig und Er weist die Bitten um Vergebung Seiner Knechte nicht
ab, die ihre Verfehlungen bereuen und wiedergutmachen wollen und
verzeiht ihnen:
... die sich in Reue umkehren und glauben und
gute Werke tun, deren Verfehlungen wird Allah abwandeln und Gutes
daraus hervorbringen. Und Allah ist stets voller Nachsicht und
Barmherzigkeit. Und wer bereut und Gutes tut, der wendet sich
Allah in wahrer Reue zu. (Sure 25:70, 71 – al-Furqan)
Und die, welche Übles taten, doch daraufhin in
Reue umkehren und glauben, gewiss wird Sich dein Herr dann vergebend
und barmherzig erweisen. (Sure 7:153 – al-A’raf)
Und gewiss vergebe Ich dem, der in Reue umkehrt
und glaubt und Gutes tut und dann bereit ist, der Führung zu folgen.
(Sure 20:82 – Ta Ha)
Im Quran wird auch berichtet, wie Völker, denen Gott
Propheten sandte, ihre Übeltaten bereuten. Eine der Begebenhei-ten,
die im Quran Erwähnung findet ist der Frevel und die darauf folgende
große Reue der Kinder Israel, die, als ihr Prophet Moses auf dem
Berg Sinai von Gott die Gesetzestafeln empfing, in seiner Abwesen-heit
sich von dem lebendigen Gott abwandten und dem Götzendienst verfielen:
Und Moses Volk machte sich während seiner Abwesenheit
aus ihren Schmuck-sachen ein räumliches Bildnis eines Kalbes,
das einen blökenden Ton erzeugte. Sahen sie nicht, dass es weder
mit ihnen sprechen, noch sie des Wegs leiten konnte? Sie nahmen
es sich zum Götzen wurden zu Sündern. Und als es in ihren Händen
verstummte und sie erkannten, dass sie in die Irre gegangen waren,
sagten sie: ’Wenn Sich unser Herr nicht unser erbarmt und uns
verzeiht, sind wir wahrhaft verloren!’ (Sure 7:148, 149 – al-A’raf)
In der Geschichte der Gartenbesitzer im Quran wird
die Reue ein weiters Mal hervorgehoben. Allah bescherte diesen
Leuten einen Garten als Zeichen seiner Gunst. Doch sie wurden
überheblich, und betrachteten den Garten als ihr eigenes Verdienst
und versäumten Allah zu danken. Daraufhin wurden sie bestraft,
um ihr Verhalten zu bereuen und sich zu Allah zuzuwenden.
Gewiss prüften Wir sie, so wie Wir die Besitzer des
Obstgartens prüften, als sie schwörten, ihn am nächsten Morgen
kahlzuernten, ohne etwas übrig zu lassen. So suchte ihn dein Herr
mit einer Verwüstung heim, während sie schliefen und am Morgen
war er wie abgeerntet! Am Morgen ermahnten sie sich gegenseitig:
‘Geht beizeiten auf euer Feld, wenn ihr eine gute Ernte wollt.’
Da machten sie sich auf, wobei sie einander zu verstehen gaben:
‘Heute soll euch kein Armer den Ertrag vemindern.’ Und mit diesem
(hartherzigen) Entschluß begannen sie ihren Tag. Als sie ihn (den
Garten) sahen, sagten sie sich: ‘Wie sehr wir in die Irre gingen,
und nun ist uns alles genommen!’ Der Gerechteste von ihnen sagte:
‘Habe ich nicht zu euch gesagt, wollt ihr denn nicht Lob und Dank
darbringen?’ Sie sagten: ‘Preis sei unserem Herrn! Wir sind es,
die Unrecht begingen’, und sie machten sich gegenseitig Vorwürfe.
Sie sagten: ‘Wehe uns! Wir haben Unterdrückung geübt. Möge, dass
unser Herr uns zum besseren wandle. Wir kehren in Reue unserem
Herrn zu.’ (Sure 68:17-32 – al-Qalam)
Sobald ihnen eine weitere Chance gewährt wird, vergessen
viele Menschen bedauerlicherweise die erteilte Ermahnung, ihre
Verfehlungen zu bereuen und den rechten Weg zu begehen. Diese
Toren, die auf ihren alten Fehlern beharren und in Undankbarkeit
verfallen, werden sich ihrer Verantwortung nicht entziehen können.
So erging es auch dem Volk von Tamud, zu dem der
Prophet Salih als Ermahner gesandt worden war. Jene Leute handelten
im Trotz entgegen den eindringlichen Warnungen des Propheten Salih.
Allah bricht Sein Versprechen nie und so ließ Er jene Menschen
erfahren, was Er ihnen durch Seinen Propheten angedroht hatte.
Er sprach: ‘Diese (von Gott als Zeichen gesandte)
Kamelstute hat ihre bestimmte Tränkzeit, und ihr habt eure Tränkzeit,
an bestimmten Tagen. Tut ihr nichts an, sonst werdet ihr von der
Strafe eines gewaltigen Tages heimgesucht.’ Doch sie zerschnitten
ihr die Kniesehnen. Doch sie bereuten es am Morgen, denn die Strafe
erfasste sie. Darin ist gewiss ein Zeichen! Doch die meisten von
ihnen wollen nicht glauben. Und dein Herr - Er ist fürwahr der
Mächtige, der Barmherzige. (Sure 26:155-159 – asch-Schu’ara’)
Allah ist gewiss gerecht. Er lässt keine Schuld ungesühnt,
doch Er belohnt auch großzügig gute Taten, die um Seines Willen
getan werden. Er gibt diejenigen, die sich Ihm in aufrichtiger
Reue zuwenden die Verheißung Seiner Gnade und des Paradieses.
In Anbetracht dieser Tatsachen, sollte man nachsinnen ob der momentane
Genuss der Sünde, bzw. die vorübergehende Bequemlichkeit an selbstsüchtigen
Gewohnheiten festzuhalten es wert sind, das Risiko einer ewig
dauernden Reue einzugehen, wobei man sich die seelischen Qualen
einer auch nur kurz empfundenen Reue in dieser Welt vergegenwärtigen
möge. Man bedenke, dass es diese Reue ist, von der man nach dem
Tod ewig in der Hölle gequält wird...
Sicher möchte niemand von solch einer ewigen Reue
im Jenseits gepeinigt werden und daher sollte jeder einzelne Mensch
diese Möglichkeit auf dieser Welt nutzen solange er Zeit noch
dazu hat. Wer diese von Allah gebotene Gelegenheit wahrnimmt,
wird nicht nur vom Feuer der Hölle gerettet, sondern es wird ihm
auch Segen in dieser Welt und in der Ewigkeit zuteil.
Jeder, der diesen Segen nicht verlieren will und
der Reue der Höllenbewohner entgehen will, sollte sein Leben auf
Allahs Wohlgefallen hin ausrichten und den von Allah vorgegebenen
Weg aus der Finsternis zum Licht nicht verfehlen:
Er ist es, der euch segnet - und auch Seine Engel
- um euch aus der Finster-nis zum Licht zu führen. Und Er ist
den Gläubigen überaus barmherzig zugeneigt. Ihr Begrüßung an dem
Tage, an dem sie Ihm begegnen werden, wird ‘Friede’ heißen. Und
Er hält ihnen einen großzügigen Lohn bereit. (Sure 33:43, 44 –
al-Ahzab)
Diese
Webseite basiert auf den Arbeiten von ADEM YAKUP.