In den vorhergehenden Kapiteln haben wir erwähnt, dass der Hauptunterschied
zwischen den Gläubigen und den anderen Menschen ist, dass sie
sich der unendlichen Macht Allahs bewusst sind. Wir haben auch
erklärt, wie ein Gläubiger, der sich Allahs Existenz bewusst ist,
sein ganzes Leben orientieren soll, um das Wohlgefallen Allahs
zu erwerben.
Eine der bedeutendsten Eigenschaften von jemandem, der Allahs
Macht einschätzen kann und folglich sein Leben auf Allahs Wohlgefallen
gegründet hat, ist, dass er sich selbst von allen Wesen außer
Allah "befreit". Da er sein ganzes Leben lang darauf abzielt,
das Wohlgefallen Allahs zu erwerben und Ihm zu dienen, und da
er begriffen hat, dass das Universum von Allah erschaffen wurde
und sich unter Allahs Kon-trolle befindet, wird er alles mit anderen
Augen sehen. Er erkennt Allah als den einzigen Gott, aus diesem
Grund haben für ihn die anderen falschen Götter um ihn herum keinen
Sinn mehr.
Im Quran wurde dieses Thema mit den Worten des Propheten Abraham
(a.s.) folgendermaßen betont:
Und erinnere im Buch an Abraham. Siehe, er war
aufrichtig, ein Prophet. Als er zu seinem Vater sprach: "O mein
Vater! Warum verehrst du, was weder hört noch sieht und dir nichts
nützt?" (Sure 19:41, 42 - Maryam)
Da ein Gläubiger nur nach dem Wohlgefallen Allahs sucht, nur
zu Ihm betet und nur Ihn um Hilfe anfleht, wurde er von allem
Erschaffenen "unabhängig". Er braucht außer Allah niemandem zu
gefallen. Er erwartet von niemandem außer Allah Hilfe, und die
wahre Freiheit des Menschen liegt darin, sich nur Allah hinzugeben,
indem er diese Tatsache wirklich begreift.
Im Gegensatz zum Leben der Gläubigen wird das Leben derjenigen,
die nicht den wahren Glauben an Allah haben, von zahlreichen falschen
Göttern unterjocht. Sie widmen ihr Leben dem Ziel, zahlreiche
Menschen zufrieden zu stellen. Sie flehen zu anderen Menschen
um Hilfe. Diese Wesen jedoch, die sie in ihren Gehirnen "vergöttern",
sind genauso hilflose Diener wie sie selbst. Sicherlich können
diese Wesen, die sie vergöttern, ihnen nicht helfen, sie nicht
vor Gefahren retten. Der Tod ist die Tatsache, die uns zeigt,
dass diese falschen Götter in der Tat den Menschen keinen Nutzen
bringen können. Aber es wird zum Zeitpunkt des Todes zu spät sein,
um zu verstehen, dass diese Götter eingebildet sind.
Im Quran beschreibt Allah die Sackgasse, in die diese Menschen
geraten sind, folgendermaßen:
Und doch nehmen sie sich Götter neben Allah,
in Erwartung von Hilfe. Sie vermögen ihnen nicht zu helfen; sie
sind ihnen (im Gegenteil) ein (ihnen schadendes) Heer. (Sure 36:74,
75 - Ya Sin)
Das Leben der Ungläubigen ist auf diese entstellte Grundlage
gegründet worden. Aus dieser Grundlage taucht ein anderer wichtiger
Unterschied zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen auf: Die
Gläubigen nehmen als Wegleitung die Kriterien an, die Allah ihnen
gegeben hat. Sie beachten die Gebote des Quran, des wahren Buches
und die Sunnah des Propheten (s.a.w.s.). Ihre Religion ist der
Islam, welcher im Quran von Allah detailliert beschrieben wird
und uns durch das beispielhafte Leben des Propheten (s.a.w.s.)
präsentiert wurde.
Die Menschen jedoch, die ihr Leben führen, ohne Allah zu erkennen,
werden sicherlich für ihren falschen Weg die Kriterien der falschen
Götter annehmen, anstatt Allahs Befehlen zu folgen. Ihre Religion
ist eine polytheistische Religion. Ihre Religion besteht nicht
wie der Islam aus einem einzigen und unveränderlichen Ganzen.
Da sie die moralischen Werte der Gesellschaft in der sie leben,
als Kriterien annehmen, haben sie ganz unterschiedliche Gesetze
und Ziele. Aus diesem Grund gibt es viele unterschiedliche Arten
polytheistischer Religionen.
Manche Menschen zielen in ihrem Leben darauf ab, Geld und Macht
zu erwerben, während die anderen wünschen, einen renommierten
und einflussreichen Status zu haben. Einige Menschen streben danach,
"einen guten Gatten" zu finden und "ein glückliches Familienleben"
zu haben. Diese Verschie-denheit, die unterschiedliche Lebensstile
und dementsprechend unterschiedliche Religionen hervorruft, ist
tatsächlich, wie wir auch am Anfang erwähnt haben, darauf gegründet,
Allahs Existenz und Seine Grenzen nicht begreifen zu können.
Die Erschaffung der Menschen jedoch basiert darauf, Allah zu
dienen und auf Allah zu vertrauen. Da der Mensch seine Bedürfnisse
und Wünsche nicht selbständig erfüllen kann, muss er sich unbedingt
Allah hingeben. Deswegen ist die Natur des Menschen sehr dazu
geneigt, Allah als seinen Herrn zu erkennen:
So richte dein ganzes Wesen aufrichtig auf den
wahren Glauben, gemäß der natürlichen Veranlagung, mit der Allah
die Menschen erschaffen hat. Es gibt keine Veränderung in der
Schöpfung Allahs. Dies ist die richtige Religion. Jedoch, die
meisten Menschen wissen es nicht. (Sure 30:30 - ar-Rum)
Ein rechtschaffener Gläubiger, der nicht den bösen Begierden
seiner Seele folgt und nur an Allah glaubt, lernt, wie er sein
Leben führen soll, vom Buch, welches von Allah hinabgesandt wurde.
Er nimmt die Propheten als Vorbild für sich selbst. Das Leben
eines Gläubigen ist völlig anders als das Leben der Leugner. Außerdem
lernt der Gläubige vom Quran und von der Sunnah des Propheten
(s.a.w.s.) einige Tatsachen, die die Leugner nicht kennen. Beispielsweise,
hat Allah im Quran denjenigen, die Ihn fürchten, die frohe Botschaft
gegeben, dass Er ihnen in allen Fällen einen sicheren Weg zur
Rettung zeigen wird:
...So wird ermahnt, wer an Allah glaubt und an
den Jüngsten Tag. Und wer immer Allah fürchtet, dem zeigt Er einen
Ausweg. Und versorgt ihn auf unvermutete Weise. Und wer auf Allah
vertraut, für den ist Er sein Genüge. Siehe, Allah verwirklicht
Sein Vorhaben. Allah hat allem sein Maß bestimmt. (Sure 65:2,
3 - at-Talaq)
Ein Gläubiger, der sich Allahs Bestehen bewusst ist und Ihn richtig
einschätzt, wird sein ganzes Leben nur Allah widmen. Denn er weiß,
dass "wer auf Allah vertraut, Er ihm genügt". In einem Vers befiehlt
Allah folgendermaßen:
Und er sprach: "O meine Söhne! ... Doch ich kann
euch nicht gegen Allah helfen. Die Entscheidung liegt allein bei
Allah. Ihm vertraue ich, und vertrauen sollen Ihm alle Vertrauenden".
(Sure 12:67 - Yusuf)
Der Gläubige, der diese Tatsache begreift, wird sehen, dass seine
Aufgabe im Leben nichts anderes ist, als Allahs Befehle auszuführen.
Es ist sowohl seine Aufgabe als auch sein "Beruf". Er ist nur
dafür verantwortlich, sich auf Allahs Weg zu bemühen. Er bittet
Allah um alles, weil es Allah ist, Der ihm alles gibt. Der wahre
Zweck der Erschaffung des Menschen wurde im Quran wie folgt erklärt:
Und die Dschinn und die Menschen habe Ich nur
dazu erschaffen, dass sie Mir dienen. Ich will ja keinen Unterhalt
von ihnen, noch will Ich, dass sie Mich ernähren. Wahrlich, Allah,
Er (allein) ist der Versorger, der Herr aller Stärke, der Unerschütterli-che.
(Sure 51:56-58 - adh-Dhariyat)
Folglich ist es für einen Gläubigen der die Moral besitzt, die
im Quran beschrieben wird, nicht denkbar, dass er Angst vor der
Zukunft hat. Diese Angst haben nur diejenigen, die das Leben als
einen Streit zwischen voneinander unabhängigen Millionen von falschen
Göttern ansehen. Dieser Mensch, der sich nicht bewusst ist, dass
alles unter der Kontrolle Allahs ist und von einem von Allah vorherbestimmten
Schicksal abhängt, denkt, dass er einen Streit austragen soll,
um sein eigenes Leben zu retten. Er glaubt, dass er seine Versor-gung
unter sehr schwierigen Bedingungen erhalten wird.
Nachdem Bediuzzaman Said Nursi erklärt hat, dass die, die Allah
nicht erkennen, es nicht begreifen können, dass die tatsächliche
Aufgabe des Menschen ist, Allah zu dienen, sagt er folgendes:
... Sie haben unvernünftig beschlossen, dass das Leben ein
Streit ist.
Der Geisteszustand, der aus der Logik "das Leben ist ein Streit"
stammt, ist eine der grundlegenden Eigenschaften der Religion,
die die Ungläubigen besitzen. Aufgrund dieser sogenannten Logik
leben diese Menschen immer in einem Geisteszustand voller Unruhe
und Stress, so dass
im Gegensatz zu den Gläubigen die Mehrheit dieser
Leute egoistisch, und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht
ist.
Sie haben keine Ahnung von Opferbereitschaft. Ihre
Liebe basiert auch nur auf ihrem eigenen Vorteil: Sie lieben
einen anderen, nicht weil er gute, moralische Eigenschaften
hat, sondern nur zu ihrem eigenen Vorteil.
Natürlich lieben die anderen, sie auf dieselbe Weise.
Aus diesem Grund können sie nie eine treue und loyale Freundschaft
eingehen. Sie haben immer die Sorge: "Wenn er/sie mich verlässt,
wenn er/sie einen noch schöneren, reicheren, gut aussehenderen
als mich findet."
Sie sind eifersüchtig. Aus diesem Grund können sie
keinen Genuss an Schönheit und Güte finden. Zum Beispiel; anstelle
die Freude auszuleben, wenn man jemanden sieht, der sehr schön
ist und zu sagen "Allah hat ihn schön erschaffen", sind sie
eifersüchtig und denken, wieso bin ich nicht auch so schön".
Sie sind Allah nicht dankbar und nicht zufrieden
mit dem, was sie besitzen. Deswegen wollen sie immer mehr. Doch
dieser Wunsch wird nie befriedigt und er wird für sie immer
die Quelle der Unzufriedenheit sein.
Sie bitten Allah nicht um Hilfe, weil sie nicht
akzeptieren, dass sie kraftlos und schwach sind. Sie denken,
dass ihre Schwäche und Kraftlosigkeit verschwinden, wenn sie
sich gegen Allah auflehnen und Allah nicht um Hilfe bitten.
Aber mit dieser Handlung verschwinden ihre Schwäche und Kraftlosigkeit
nicht, und nun erwarten sie Hilfe von anderen Menschen. Aber
diese denken auch wie sie selbst nur an ihren eigenen Vorteil,
auch sie sind schwach und haben keine Ahnung von Mitleid und
Barmherzigkeit. Deswegen erleben sie öfter einen Zusammenbruch.
Sie wissen nicht, was Vergebung und Duldsam-keit
sind. Deswegen führt schon ein kleines Missver-ständnis zwischen
ihnen zum Streit. Ihr Stolz lässt nicht zu, den Streit zu beenden.
Aus diesem Grund erleben sie öfter einen "Nervenzusammenbruch",
wie sie es selber nennen.
Sie denken nicht, dass diese Welt unter Allahs Schutz
und Kontrolle ist, sie nehmen an, dass sie in einem Dschungel
leben und dass das einzige Gesetz "gewinnen" heißt. Um in diesem
Dschungel leben zu können, müssen sie hart, aggressiv und egoistisch
sein. Der Ausdruck "Dschahiliya-Gesellschaft" meint, sie sind
entweder ein kleiner Fisch und werden verschluckt, oder sie
sind ein großer Fisch und verschlucken die anderen.
Außer einer Gesellschaft, in der die Menschen den wahren Glauben
besitzen, sind die meisten Gesell-schaften mehr oder weniger wie
oben beschrieben. Im Quran werden diese Gesellschaften die sich
Allah und des Jenseits nicht bewusst sind, als "Dschahiliya-Gesellschaften"
beschrieben.
Wie im Quran angegeben wird, wurden auch die Kinder Israels,
deren manche sich nicht Allah hingegeben haben, vom Propheten
Moses (a.s.) als "Dscha-hiliya" bezeichnet. Die Verse zu diesem
Thema sind wie folgt:
Und Wir führten die Kinder Israels durch das
Meer. Dann kamen sie zu einem Volk, das seinen Götzen ergeben
war. Sie sprachen: "O Moses, mache uns einen Gott wie ihre Götter!"
Er sprach: "Ihr seid wirklich ein unbelehrbares Volk; Das, was
sie anbeten, geht gewiss zu Grunde, und was sie tun, ist ohne
jeden Wert." Er sprach: "Soll ich euch einen anderen Gott suchen
als Allah, Der euch vor aller Welt bevorzugte?" (Sure 7:138-140
- al-A'raf)
Obwohl innerhalb einer Gesellschaft alle mit denselben Dschahiliya-Eigenschaften
gebrandmarkt werden, kann es in dieser Gesellschaft viele voneinander
unterschiedliche Menschen geben. Diese Menschen unterscheiden
sich voneinander im allgemeinen dadurch, ob sie nach den Kriterien
leben, auf denen die Dschahiliya-Gesellschaften großen Wert legen,
oder nicht. Das wichtigste dieser Kriterien ist die finanzielle
Macht.
Die Bewertung eines Menschen in der Dschahiliya-Gesellschaft
In einer Gesellschaft der Muslime wird ein Mensch nach seiner
Gottesfurcht bewertet. In den Dschahiliya-Gesellschaften jedoch,
die aus Ungläubigen bestehen, bewerten die Menschen sowohl sich
selbst als auch die anderen Menschen in großem Maß nach ihrem
materiellen Reichtum.
Aus diesem Grund tauchen in der Dschahiliya-Gesellschaft viele
entartete Ideen auf:
In der Dschahiliya-Gesellschaft wird einer reichen
Person immer Respekt erwiesen, auch wenn sie keinen guten Charakter
hat.
Aufgrund dieser angenommenen Regel der Gesellschaft
wird dieser unmoralische aber reiche Mensch sich selbst als
sehr respektabel ansehen. Das ist der Grund, warum die Reichen
sich immer selbstsicher und stolz fühlen.
Und da das Geld ein so wichtiges Kriterium ist,
werden automatisch die Nichtreichen sich im Gegen-satz dazu
herabgesetzt fühlen und kein Vertrauen zu sich selbst haben.
Das Benehmen der Nichtreichen ist neben den Reichen sehr deutlich
zu sehen. Jemand, der in einer schlechten finanziellen Lage
ist, wird vielleicht neben einem reichen Menschen bemerken,
dass er selbst einen viel besseren Charakter hat, aber er wird
unter dem Einfluss der moralischen Werte der Dschahiliya-Gesellschaft
sein: Er wird das Gefühl der Herabsetzung nicht loswerden.
In einer Gesellschaft, in der das Geld ein wichtiges
Kriterium ist, wird man natürlich eine schlechte Ökonomie ausleben.
Bestechung, Unterschlagung und Betrug werden normal im Leben.
Da der größte Wert auf das Geld gelegt wird, wird all das rechtmäßig
sein, auch wenn es unmoralisch oder ungerecht ist, wie es erlangt
wird.
Im Quran beschreibt die Geschichte von Qarun am besten, wie wichtig
das Geld für die Dschahiliya-Gesellschaft ist:
Siehe, Qarun war vom Volke Moses, doch verging
er gegen sie. Wir aber gaben ihm so viel an Schätzen, dass seine
Schatztruhe für eine größere Schar kräftiger Leute eine Bürde
gewesen wäre. Als sein Volk zu ihm sprach: "Frohlocke nicht, Allah
liebt nicht die Frohlockenden, und suche mit dem, was dir Allah
gegeben hat, die künftige Wohnung, ohne deinen Anteil an dieser
Welt zu vergessen. Und tu Gutes, so wie Allah dir Gutes tat, und
stifte kein Verderben auf Erden; siehe, Allah liebt nicht die,
welche Unheil stiften!" Da sprach er: "Das (alles) wurde mir in
Anerkennung meines Wissens gegeben!" Wusste er nicht, dass Allah
bereits vor ihm ganze Geschlechter vernichtet hatte, die an Kraft
stärker als er waren und mehr aufgehäuft hatten? Aber die Missetäter
werden nicht nach ihren Sünden befragt. So ging er in seinem (vollen)
Schmuck zu seinem Volke hinaus. Jene nun, die auf das irdische
Leben begierig sind, sprachen: "O dass wir doch besäßen, was Qarun
gegeben wurde! Er hat wirklich gewaltiges Glück!" Aber diejenigen,
denen das Wissen gegeben war, sprachen: "Wehe euch! Die Belohnung
Allahs ist besser für den, der glaubt und das Rechte tut; und
niemand gewinnt sie, außer den Standhaften." Dann ließen Wir die
Erde ihn und sein Haus verschlingen. Da fand er niemand, ihm zu
helfen, außer Allah; und er konnte auch sich selbst nicht helfen.
Am anderen Morgen sagten jene, die sich tags zuvor an seine Stelle
gewünscht hatten: "Sieh nur! Allah versorgt, wen von Seinen Dienern
Er will, reichlich oder bemessen. Wäre Allah uns nicht gnädig
gewesen, hätte Er die Erde unter uns gespalten. Sieh nur! Den
Ungläubigen ergeht es nicht wohl." Jene zukünftige Wohnung: Wir
haben sie für diejenigen bestimmt, welche auf Erden nicht mächtig
sein und kein Unheil anrichten wollen. Und das (gute) Ende ist
für die Gottesfürchtigen. (Sure 28:76-83 - al-Qasas)
Wie aus diesen Versen ersichtlich ist, bilden Qarun und diejenigen,
die ihn beneiden, eine klassische Dschahiliya-Gesellschaft. Sie
haben überhaupt nicht begriffen, dass Allah alles besitzt und
dass Er Sein Reich verleiht, wem Er will. Qarun nimmt an, dass
ihm alles in Anerkennung seines Wissens gegeben wurde. Aber,
Da Allah der Schöpfer von allem ist, ist er auch
der wahre Besitzer von allem. Die Menschen können dieses Reich,
das nur Allah gehört, nur für eine vorübergehende Zeit übernehmen,
um darin zu leben.
Die Gnaden, die den Menschen gegeben werden, werden
ihnen nicht wegen ihrer Überlegenheit, sondern nur als Gottesgabe
und als eine Prüfung gegeben. Diese Gnaden wurden ihnen nicht
um "stolz" zu werden gegeben, sondern um Allah dankbar zu sein.
Wenn dies nicht verstanden wird, wird das Reich, das man besitzt,
auf der Welt und im Jenseits niemandem Glückseligkeit bringen.
Der Reichtum wird den Menschen nicht dazu gegeben,
um ihn anzuhäufen, sondern es wird ihnen gegeben, um es für
Allahs Wohlgefallen zu benutzen. Das Ende derer, die das Gegenteil
tun, wird im Quran wie folgt geschildert:
Und diejenigen, die mit dem knauserig sind, was
Allah in Seiner Huld ihnen gab, sollen nicht wähnen, es diene
ihnen zum Guten: Nein, zum Bösen dient es ihnen. Als Kette sollen
sie am Tag der Auferstehung um den Hals tragen, womit sie gegeizt
hatten. Und Allahs ist das Erbe der Himmel und der Erde. Und Allah
kennt wohl euer Tun. (Sure 3:180 - Al-'Imran)
Während der Gläubige die Reichtümer um des Wohlgefallens
Allahs willen in vernünftiger Weise ausgibt, sollte er keine
Angst davor haben, dass diese verbraucht werden. Im Quran wird
auf diese Gefahr hingewiesen und daran erinnert, dass der Teufel
den Menschen mit Armut beängstigt (Sure 2:268 - al-Baqara).
Und was für Allahs Wohlgefallen ausgegeben - gespendet - wird,
wird Allah durch etwas anderes ersetzen. Der Vers dazu lautet:
Sprich: "Siehe, mein Herr versorgt von Seinen
Dienern, wen Er will, im Überfluss oder in Massen, und was ihr
spendet, wird Er euch ersetzen. Und Er ist der beste Versorger."
(Sure 34:39 - Saba)
Die oben erwähnte Geschichte von Qarun zeigt eine allgemeine
Charaktereigenschaft der Dschahiliya-Gesellschaft. Wenn wir die
Verse aufmerksam lesen, dann können wir sehen, dass Qarun einen
Charakter aufweist, den man bei der Dschahiliya-Gesellschaft,
die reiche und renommierte Leute umfasst, sehr oft finden kann.
In diesen Versen werden auch diejenigen erwähnt, die Qarun nachahmen.
Diese Menschen teilen die gleiche Torheit wie Qarun und verstehen
nicht, dass Allah der wahre Besitzer von allem ist. Deswegen machen
sie sich sehr übertriebene Vorstellungen von Qarun und von seinem
Reichtum.
Nur die Gläubigen sind von diesen Versuchungen der Gesellschaft
befreit:
Da sie begriffen haben, dass das einzige Kriterium
nicht das Geld, sondern der Glaube an Allah ist und dass der
wahre Besitzer von allem Allah ist, haben sie bemerkt, dass
Qarun sich nicht in einer guten, sondern in einer erbärmlichen
Situation befindet.
Sie benahmen sich nicht wie die Mitglieder der Dschahiliya-Gesellschaft,
die, nachdem die Besitztümer von Qarun weg waren, nur sagten,
"Allah versorgt reichlich, wen Er will oder bemisst Seine Wohltaten",
sondern sie haben diese Wahrheit schon von Anfang an gesehen.
Eine ähnliche Situation wird in der Geschichte vom Besitzer der
Rebgärten erklärt. Der Unterschied zwischen einem Menschen, der
wie Qarun annimmt, dass er selbst der eigentliche Besitzer von
reichlicher Gabe und Besitz ist, und einem Gläubigen, der Allah
dient und gottesfürchtig ist, wird in den Versen wie folgt erzählt:
Und stelle ihnen das Gleichnis von zwei Männern
auf. Einem von ihnen gaben Wir zwei Rebgärten, umzäunt mit Palmen,
zwischen denen Wir ein Getreidefeld anlegten. Beide Gärten erbrachten
ihre Ernte, und so ermangelte nichts. Und Wir ließen mittendurch
einen Bach fließen. Und er trug ihn Früchte. Da sagte er während
ihrer Unterhaltung zu seinem Gefährten: "Ich habe reicheres Vermögen
als du und verfüge über mehr Leute." Sich so gegen sich selbst
versündigend, betrat er seinen Garten und sprach: "Ich glaube
nicht, dass dies je zu Grunde geht. Und ich glaube auch nicht,
dass die Stunde je kommt. Und selbst wenn ich zu meinem Herrn
zurückgeholt werden sollte, fände ich dort gewiss besseres im
Tausch." Da sagte sein Gefährte während ihrer Unterhaltung zu
ihm: "Glaubst du etwa nicht an Den, Der dich aus Staub erschaffen
hat und dann aus einem Samentropfen, und dich dann zu einem Mann
geformt hat? Für mich ist jedoch Allah mein Herr. Und ich stelle
meinem Herrn nichts zur Seite. Und warum sagtest du beim Betreten
deines Gartens nicht: "Was Allah will! Es gibt keine Macht außer
bei Allah!" Du siehst zwar, dass ich weniger Vermögen und Kinder
habe als du. Aber mein Herr wird mir vielleicht doch etwas besseres
geben als deinen Garten. Denn auf ihn könnte Er (jederzeit) vom
Himmel Seine Blitze senden, so dass er zu Staub zerbröselt. Oder
sein Wasser versiegt und du außerstande bist, welches zu finden."
Tatsächlich wurden seine Früchte (von Allahs Strafgericht) erfasst.
Und am anderen Morgen begann er, seine Hände zu ringen wegen der
Aus-gaben, die er gemacht hatte; denn (die Reben) waren mit ihren
Stützen zusammengebrochen. Und er sagte: "Ach, hätte ich doch
meinem Herrn nichts zur Seite gestellt!" Doch er hatte keinerlei
Helfer, die ihm an Allahs Stelle hätten helfen können, noch konnte
er sich selbst helfen. In einem solchen Fall gewährt Allah, der
Wahre, alleine Schutz. Bei Ihm ist der beste Lohn und der beste
Ausgang. (Sure 18:32-44 - al-Kahf)
Die Führer der Gesellschaften, in denen
das Geld ein wichtiges Kriterium ist
In fast jeder Geschichte im Quran erwähnt Allah eine Menschengruppe,
denen die Muslime Seine Offenbarung mitteilten. Aber meistens
mussten sie sich gegen ihre Angriffe schützen. Die Merkmale dieser
"Elite"-Gruppe, die in fast allen Geschichten der Propheten zu
sehen sind, wurden in den Versen sehr ausführlich beschrieben.
Im Quran wurde diese Gruppe mit Aussagen wie "die Häupter der
Hochmütigen", "die frechen Wohlhabenden", "die Stolzen, die Prahler"
bedacht. Ihre gemeinsame Eigenschaft ist, dass sie die Macht und
Gelegenheit, wenn sie ihnen gegeben werden, zur Rebellion gegen
Allah und zur Unheilstiftung auf der Erde benutzen. In einem Vers
werden diese "Führer" wie folgt beschrieben:
Niemals entsandten Wir zu einer Stadt einen Warner,
ohne dass die Wohlhabenden dort gesagt hätten: "Wir glauben keineswegs
an euere Sendung." Und gesagt hätten: "Wir sind reicher (als ihr)
an Vermögen und Kindern und haben keine Bestrafung zu erwarten."
(Sure 34:34, 35 - Saba)
Die Eigenschaften dieser Gruppe können wir folgendermaßen aufzählen:
Der Wohlstand, die Güter und Kinder, die ihnen gegeben
werden, verursachen, dass die in Frage stehende Gesellschaft
darüber frohlockt, dass sie Allah nicht erkennen und sich gegen
Allah auflehnen:
Was nun die Ad anlangt, so waren sie ohne Anlass
hochmütig auf Erden und sagten: "Wer hat mehr Macht als wir?"
Sahen sie denn nicht, dass Allah, Der sie erschaffen hat, mächtiger
ist als sie? Dennoch verwarfen sie Unsere Botschaft. (Sure 41:15
- Fussilat)
Diese Gruppe hegt gegen diejenigen, die an Allah
glauben, Den sie nicht erkennen und gegen Den sie rebellieren,
eine große Feindschaft. Es ist wieder diese "in ihrer Fülle
des Unterhalts frohlockende" Gesell-schaft, die gegen die Muslime
ist, wenn diese die Religion bekannt machen. Da diese Gruppe
sich nicht Allah fügt, hegt sie Groll und Hass gegen die Gläubigen.
Sie versuchen sogar manchmal, die Gläubigen umzubringen.
Die Wortführer der Hochtrabenden seines Volkes
sprachen: "Wahrlich, wir werden dich aus unseren Städten hinaustreiben,
o Schuayb, samt den Gläubigen, die bei dir sind, es sei denn,
ihr kehrt zu unserer Religion zurück." Er sprach: "Etwa auch,
wenn sie uns ein Greuel ist?" (Sure 7:88 - al-A'raf)
Beispiele solcher Menschen, die im Quran sehr ausführlich beschrieben
werden, können wir auch heutzutage in unserer Gesellschaft sehen.
Wenn wir über einige bestimmte Eigenschaften derer, "die in ihrer
Fülle frohlocken", nachdenken, wird das Thema sofort klar. Denn
diese Eigenschaften erinnern uns wohl oder übel an eine Gruppe,
von der wir im täglichen Leben öfter hören: Die High-Society.
Die Mitglieder dieser Gruppe, sind degeneriert: Partys in Bars
und ihren Häusern, degenerierte Shows, junge Leute, die durch
Drogenmissbrauch zerstört werden, Kreise fröhlicher Zecher, degenerierte
Sexualität und jede Art der Verschwendung... Eine Sozialstruktur,
in der alle diese Abnormitäten für normal gehalten, sogar als
für normales Bedürfnis ausgegeben werden... Ein Lebensstil, nach
dem den Menschen alle Arten von Schandtaten, Unsittlichkeiten
und Entartungen hinter intellektuellen Begriffen wie Modernismus
und Freiheit versteckt, aufgezwungen werden...
Einige der Mitglieder dieser Gruppe zeigen fast alle Charaktereigenschaften
der entarteten Gesellschaften, die Allah uns im Quran beschreibt.
Wir können alle degenerierten Eigenschaften der ungläubigen Gesellschaften
- vom homosexuellen Volke Lots bis zu den Leuten von Madyan, die
"Maß und Gewicht verkürzten" (Sure 11:84 - Hud), vom Volke Noahs,
das die Gläubigen verspottete (Sure 11:38 - Hud), bis zu den Kindern
Israels, die Zinsen nahmen und die Leute in betrügerischer Weise
um ihr Vermögen brachten (Sure 4:161 - an-Nisa) - in dieser prominenten
Gruppe sehen.
Während die meisten Menschen ein kümmerliches Leben und einen
kargen Lebensunterhalt haben, obwohl sie eine ehrliche Arbeit
leisten, führt diese Gruppe, die keine andere spezielle Eigenschaft
außer im Wohlstand verwöhnt zu sein hat, ein rücksichtsloses Leben,
indem sie alle moralische Werte ignoriert. Die Mitglieder dieser
Gruppe, die an einem Abend zu ihrem Vergnügen mehr Geld als den
Monatslohn vieler Arbeiter ausgeben können, bringen der Gesellschaft
einen großen moralischen Schaden.
An diesem Punkt sollten wir uns daran erinnern, dass im Quran
beschrieben wird, wie das Ende dieser "Führer der Hochtrabenden
der Gesellschaften" sein wird, die nicht bereuen und darauf beharren,
Allahs Existenz zu leugnen:
Bis sie, wenn Wir die Reichen unter ihnen mit
der Strafe erfassen, um Hilfe schreien. "Bettelt heute nicht um
Gnade, denn ihr erhaltet keine Hilfe von Uns! (Sure 23:64, 65
- al-Mu'minun)
Die Moral in der Dschahiliya-Gesellschaft
Da in der Dschahiliya-Gesellschaft die Werte nicht auf Gottesfurcht
gegründet wurden, sind auch die moralischen Werte verkommen. Die
Moral der Gläubigen, die der Quran uns beschreibt, basiert auf
der Gottesfurcht und Allahs Wohlgefallen. Die Dschahiliya-Gesellschaft
jedoch besitzt eine völlig entartete Moral:
Da die Dschahiliya-Gesellschaft sich Allah nicht
bewusst ist, sind ihre Werte auf die Ansicht der anderen Menschen
gerichtet. Deswegen könnte eine unmoralische Tat leicht vollzogen
werden, ohne dass jemand anderer in dieser Gesellschaft es sieht
oder darüber Bescheid weiß, oder die unmoralische Tat wird in
der Gesellschaft mit einem anderen Namen beschrieben.
In der Dschahiliya-Gesellschaft nimmt beispielsweise fast jeder
Mensch an, dass Prostitution unmoralisch ist. Deswegen wird die
Prostitution von den Meisten nicht offen zugegeben. Aber trotzdem
wird sie geduldet, obwohl alle es sehen und wissen.
Es ist möglich, viele solcher Heucheleien im Leben der Mitglieder
der Dschahiliya-Gesellschaft zu beobachten.
Der Wunsch nach einem unendlichen Leben
Sprich: "Der Tod, vor dem ihr flieht, wird euch
bestimmt einholen. Dann müsst ihr zu Dem zurück, Der das Verborgene
und das Offenbare kennt. Und Er wird euch vorhalten, was ihr getan
habt." (Sure 62:8 - al-Dschumu'a)
Eine der offensichtlichsten Eigenschaften der Mitglieder der
Dschahiliya-Gesellschaft, die sich Allah und des Jenseits nicht
bewusst sind, ist, dass sie so leben, als ob sie nie sterben würden.
In dieser Gesell-schaft ist der Tod ein Thema, dessen sich jeder
bewusst ist, aber von dem nicht gesprochen wird. Alle Pläne werden
gemacht, ohne den Tod zu beachten. Menschen raffen Vermögen zusammen,
als ob sie auf dieser Welt in Ewigkeit leben würden. Da alle Pläne
durchgeführt werden, ohne den Tod zu beachten, sieht man jemanden,
der den Tod erwähnt, als Spielverderber und als respektlos an.
Dies zeigt uns ganz offenbar, auf was für einer entarteten Logik
die Menschen der Dschahiliya-Gesell-schaft ihr Leben begründet
haben. Da "jeder den Tod kosten soll" (Sure 3:185 - Al-'Imran),
hat ein Leben, das begründet wurde, ohne die Tatsache des Todes
zu beachten, sicherlich eine faule Grundlage. Ein Mensch jedoch
soll seinen Verstand benutzen.
Er soll darüber nachdenken, warum er ein Leben von
durchschnittlich 60-70 Jahren hat und dann stirbt, obwohl er
nach einem unendlichen Leben strebt.
Er soll bemerken, dass er dem Tode nicht entkommen
kann, indem er nicht über den Tod nachdenkt. Er soll wissen,
dass er sich so unvernünftig wie der Vogel Strauß verhält, der
seinen Kopf in den Sand steckt, um dem Jäger zu entkommen.
Er soll sich dessen bewusst sein, dass Allah, Der
ihn aus einem einfachen Samen auf vollkommenste Weise erschaffen
hat, auch Macht darüber hat, ihn nach seinem Tod wieder lebendig
zu machen.
Und er soll wissen, dass Allah, Der in Hunderten
von Versen den Menschen verheißen hat, sie nach ihrem Tod wieder
lebendig zu machen, dieses Ver-sprechen halten wird.
Nur dann kann er beginnen zu begreifen, dass der Tod nicht das
Ende, sondern der Übergang ins Jenseits ist.
Dann kann er auch verstehen, dass es keinen Sinn
hat, vor dem Tod Angst zu haben. Sich vor dem Tod zu fürchten
bringt den Menschen keinen Nutzen, denn niemand kann dem Tode
entkommen. Jeder wird genau an dem Moment sterben, der in seinem
Schick-sal von Allah vorherbestimmt worden ist. Die, die Angst
vor dem Tod haben, wurden im Quran wie folgt gewarnt:
...Sie verbargen in ihren Seelen, was sie dir
nicht mitteilten, indem sie sprachen: "Hätten wir etwas zu sagen
gehabt, lägen wir hier nicht erschlagen!" Sprich: "Wärt ihr auch
in eueren Häusern gewesen, wahrlich, jene, denen der Tod bestimmt
war, wären zu ihrer Todesstätte aufgebrochen. Dies damit Allah
prüfe, was in eueren Brüsten ist, und erforsche, was in eueren
Herzen ist. Und Allah kennt das Innerste der Brüste." (Sure 3:154
- Al-'Imran)
Aber der Tod, der ein Übergang ins Jenseits ist, bringt jemandem
nur dann Glückseligkeit und Errettung, wenn dieser sein Leben
dem Wohlgefallen Allahs gemäß geführt hat. Für die, die sich von
Allah abgewendet haben, ist der Tod der Beginn des Unglücks und
der Katastrophe. Dass die Reue, die diejenigen, die Allah vergessen
haben, indem sie so lebten, als ob sie nie sterben würden, empfinden
werden, wenn sie mit dem Tod konfrontiert werden, ihnen keinen
Nutzen bringen wird, wird im Quran folgendermaßen mitgeteilt:
Keine Vergebung haben aber jene zu gewärtigen,
welche Übles taten bis, wenn der Tod sie ereilt, sie sprechen:
"Siehe, jetzt bekehre ich mich!", und auch nicht jene, die als
Ungläubige sterben. Für jene bereiten Wir schmerzliche Strafe.
(Sure 4:18 - an-Nisa)
Erst wenn der Tod einem von ihnen naht, wird
er sagen: "O mein Herr! Sende mich zurück, damit ich das Gute
tue, das ich unterließ." Keineswegs! Das sind nur (leere) Worte,
was er da spricht. Und hinter ihnen ist eine Schranke bis zu dem
Tage, an dem sie auferweckt werden. (Sure 23:99,100 - al-Mu'minun)
Jeder, der sich Allah nicht gewidmet hat, wird diese Reue erleben.
Wenn das Leben so kurz ist, wenn es nach diesem Leben ein unendliches
wirkliches Leben gibt und wenn dieses unendliche Leben nur dann
erworben wird, indem man auf dieser Welt immer nach dem Wohlgefallen
Allahs sucht, dann:
Anstatt über das kurze und wertlose Leben im Diesseits
nachzudenken, sollte man an sein tatsächliches unendliches Leben
nach dem Tod denken. Aus diesem Grund sagt Allah im Quran über
die Gläubigen folgendes: "Siehe, Wir erwählten sie besonders
zum Zwecke des Gedenkens an das Jenseitige." (Sure 38:46 - Sad)
Und wisest, dass euer Besitz und
euere Kinder nur eine Versuchung sind, aber gewaltiger
Lohn bei Allah ist.(Sure 8:28 -al-Anfal)
Es hat keinen Sinn, sich durch das Vermögen und
die Versuchungen im diesseitigen Leben täuschen zu lassen. Niemand
kann seine Güter, seine Schönheit, seine Kraft, seine Familie
oder seine Berühmtheit ins Jenseits mitnehmen. Nichts von alledem
kann einen Menschen in sein Grab begleiten. In das Grab kommt
nur der Körper, der in ein Leichentuch gewickelt ist, und dieser
Körper wird nach kurzer Zeit verfaulen.
Das einzige, was von dieser Welt ins Jenseits mitgenommen
wird, sind die guten Werke und Gottes-dienste, die um Allahs
Wohlgefallens willen getan wurden. Dann werden die Gnaden, die
auf dieser Welt dem Menschen für eine kurze Zeit gegeben wurden
(Gesundheit, Schönheit, Reichtum usw.), dem Menschen im Jenseits
in viel schönerer Form für alle Ewigkeit zurückgegeben.
Wer diese Wahrheit nicht erfasst und sein Vermögen
und seinen Körper nicht für Allahs Wohlgefallen einsetzt und
geizig ist, der macht sein eigenes Jenseits zunichte und ist
in Wahrheit geizig gegenüber sich selbst. Der Vers bezüglich
dieses Themas heißt:
Gewiss, ihr seid diejenigen, die eingeladen sind
auf Allahs Weg zu spenden, doch einige von euch sind geizig. Wer
aber geizig ist, ist nur geizig gegen sich selbst. Allah ist der
Reiche und ihr seid die Armen. Aber wenn ihr euch abwendet, wird
Er euch gegen ein anderes Volk austauschen. Und sie werden nicht
wie ihr sein. (Sure 47:38 - Muhammad)
Die, die diese Tatsachen nicht begreifen können und an dieser
Welt mit unmäßiger Liebe hängen, versuchen, unsterblich zu werden.
Aus diesem Grund wollen sie etwas "Unsterbliches" hinterlassen,
so dass andere Menschen sich nach ihrem Tod an sie erinnern. Beispiele
dafür sind:
Manche Menschen versuchen Kunstwerke zurückzulassen,
so dass ihre Namen weiterleben können. Im Quran wird dies folgendermaßen
beschrieben:
Baut ihr euch aus Frivolität auf jedem Hügel
ein Denkmal und errichtet Prachtbauten, als wolltet ihr unsterblich
werden? (Sure 26:128, 129 - asch-Schu'ara')
Eines der besten Beispiele dieser Psychologie ist
der extreme Wunsch nach der Erziehung der Kinder. Die, die nicht
auf das Jenseits hoffen, wünschen Kinder zu haben, die den Familiennamen
in der Zukunft tragen werden. Dies ist der hauptsächliche Grund,
warum Familien lieber Söhne mögen. Allah deutet im Quran dieses
Thema folgendermaßen an:
Und wisset, dass euer Besitz und euere Kinder
nur eine Versuchung sind, aber gewaltiger Lohn bei Allah ist.
(Sure 8:28 - al-Anfal)
In einem anderen Vers wird folgendermaßen berichtet, dass das
Wetteifern um Kinder nur ein vorübergehender Schmuck diesseitigen
Lebens ist:
Wisst, dass das irdische Leben nur ein Spiel
und Scherz und Flitter und Prahlerei unter euch ist und Wetteifern
um Vermögen und Kinder. Dies gleicht dem Regen, dessen Wachstum
die Bauern erfreut. Dann aber welkt es, und du siehst es gelb
werden. Dann zerbröckelt es. Und im Jenseits ist strenge Strafe
ebenso wie Verzeihung von Allah und Wohlgefallen. Doch das irdische
Leben ist nur ein trügerischer Nießbrauch auf Zeit. (Sure 57:20
- al-Hadid)
Wenn wir den Quran lesen, sehen wir, dass ein Gläubiger
nur dann ein Kind haben möchte, wenn es zum Vorteil der Religion
ist. Viele der Propheten hatten für lange Zeit keine Kinder,
da es nicht nötig war, erst als sie älter wurden, wollten sie
Kinder haben, damit nach ihnen die Religion weiter verbreitet
und geschützt wurde.
Deswegen soll man dann Kinder bekommen, wenn es für Allahs Wohlgefallen
nötig ist. Die Ungläubigen jedoch wollen nur wegen eines instinktiven
Wunsches Kinder bekommen, damit ihre Familiennamen fortbestehen.
Die Auffassung der Religion in der Dschahiliya-Gesellschaft
Die Gesellschaftsmodelle, deren Eigenschaften wir bis hierher
erwähnt haben, die Allah nicht in Seiner wahren Bedeutung einschätzen
und die deswegen als Dschahiliya bezeichnet werden, haben auch
die Religion nach ihrer eigenen verdrehten Logik und ihrem falschen
Glauben geändert. Die Auffassung der Religion, die als Resultat
dieser Logik entstand, unterscheidet sich vollständig von der
wahren Religion, die uns im Quran von Allah mitgeteilt wird. Im
Quran wird die Religion, die vom Propheten Muhammad (s.a.w.s.)
gebracht wurde, als eine Religion bekannt gemacht, die "von
den Menschen ihre Last und die Fesseln, die auf ihnen lagen, hinweg
nimmt" (Sure 7:157 - al-A'raf) und "in der es keine Schwierigkeiten
gibt":
... Er hat euch erwählt und hat euch in der Religion
nichts Schweres auferlegt; der Religion eures Vaters Abraham.
Er hat euch "Muslime" genannt... (Sure 22:78 - al-Hadsch)
Im Quran werden die Menschen zum Denken und folglich dazu eingeladen,
den falschen Glauben und Wege zu bemerken, denen sie folgen und
sie werden aufgerufen, ein Leben zu führen, wie es Allah von ihnen
verlangt.
Die Dschahiliya-Gesellschaft jedoch hat die offene und leicht
verständliche Mitteilung des Quran ignoriert und im Namen des
Islams eine stark fanatische und bedrückende Religion hervorgebracht.
Wir können einige Eigenschaften dieser verdrehten Logik der Religion
der Dschahiliya-Gesellschaft folgendermaßen aufzählen:
Die Religion, die im Quran beschrieben wird, lädt
den Menschen dazu ein, nur Allah zu dienen und sich von der
Sklaverei anderer Wesen außer Allah zu befreien. Dieser Religion
gemäß ist der Mensch nur dafür verantwortlich, nach Allahs Wohlgefallen
zu suchen. Er braucht nicht den anderen zu gefallen. Die Dschahiliya
jedoch hat die Religion nicht als einen Weg angesehen, um nach
Allahs Wohlgefallen zu suchen und folglich sich selbst zu befreien,
sondern für eine gesellschaftliche Vereinigung gehalten. Nach
dieser Auffassung der Dschahiliya-Gesellschaft verstärkt die
Religion den gesellschaftlichen Druck auf einen Menschen. Somit
basiert die Religion auf der Angst vor der Frage "Was sagen
die anderen Menschen?" und unterscheidet sich dadurch vollständig
von der wahren Religion.
Die Dschahiliya-Gesellschaft, die die Religion so
versteht, hat sie mit der Tradition identifiziert. Örtliche
Gewohnheiten und Glauben wurden dem Islam hinzugefügt, und religiös
zu sein bedeutete gleichviel wie, an die Überlieferungen gebunden
zu sein, die von den Vorvätern stammten. Doch die Religion,
die im Quran beschrieben wird, hat damit gar nichts zu tun.
Im Quran befiehlt Allah den Menschen nur, Seinen Befehlen und
der Sunnah des Propheten (s.a.w.s.) zu folgen. Im Laufe der
Geschichte haben sich die Propheten immer mit denen auseinandergesetzt,
die mit den Falschheiten, die sie von ihren Vorvätern gelernt
hatten, die Wahrheit widerlegen wollten. Ihre Moral wurde in
den Versen folgendermaßen beschrieben:
Und wenn man zu ihnen spricht: "Befolgt, was
Allah herabgesandt hat," sprechen sie: "Nein, wir befolgen, was
wir bei unseren Vätern vorfanden." Wie? Obgleich ihre Väter nichts
wussten und nicht geleitet waren? (Sure 2:170 - al-Baqara)
Das gleiche Thema wird in der Sure 5:104 - al-Ma'ida; in der
Sure 6:91 - al-An'am; in der Sure 7:28 - al-A'raf und in vielen
anderen Versen nochmals erwähnt.
Die Dschahiliya-Gesellschaft, die die Religion als
eine gesellschaftliche Vereinigung annimmt und mit der Tradition
gleichsetzt, hat als natürliches Resultat ihrer Haltung die
Religion von der Vernunft getrennt. Aber wie im Quran angegeben
wird, ist die Weisheit für einen Gläubigen sehr wichtig. Die
Gläubigen werden immer dazu eingeladen, zu denken, zu forschen
und auf diese Weise Allahs Zeichen kennen zu lernen. Der Glaube
kommt aus dieser Weisheit. Das heißt, als Resultat des Benutzens
der Weisheit glaubt man, und je mehr man seine Weisheit benutzt,
desto stärker wird der Glaube. Die Dschahiliya jedoch denkt,
dass der Glauben nur aus der Glaubhaftigkeit besteht. Diese
Menschen erkennen Allahs Bestehen und Seine Attribute nicht
durch ihren Verstand, sondern nur, indem sie an die traditionellen
Kenntnisse blindlings glauben. Aus diesem Grund ist der Glaube
an Allah in der Dschahiliya-Gesellschaft sehr schwach. Um diesen
schwachen Glauben nicht zu verlieren, haben sie eine alberne
Logik entwickelt: "Wenn man zu viel über religiöse Themen nachdenkt,
dann verliert man den Glauben." Natürlich steht diese Logik
im völligen Widerspruch zu der quranischen Logik, dass man den
Glauben durch den Verstand begreifen kann.
Mit der gleichen Logik haben die ignoranten Menschen
der Religion neue Regeln hinzugefügt, sie haben Verbotenes unbedenklich
als Erlaubtes angenommen. Somit ist der Islam eine Religion
geworden, die den Menschen zahlreiche Begrenzungen bringt und
die im praktischen schwer zu leben ist. Im Quran weist Allah
oftmals auf die Falschheit der "prohibitiven" Logik hin, die
viele Menschen stört:
Sprich: "Wer hat denn die schönen Dinge verboten,
die Allah für Seine Diener erschaffen hat, und die guten Speisen?"
Sprich: "Sie sind für die Gläubigen im irdischen Leben, ausschließlich
aber (für sie) vom Tag der Auferstehung an." So machen Wir den
Verständigen die Zeichen klar. Sprich: "Verboten hat mein Herr
nur Schandbarkeiten, öffentliche oder verborgene, die Sünde schlechthin
und unrechtmäßige Gewalttaten, und dass ihr Allah andere Gottheiten
an die Seite stellt, wozu Er euch nicht ermächtigte, und dass
ihr von Allah aussagt, was ihr nicht wisst." (Sure 7:32-33 - al-A'raf)
Warum solltet ihr nicht von dem essen, worüber
Allahs Name gesprochen wurde, wo Er euch schon erklärte, was Er
euch verboten hat, sofern ihr nicht gezwungen werdet? Aber siehe,
viele führen euch mit ihren Begierden und in ihrer Unwissenheit
irre. Siehe, dein Herr kennt sehr wohl die Fehlbaren. (Sure 6:119
- al-An'am)
O ihr, die ihr glaubt! Verbietet nicht die guten
Dinge, die Allah euch erlaubt hat, aber übertretet auch nicht.
Siehe, Allah liebt nicht die Übertreter. (Sure 5:87 - al-Ma'ida)
Wie aus diesen Versen ersichtlich ist, gehört diese prohibitive,
rückständige, geschlossene, unbehagliche und überalterte Struktur
nicht dem Islam an.
Als Resultat der Degeneration, die durch die Dschahiliya-Gesellschaft
verursacht wurde, wurde der Islam als "eine arabische Wüstenreligion"
präsentiert. Die Wahrheit ist aber ganz anders. Die Propheten
sind immer die zivilisiertesten Personen ihrer Zeiten gewesen.
Sie sind sehr kultivierte Menschen, die ästhetische Werte besitzen.
Der Prophet Salomo (a.s.) ist eins von den hervorragenden Beispielen,
die uns im Quran mitgeteilt werden. Sein Palast ist voll mit
architektonischen Wundern, den Bildnissen und riesigen Becken
und Teichen.
Muslim zu sein bedeutet nicht, von der traditionellen Kultur
abhängig zu sein oder an nostalgischen Werten Freude zu finden.
Es bedeutet auch nicht, "Orientale" zu sein. Ein Muslim zu sein,
heißt Allah zu dienen und für die Gnaden dankbar zu sein, die
Allah ihm gegeben hat. Es ist die strenge Bemühung darum, Allah
zu erkennen und ein Mensch mit einem edlen Charakter zu sein.
Ein wahrer Muslim ist jemand, der immer nach dem Wohlgefallen
Allahs, des Allmächtigen sucht, Der ihn erschaffen hat, und der
außer Allahs Wohlgefallen keine andere materielle oder geistige
Erwartung hat.
Das ist die Beschreibung der Muslime.
Diese
Webseite basiert auf den Arbeiten von ADEM YAKUP.