EINLEITUNG
Der Glaube an das Jenseits
Der Glaube an das Jenseits ist einer der wichtigsten Glaubenspfeiler
des Islam. In der ersten Sure des Quran betont Allah, nach Er-wähnung
Seiner Eigenschaften "Der Erbar-mer" und "Der Barmherzige", dass
Er "der Herrscher am Tage des Gerichts"
ist (Sure 1:3, 4 - al-Fatiha). Im dritten Vers der darauf
folgenden Sure wird betont, dass Gläubige jene sind, "...die
an das Verborgene glauben" (Sure 2:3 - al-Baqara).
Diese Vorstellung des "Verborgene" schließt auch die Auferstehung
des Menschen nach dem Tod mit ein sowie den Tag der Auf-erstehung,
Paradies und Hölle, kurz, alles, was mit dem Jenseits in Verbindung
steht. Tatsächlich wird im nächsten Vers, dem 4. Vers der Sure
al-Baqara, mit den Worten "...sie vertrauen fest aufs
Jenseits" eine besondere Betonung auf den Glauben an
das Jenseits gelegt.
Der Glaube an das Jenseits ist ein Zeichen wahren Glaubens, und
somit sehr wichtig. Die Art von Glauben an das Jenseits, wie der
Quran ihn definiert, resultiert in großer Zuversicht und Wahrhaftigkeit
des Gläu-bigen. Jemand, der an das Jenseits glaubt, besitzt bereits
bedingungslosen Glauben an Gott, Sein Buch und Seinen Boten. Solch
ein Individuum weiß, dass Gott die Macht über alle Dinge hat und
dass Seine Worte und Versprechen wahr sind. Infolgedessen hat
er niemals Zweifel über das Jenseits. Bevor er diese Tatsachen
sieht und erlebt, hat er bereits festen Glauben an sie, als ob
er sie schon gesehen hat. Dies ist die natürliche Folge seines
Glaubens und Gottvertrauens und der Weisheit, die ihm gewährt
wurde. Weiterhin umfasst ein unerschütterlicher Glaube an das
Jenseits, rein von irgendwelchen Zweifeln, den Glaube an die Existenz
Gottes sowie den Glaube an Seine Eigenschaften, wie im Quran erklärt,
und vollkommenes Vertrauen und Ergebenheit zu Ihm. Dieser Glaube
bringt den Menschen auch dazu, Gott im Alltag zu erkennen und
ihn gebührend zu würdigen. Dies ist die Art von Glauben, die Allah
als wertvoll bezeichnet.
Aus dem Vorhergehenden wird deutlich, dass wahre und vollkommene
Überzeugung auf einem unerschütterlichen Glauben an das Jenseits
gründet. An vielen Stellen im Quran gibt es Hinweise auf Ungläubige,
die das Jen-seits leugnen und seine Realität anzweifeln. In der
Tat glaubt die Mehrheit dieser Leute jedoch an die Existenz Gottes.
Was sie jedoch irreführt, sind nicht Fragen bezüglich der Existenz
Gottes, sondern Fragen, die Seine Eigenschaften betreffen. Einige
glauben, dass Gott anfangs alles schuf, und dann den Menschen
sich selbst überließ. Andere glauben, dass Gott den Menschen schuf,
aber dass es das Individuum selbst ist, das sein eigenes Schicksal
bestimmt. Eine andere Gruppe denkt, dass Gott die innersten Gedanken
und Geheimnisse des Menschen nicht kennt. Einige glauben an die
Existenz Gottes, aber lehnen jede Form von Religion ab. Die letztgenannte
Art von Menschen wird im Quran folgendermaßen beschrieben:
Und sie schätzen Allah nicht richtig ein, wenn sie sagen: "Allah
hat keinem Menschen etwas geoffenbart..." (Sure 6:91 - al-An'am)
Menschen, die die Existenz Gottes zwar nicht abstreiten, aber
Gott nicht verehren, wie es Ihm gebührt und das Jenseits leugnen,
haben keinen wahren Glauben. Tatsächlich ist die Anzahl von Menschen,
welche die Existenz des Schöpfers abstreiten, sehr gering, doch
viele von ihnen haben keine vollkommene Überzeugung. Aus diesem
Grund findet man im Quran nicht viel Erwähnung von Leuten, die
Gott leugnen. Dagegen findet man jedoch umfangreiche Hinweise
auf Leute, die Gott Partner zuschreiben, die die Auferste-hung
nach dem Tod, den Jüngsten Tag, das Paradies, die Hölle und alle
Einzelheiten und Aspekte leugnen, die zum Glauben an das Jenseits
gehören.
Obwohl das Jenseits eine Tatsache ist, die nicht mit den fünf
Sinnen wahrgenommen werden kann, schuf Allah es zusammen mit unzähligen
Beweisen und Zeichen, damit unser Verstand leicht ein grundlegendes
Ver-ständnis davon erhalten kann. Der Mensch, der der Prüfung
in dieser Welt unterzogen wird, kann diese Tatsache nicht mit
den fünf Sinnen erkennen, sondern mit Weisheit und Gewissen. Der
durchschnittliche Mensch er-kennt, wenn er seine Umwelt betrachtet,
leicht, dass alles in dieser Welt, einschließlich er selbst, nicht
als ein Ergebnis reinen Zufalles entstanden sein kann, sondern
vielmehr durch die überlegene Macht eines Schöpfers - das Wissen,
den Willen und die Kontrolle Allahs. Dann begreift er, dass die
Schöpfung des Jenseits für Allah einfach ist und dass es die natürlichste
und logischste Folge des Le-bens in dieser Welt ist. Weiterhin
erkennt er, dass Allahs Weisheit und Gerechtigkeit die Existenz
des Jenseits zwangsläufig mit sich bringen.
Obwohl dies so offensichtlich ist, weigert sich jemand, der gegen
die Gebote Allahs verstößt, die Idee der Auferstehung nach dem
Tod zu akzeptieren. Als ein Mensch, der sein Leben für die Erfüllung
seiner egoistischen Wünsche verschwendet, ist er nicht bereit
für die Vorstellung, dass er nach dem Tod vor Allah Rechenschaft
über all seine Taten in diesem Leben ablegen muss. Darum zieht
er es vor, obwohl er prinzipiell an die Existenz Allahs glaubt,
die Stimme seines Gewissens zu unterdrücken und sich selbst zu
betrügen. In solch einer Dimension gefangen beginnt ein Ungläubiger,
unkluge, inkonsistente und irrationale Vergleiche ohne irgendwelche
tiefere Überlegungen zu ziehen, um die Aufer-stehung und das Jenseits
zu bestreiten:
Und er stellt mit Uns Vergleiche an und vergisst dabei, dass
er selbst eine Schöpfung ist. Er spricht: "Wer belebt die Gebeine,
wenn sie zerfallen sind?" (Sure 36:78 - Ya Sin)
Diese rhetorische Frage, die bloß gestellt wird, um der Wirklichkeit
zu entkommen und sich selbst zu betrügen, hat jedoch eine explizite
Antwort:
Sprich: "Leben wird ihnen Der wiedergeben, Welcher
sie zum ersten Mal erschuf, denn Er kennt jegliche Schöpfung."
(Sure 36:79 - Ya Sin)
Im Quran macht Allah klar, dass solche inkonsistenten Vergleiche
typisch für die Un-gläubigen sind:
Diejenigen, welche nicht an das Jenseits glauben, sind von schlechtem
Wesen. Allah hingegen hat alle Eigenschaften in Voll-kommenheit,
und Er ist der Edle, der Weise. (Sure 16:60 - an-Nahl)
Viele versuchen, ihre Haltung zu rechtfertigen, indem sie folgendes
sprechen:
Sprechen werden sie: "Werden wir wirklich in unseren früheren
Zustand zurückgebracht? Selbst wenn wir verweste Gebeine waren?"
Sie sprechen: "Dies wäre wahrlich eine verlustreiche Wiederkehr!"
(Sure 79:10-12 - an-Nazi'at)
Obwohl sie oft davon überzeugt sind, zögern sie nicht, zu gestehen,
dass die Exis-tenz des Jenseits nicht mit ihren Zielen in diesem
Leben zusammenpasst.
Der Ungläubige reduziert seine eigene Weisheit freiwillig. Er
sieht die Irrationalität seiner eigenen Behauptungen, doch fährt
mit großer Hartnäckigkeit fort, das Jenseits zu bestreiten, um
sich psychologisch zufrieden zu stellen und sein Tun vor sich
selbst zu rechtfertigen:
Und sie schwören bei Allah den feierlichsten Eid: "Allah erweckt
niemand, der gestorben ist." Doch! Das ist eine wahre Verheißung
- jedoch wissen es die meisten Menschen nicht. (Sure 16:38 - an-Nahl)
Diese Leute nehmen ihre Launen und Wünsche als Götter und äußern
falsche Worte, um ihr Gewissen zu beruhigen und Zuflucht in ihnen
zu suchen. Allah beschreibt den Zu-stand dieser Leute, welche
die Existenz des Jenseits bestreiten, folgendermaßen:
Und wahrlich, Wir bestimmten viele der Dschinn und der Menschen
für die Hölle. Herzen haben sie, mit denen sie nicht verstehen.
Augen haben sie, mit denen sie nicht sehen. Und Ohren haben sie,
mit denen sie nicht hören. Sie sind wie das Vieh, ja verirren
sich noch mehr. Sie sind die Achtlosen. (Sure 7:179 - al-A'raf)
An einer anderen Stelle im Quran wird die Situation dieser Leute
in den folgenden Wor-ten beschrieben:
Was meinst du wohl? Wer seine Wünsche zu (seinem) Gott macht
und wen Allah irregehen lässt - wissend, dass ihm Ohr und Herz
versiegelt sind und dass auf seinen Augen eine Hülle liegt - wer
wird ihn wohl rechtleiten, wenn nicht Allah? Wollen sie sich denn
nicht ermahnen lassen? Sie aber sagen: "Es gibt nur unser irdisches
Leben. Wir sterben und wir leben und nur der Zeitablauf macht
uns zunichte." Sie haben davon aber kein Wissen; sie vermuten
nur. (Sure 45:23, 24 - al-Dschathiya)
Die Wahrheit über das weltliche Leben
Ungläubige behaupten, dass es unmöglich sei, bestimmte Themen
durch Gebrauch von Weisheit und Vernunft zu erfassen. Der Tod,
die Auferstehung nach dem Tod und das Jen-seits, so behaupten
sie, seien solche Themen.
Wir können Parallelen zwischen diesen Vorstellungen und den Phänomenen
des Schlafens und Träumens ziehen. Jemand, der eindringlich bestreitet,
dass er nach dem Tod auferstehen wird und den Gedanken an den
Tod stets vermeidet, ist sich nicht bewusst, dass er den Tod jede
Nacht in seinem Schlaf erfährt und ebenso wieder aufersteht, wenn
er morgens aufwacht. Die Informationen, die uns der Quran bezüglich
des Schlafes gibt, sind von großer Hilfe um das Thema zu verstehen.
Allah beschreibt den Schlaf im Quran folgendermaßen:
Allah nimmt zur Zeit ihres Todes die Seelen zu Sich, und (die
Seelen) derer, welche nicht gestorben sind, in ihrem Schlaf. Diejenigen,
über die Er den Tod verhängt hat, behält Er; die andern sendet
Er zurück, bis zu einem bestimmten Termin. Darin sind fürwahr
Zeichen für nachdenkliche Leute. (Sure 39:42 - az-Zumar)
Er ist es, der euch zu Sich nimmt zur Nacht, und Er weiß, was
ihr während des Tages tun werdet, an dem Er euch erweckt, damit
ein bestimmter Termin erfüllt wird. Zu Ihm ist euere Heimkehr.
Dann lässt Er euch wissen, was ihr getan habt. (Sure 6:60 - al-An'am)
In den obigen Versen wird der Schlaf als Zustand des Todes bezeichnet.
Es wird kein grundlegender Unterschied zwischen "Tod" und Schlaf
gemacht. Was geschieht also wäh-rend des Schlafes, der so erstaunliche
Ähnlichkeiten mit dem Tod hat?
Der Schlaf ist die Abreise der menschlichen Seele aus dem Körper,
den sie einnimmt, wäh-rend der Mensch wach ist. Beim Träumen erwirbt
die Seele einen vollkommenen anderen Körper und beginnt, eine
völlig andere Welt wahrzunehmen. Wir können niemals er-kennen,
dass wir träumen, während wir träumen. Wir verspüren Angst, Reue
und Schmerz, wir regen uns auf oder sind glücklich. In unseren
Träumen sind wir uns sicher, dass das, was uns zustößt, real ist
und wir verhalten uns oft genau so, wie wenn wir wach sind.
Wenn es technisch möglich wäre, von außen einzuschreiten und
dem Träumenden zu erzählen, dass das, was er sieht, bloße Gefühle
und Illusionen sind, so würde er dies einfach ignorieren und glauben,
dass man Spaß mit Ihm treibt. Diese Wahrnehmungen in den Träumen
haben jedoch keine entsprechenden materiellen Bezugsobjekte in
der externen Welt; das, was wir in unseren Träumen erfahren, ist
die Summe der Bilder und Wahrnehmungen, die Allah auf unsere Seelen
projiziert.
Der wichtigste Punkt hierbei ist die Tat-sache, dass das gleiche
göttliche Gesetz auch nach dem Aufwachen gilt. Allah bestätigt
im Quran, dass Träume unter Seinem Willen und seiner Kontrolle
liegen, wozu der folgende Vers ein Beispiel gibt: "Allah
zeigte sie dir in deinem Traume als wenig zahlreich; hätte Er
sie dir als sehr zahlreich gezeigt, wahrlich, ihr wärt kleinmütig
gewesen und hättet über die Sache miteinander gehadert. Allah
aber bewahrte euch (davor). Siehe, Er kennt das Innerste der Brüste.
(Sure 8:43 - al-Anfal) Der Vers ''Und beim Zusammentreffen ließ
Er sie in eueren Augen als wenige erscheinen und verkleinerte
euch in ihren Augen, damit Allah eine Sache vollendete, die geschehen
sollte. Und zu Allah kehren alle Dinge zurück.'' (Sure 8:44 -
al-Anfal) macht deutlich, dass das gleiche Gesetz auch
im täglichem Leben Gültigkeit hat. Die Tatsache, dass die Wahrnehmungen
und Bilder, die wir von Materie haben, vollkommen dem Willen und
der Schöpfung Allahs unterliegen und dass es außer ihnen keine
Existenz in der externen Welt gibt, wird in der folgenden Strophe
be-schrieben:
Für euch gab es bereits ein Zeichen, als zwei Gruppen aufeinander
stießen: Eine Gruppe kämpfte auf Allahs Weg, die andere war ungläubig.
Die letzteren sahen sie mit eigenen Augen als doppelt soviel als
sie selber. Und Allah stärkt mit Seiner Hilfe, wen Er will. Siehe,
hierin ist wahrlich eine Lehre für die Verständigen. (Sure 3:13
- Al-'Imran)
Ebenso wie beim Träumen sind die Dinge, die wir im Verlauf des
täglichem Lebens er-fahren und von denen wir denken, dass sie
materielle Bezugsobjekte in der Außenwelt haben, lediglich Bilder,
die Allah auf unsere Seelen projiziert, zusammen mit den Gefüh-len,
die Er uns gleichzeitig spüren lässt. Ge-schehnisse und Handlungen,
die zu unseren Körpern oder anderen Dingen dieser Welt gehören,
existieren, weil Allah die entsprechenden Bilder und Wahrnehmungen
schafft. Diese Tatsache wird im Quran erwähnt:
Nicht ihr erschlugt sie, sondern Allah erschlug
sie. Und nicht du warfst, als du warfst, sondern Allah warf. Er
wollte die Gläubigen einer schönen Prüfung durch Sich unterziehen.
Siehe, Allah ist hörend und wissend. (Sure 8:17 - al-Anfal)
Das gleiche göttliche Gesetz gilt für die Schöpfung des Jenseits
und die dazugehörigen Bilder und Wahrnehmungen. Wenn der Tod eintritt,
werden alle Verbindungen der Seele mit dieser Welt und diesem
Körper abgebrochen. Die Seele aber ist ewig, weil Allah ihr "von
Seinem Geist einatmete". Alles bezüglich des Lebens, des Todes,
der Wieder-belebung und dem Leben im Jenseits besteht rein aus
Wahrnehmungen, die von der ewigen Seele empfangen werden. Darum
gibt es logischerweise keinen großen Unterschied zwischen der
Schöpfung dieser Welt und der des Paradieses oder der Hölle. Ähnlich
ist der Übergang von dieser Welt ins Jenseits nichts anderes als
das Aufwachen nach einem Schlaf und das Fortfahren mit dem "wirklichen
Leben".
Mit der Auferstehung beginnt ein neues Leben im Jenseits mit
einem neuen Körper. Sobald die Wahrnehmungen, die zum Para-dies
oder zur Hölle gehören, auf die Seele projiziert werden, beginnt
das Individuum, sie zu spüren. Allah, der Schöpfer von unendlichen
Bildern, Stimmen, Gerüchen, Geschmäcken und Gefühlen, welche zu
diesem Leben ge-hören, wird in gleicher Weise unendliche Bilder
und Gefühle bezüglich des Paradieses und der Hölle erschaffen.
Die Schöpfung all dessen ist für Allah leicht:
... wenn Er eine Sache beschließt, spricht Er nur zu ihr: "Sei!"
und sie ist. (Sure 2:117 - al-Baqara)
Eine weitere bemerkenswerte Tatsache ist, dass, ebenso wie das
Leben in dieser Welt im Vergleich zu Träumen schärfer und deutlicher
erscheint, auch das Jenseits verglichen mit dem Leben in dieser
Welt weitaus intensiver ist. Ebenso wie Träume verglichen mit
diesem Leben kurz sind, so ist auch dieses Leben im Vergleich
zum Jenseits äußerst kurz. Zeit ist bekanntlich nicht statisch,
wie früher angenommen wurde, sondern eine relative Vor-stellung.
Dies ist eine Tatsache, die von der heutigen Wissenschaft bestätigt
wird. Beim Träumen scheint ein Ereignis stundenlang zu dauern,
während der Traum selbst nur einige Sekunden dauert. Selbst der
längste Traum hat nur eine Dauer von maximal einer Minute. Trotzdem
nimmt der Träumende an, dass er Stunden oder Tage erlebt. Der
Quran gibt Hinweise auf die Relativität der Zeit:
Die Engel und der Geist steigen zu Ihm empor
während eines Tages, der fünfzigtausend Jahre dauert. (Sure 70:4
- al-Ma'aridsch)
Er lenkt alle Dinge - vom Himmel bis zur Erde.
Zu guter Letzt steigt alles zu Ihm empor an einem Tage, dessen
Maß tausend Jahre von denen sind, die ihr zählt. (Sure 32:5 -
al-Sadschda)
Ähnlich verbringt eine Person, die viele Jahre in dieser Welt
lebt, nur ein unvorstellbar kurzes Leben im Vergleich mit dem
Zeitkon-zept des Jenseits. Die folgende Unterhaltung während der
Beurteilung im Jenseits gibt diesbezüglich ein gutes Beispiel:
Er wird fragen: "Wie viele Jahre wart ihr auf Erden?" Sie werden
sagen: "Wir waren wohl einen Tag oder nur den Teil eines Tages
dort. Frag die, welche rechnen können." Er wird sprechen: "Ihr
wart nur ganz kurz da, wenn ihr es nur wüsstet. Meint ihr etwa,
Wir hätten euch zu Spiel und Zeitvertreib erschaffen und dass
ihr nicht zu Uns zurückkehren müsst?" (Sure 23:112-115 - al-Mu'minun)
Es ist daher offensichtlich, dass das Riskie-ren seines ewigen
Lebens aufgrund dieses vorübergehenden weltlichen Lebens eine
un-kluge Wahl wäre. Dies wird noch deutlicher, wenn man die Kürze
des weltlichen Lebens im Vergleich zum Jenseits betrachtet.
Zusammengefasst kann man also sagen, dass die Dinge, die wir
Materie nennen und von denen wir glauben, dass sie eine externe
Existenz haben, nichts als Empfindungen sind, die von Allah auf
die Seele des Men-schen projiziert werden. Ein Mensch glaubt,
dass sein Körper ihm gehört. Doch auch der Körper ist nichts als
ein Bild, das Allah auf die Seele des Menschen projiziert. Allah
verändert die Bilder, wann er es wünscht. Wenn das Bild des Körpers
plötzlich verschwindet, und die Seele beginnt, neue Illusionen
wahrzunehmen, in anderen Worten, wenn man stirbt, wird der Schleier
über den Augen entfernt und man erkennt, dass der Tod kein Ver-schwinden
ist, wie man angenommen hatte. Dies wird im Quran folgendermaßen
be-schrieben:
Und mit dem Todeskampf kommt die Wahrheit: "Das
ist es, dem du stets entrinnen wolltest!" Und es wird in die Posaune
gestoßen - das ist der angedrohte Tag! Und jede Seele wird mit
einem Treiber und einem Zeugen kommen. "Du warst dessen völlig
achtlos. Wir zogen deinen Schleier jetzt weg von dir, und heute
ist dein Blick scharf." (Sure 50:19-22 - Qaf)
Ungläubige erlangen dadurch eine Er-kenntnis der Wahrheit:
Sie werden rufen: "Wehe uns! Wer hat uns aus unserem Schlaf geweckt?
Das ist es, was der Erbarmer vorausgesagt hatte, und die Gesandten
hatten doch die Wahrheit gesprochen!" (Sure 36:52 - Ya Sin)
Von da an beginnt der Ungläubige, Reue - die größte Reue, die
man sich vorstellen kann - zu empfinden.
